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21.7.2002
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Vor 460 Jahren
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Papst Paul III. errichtet das Sanctum Officium
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Klaus Kühnel
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"Das heilige Offizium war vor allem eine Reaktion, häufig eine grobe wie die Situation jener Zeit, oft eine willkürliche wie die Tribunale jener Zeit, aber stets die Reaktion einer Gesellschaft, die sich verteidigte."
Mit diesen Worten rechtfertigte noch im Jahre 1960 der französische Historiker Charles Pichon die Inquisition, die Papst Paul III. am 21. Juli 1542 mit der Bulle "Licet ab initio" als "heiliges Gericht" ins Leben rief.
Seit dem 13. Jahrhundert waren in der christlichen Welt Ketzer verfolgt worden. Nach 1500 schien es, als sei die katholische Kirche mit allen Zweiflern an ihren Dogmen, allen Andersgläubigen, ein für alle mal fertig geworden: die Katharer waren vernichtet, die Flagellanten, die Beginen, die Begarden. Ganz Spanien war endlich wieder katholisch geworden, die Mauren waren nach Afrika zurückgetrieben, die Juden ausgewiesen. Als Dank für ihre Ergebenheit gegenüber dem "wahren und einzigen", dem katholischen Glauben, schenkte der Papst den Majestäten von Spanien und Portugal Asien, Afrika und Westindien -das man später "Amerika" nannte.
Plötzlich und unerwartet trafen aus Deutschland beängstigende Nachrichten in Rom ein und durchkreuzten den Triumph des katholischen Glaubens wie ein Blitz aus heiterem Himmel: Der Augustinermönch Luther verbreitete 1517 neue ketzerische Behauptungen. Er widersprach der geltenden Lehre und der seit langem üblichen Praxis des Ablasses, der Vergebung von Sünden durch Geld. Zu allem Übel trennte sich 1534 das "gottlose" England von der römisch-katholischen Kirche. Die "Pest der Häresie" breitete sich wieder aus und bedrohte die heilige Mutter Kirche. Zudem hatte der Deutsche Johann Gutenberg eine "satanische Erfindung" gemacht: den Buchdruck mit beweglichen Lettern. Nun konnten nicht nur die Werke der Theologen rasch und billig gedruckt werden, sondern auch die Pamphlete der sogenannten Humanisten, die es sogar wagten, heilige Dogmen zu verspotten.
Der Papst verzweifelte, aber Gott erbarmte sich seines Stellvertreters auf Erden und schickte ihm Ignatius von Loyola, einen Eiferer aus Spanien, der einen neuen Orden gründen wollte: die Jesuiten. Mit diesen "Soldaten Gottes und der Kirche" wollte Loyola auf den Gebieten Wissenschaft und Bildung der Reformation entgegen arbeiten und die verlorene Macht der Kirche zurück gewinnen. Die Jesuiten waren nicht zimperlich in der Wahl ihrer Mittel. Sie vertraten die Ansicht:
Wir heiligen selbst sündhafte Mittel durch den reinen Zweck. Auf diese Weise haben unsere Patres Wege gefunden, die Gewalttätigkeiten zu erlauben, die man bei der Verteidigung seiner Ehre anwendet. Man braucht nur seine Absicht von dem Wunsch nach Rache, der sündhaft ist, abzuwenden und sie auf den Wunsch, seine Ehre zu verteidigen, hinzulenken, denn das ist nach unseren Patres erlaubt.
Ignatius von Loyola und die Mitglieder seines Ordens, die zu den drei üblichen Gelübden - Gehorsam, Keuschheit, Armut - ihre unbedingte Ergebenheit dem Papst als Person gegenüber zu schwören hatten, die Jesuiten gerieten bald mit einem anderen Orden, den Dominikanern, in Streit, denn in deren Hand lag bisher die Aufgabe, durch Predigt und Seelsorge unerbittlich darauf zu achten, dass alle Gläubigen die kirchlichen Dogmen einhielten. Im Volksmund hießen die nach ihrem Stifter Dominikus benannten Dominikaner deshalb:
Domini canes - Hunde des Herrn.
Gegen den Übereifer der untereinander konkurrierenden Mönchsorden erließ Papst Paul III. am 21. Juli 1542 eine Verordnung, Bulle genannt, mit der er erstmals das Verfahren gegen die Ketzer regelte, aber auch zu deren systematischem Aufspüren anstachelte. Er schuf damit - nach dem Vorbild der in Spanien bereits bekannten Inquisition - ein Gericht, das überall wirken durfte und sollte, wo die katholische Kirche Macht und Einfluss besaß. Denn der Papst sah in jedem Ketzer einen möglichen "Empörer und Zerstörer" kirchlicher Autorität. Von ihm ist der Ausspruch überliefert:
Wenn mein eigener Vater Häretiker wäre, würde ich selbst das Holz zusammentragen, um ihn verbrennen zu lassen.
Von einem solchen Menschen konnte ein Ketzer kein Mitleid erwarten. Aber durch die strengen Festlegungen der Bulle brach Paul III. auch die Willkür des einzelnen Glaubensrichters und gab allgemeine Regeln für die Durchführung des Inquisitionsprozesses. Die oberste Entscheidungsgewalt lag in den Händen des Papstes, der die Inquisition persönlich leitete. Kardinal Giovanni Pietro Caraffa, einen Fanatiker in Glaubens- und Machtfragen der Kirche, ernannte er als seinen Stellvertreter zum Obersten Inquisitor. Ihm zur Seite standen fünf weitere Kardinäle als Inquisitoren. Alle sieben zusammen bildeten das Richterkollegium des höchsten Tribunals der katholischen Kirche. Gegen ihre Entscheidung gab es weder Einspruch noch Berufung. Anklage führen konnte jedermann. Als Ketzer galt:
Wer die Heilige Schrift nicht als Offenbarung Gottes anerkannte, wer nicht beachtete, was der Römische Stuhl jemals den Christen zu glauben befohlen hatte, was die Kirchenväter vom Glauben und von der Widerlegung ketzerischer Gedanken sagen.
Neben der Abwehr von Ketzerei wurde die Inquisition natürlich auch in den Machtkämpfen innerhalb des Vatikans eingesetzt. Wer sich den Wünschen des absolut herrschenden Papstes Paul III. nicht fügte, musste damit rechnen, als Ketzer angeklagt, verfolgt und verurteilt zu werden. Davor schützte selbst ein Kardinalshut nicht. Kardinal Caraffa ließ zwei seiner Kollegen als Häretiker verhaften, weil sie angeblich nicht eifrig genug ketzerische Gedanken verfolgten. Der Kirchenchronist Seripando, selbst Kardinal, schreibt:
Vor allem infolge der unmenschlichen Strenge Caraffas gewann dieser Gerichtshof eine solche Bedeutung, dass man dafür hielt, nirgends auf der ganzen Erde würden schrecklichere und furchtbarere Urteile gefällt.
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