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27.12.2003
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England und Portugal schließen ein Handelsabkommen
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Vor 300 Jahren
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Von Jochen R. Klicker
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 Der Kampf um den Wein (Bild: AP)
| Chairman's, Cockburn's, Croft, Dow, Flagman's, , Graham's, Mac Duff's, Royal Oporto, Sandeman, Saint Clair, Taylor's, Warre's, Yeatman ...
Das sind die Namen bekannter und begehrter Portweinhäuser. Es sind englische Namen. Denn von den heute rund 50 Portweinexportgeschäften in Lissabon, Porto und Madeira ist ein Viertel in englischem Besitz. Diese Shippers - wie sie bis heute heißen - bestreiten mehr als die Hälfte aller Ausfuhren aus Portugal. Und das kam so:
Wir schreiben das Jahr 1668.
Nach rund 90 Jahren spanischer Herrschaft und im Laufe der Neuordnung Europas nach dem 30jährigen Krieg gewinnt Portugal seine Unabhängigkeit zurück. Für ihren Aufstand gegen Madrid haben die adligen Rebellen Unterstützung aus London bekommen. Nachdem sie dem englischen König religiöse Toleranz zugesagt haben, dürfen sie in England Söldner anwerben und Kriegsschiffe chartern. Nach diversen Scharmützeln und zwei großen Schlachten gibt sich Spanien geschlagen und erkennt die neue Dynastie der Branganza endgültig an.
Das bedeutete für Portugal aber noch lange keine Sicherheit vor dem potenten Spanien. Als kleines Königreich mit weitgespannten maritimen und kolonialen Interessen hatte Portugal kaum eine andere Wahl, als sich die Unterstützung Englands zu sichern.
Die Methuen-Verträge von 1703.
Ein knappes Jahr verhandelte der britische Diplomat John Robert Methuen mit der portugiesischen Krone. Dann waren Portugal und England in Form von zwei Verträgen militärisch und wirtschaftlich aneinander gebunden.
Der Deal ist einfach und klar - nach kolonialer Manier. Er besagt: Im ersten Methuen-Vertrag wird festgeschrieben, dass die englische Militärmacht für den Fall eines feindseligen Angriffs auf Portugal sofort zu Hilfe eilt. Im Gegenzug wird im zweiten Vertragswerk vereinbart, dass die Märkte beider Länder für die Produkte der Vertragspartner geöffnet und mit Vorzugszöllen begünstigt werden.
Portugal erhielt damit sichere Absatzmärkte für seine Rohstoffe und verlor zugleich den Anreiz zur Modernisierung seiner Wirtschaft.
Wirtschaftspolitisch sollte damit vor allem Frankreich getroffen werden, das bis dahin Hauptweinlieferant für England und Schottland gewesen war. Aber mehr noch:
Es dauert gar nicht lange, und eine Reihe von Ausländern beschäftigt sich mit Portwein - erst nur mit dem Handel und Export; bald auch mit der Herstellung. Nachdem die portugiesische Krone wie einst in Sachen Söldneranwerbung religiöse Toleranz zugesagt hat, machen sich vor allem Engländer besonders eifrig ans Werk. Schnell haben sie das Geschäft mit dem begehrten Wein im Griff. Zunächst die Shippers, die ein Portweinschiff nach dem anderen von Lissabon nach London schicken. Dann die Factors - die Handelsagenten, die den Wein bei den Winzern vor Ort einkaufen. Und schließlich die Quintassees - die Menschen, die in den Weinbergen und Kellereien entlang des Douro arbeiten.
Wie gesagt: Eine Absicht der Methuen-Verträge war es, Frankreich und insbesondere die französischen Winzer wirtschaftspolitisch zu schädigen. Dieser Absicht stand jedoch zunächst noch ein Hindernis entgegen: Anders als die französischen Weine ließ sich der Portwein nur mit erheblichen Qualitätseinbußen transportieren und lagern. Da hatten findige englische Winzer eine Idee:
Sie fügten während der Gärung dem Most ein gewisses Quantum an Brandwein zu. Das stoppte die Gärung abrupt. Viel Restzucker verwandelte sich nicht mehr in Alkohol. So wurde der Wein stabiler, wurde transport- und lagerfähig ... und dieser Portwein entsprach mit seiner Restsüße eher dem Geschmack der englischen Konsumenten.
Ironie der Geschichte: Größter Portweinabnehmer heute ist - Frankreich! Das Portweininstitut in Porto hat errechnet, dass die Franzosen derzeit gut 40 Prozent des Gesamtexports an Portwein abnehmen.
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