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28.8.2004
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Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung wird gegründet
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Vor 55 Jahren
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Von Maike Albath
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 Sprache als wichtiges Kulturgut (Bild: AP)
| Vor 55 Jahren liefen die Vorbereitungen für die Gründung und den Aufbau der beiden deutschen Staaten auf Hochtouren. Auch Vereine, Verbände und Institutionen wurden am laufendem Band gegründet. Am 28. August 1949 hob eine festliche Versammlung in der Frankfurter Paulskirche eine Einrichtung aus der Taufe, die durch die Verleihung des Büchner-Preises bekannt geworden ist: die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung.
28. August 1949. In der Frankfurter Paulskirche findet eine Feier zu Goethes 200. Geburtstag statt. Im Rahmen des Festaktes gibt der ehemalige Kultusminister und Direktor des Norddeutschen Rundfunks, Adolf Grimme, die Gründung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung bekannt.
Wir verkünden die Akademie im Sinne ihrer Gründer als eine gemeinsame Angelegenheit aller, die die deutsche Sprache sprechen, aller, die sie lieben und heute von Sorge um sie erfüllt sind. Jahre des Unheils, in denen Unrecht Recht, Lüge Wahrheit, Knechtschaft Freiheit genannt wurde, in denen man zwischen Gut und Böse nicht unterschied, in denen das Wort von seinem Sinn getrennt wurde, wenn es der Nutzen verlangte - diese Jahre des Unglücks haben unserer Sprache schweren Schaden getan. Ein Volk lebt und stirbt mit seiner Sprache, blüht und verdorrt mit ihr. Wir setzten mit der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung einen Anfang. Sie soll eine Stätte der Arbeit sein und später einmal der Ort der geistigen Repräsentanten der Deutschen werden.
Ein halbes Jahr später, im Frühjahr 1950, kommen die Initiatoren, darunter Schriftsteller und Publizisten, in Stuttgart zusammen. Als Sitz der Akademie wird Darmstadt auserkoren, und schon im darauf folgenden Jahr übergibt der Hessische Kultusminister im Verein mit der Stadt Darmstadt der Akademie eine wichtige Aufgabe: Sie darf den Träger des Georg Büchner-Preises auswählen.
Die deutsche Akademie für Sprache und Dichtung verleiht den Georg Büchner-Preis ....
Nach 1950 wird der schon in der Zeit der Weimarer Republik verliehene Georg Büchner-Preis rasch zum renommiertesten deutschen Literaturpreis, wodurch auch die Akademie an Ansehen gewinnt. Im ersten Jahrzehnt zählen Gottfried Benn, Marie Luise Kaschnitz, Max Frisch, Günther Eich und Paul Celan zu den Trägern.
Collage Paul Celan, Peter Handke, Thomas Bernhard:
Meine Damen und Herren, mir ist heute eine sehr hohe Ehre zuteil geworden. Ich werde mich daran erinnern dürfen, dass ich neben Menschen, deren Person und deren Werk mir Begegnung bedeuten, Träger eines Preises bin, der Georg Büchner gedenkt.
Der Deutschen Akademie danke ich für die Verleihung des Georg-Büchner Preise und das Geld, das damit verbunden ist. Und Georg Büchner danke ich für mehr. - Ich danke der Akademie, ich danke für ihre Aufmerksamkeit.
In der Anfangszeit gerät die Akademie mit internen Querelen immer wieder in die Schlagzeilen. Oskar Jancke, der Initiator der Institution, leistet sich als Herausgeber der Akademie-Zeitschrift "Neue literarische Welt" Unregelmäßigkeiten und muss schließlich zurücktreten. Als zwei Jahre später ans Licht kommt, dass drei wichtige Mitglieder hoch bezahlte Werbetexte für Zigaretten verfasst haben, folgen weitere entrüstete Austritte. Erst 1953 brechen mit der Präsidentschaft des Schriftstellers Hermann Kasack ruhigere Zeiten an. Man gewinnt neue Mitglieder hinzu. In die Akademie aufgenommen wird nur, wer ein eigenes Werk vorzuweisen hat: Wissenschaftler, Schriftsteller, Lyriker, Komponisten. Norbert Miller, Professor für Germanistik an der Technischen Universität Berlin und Vizepräsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung:
Norbert Miller: Die Vorstellung ist, wenigstens eine Art Buch oder etwas dieser Art müsste vorhanden sein, damit man auch als Autor hineinkommt. Auch die ganz reichlich vertretenen Literarhistoriker, zu denen ich gehöre, haben natürlich zunächst einmal zu beweisen, oder sollten zumindest beweisen, dass es sich auch um Autoren handelt. Ob sie das können, ist wieder eine andere Frage. Aber gewählt werden Literarhistoriker oder Kritiker als Autoren, das heißt, es muss ein Werk da sein. Das ist die Unterscheidung. Denn sonst wäre die Kritik und das, was sie kritisieren soll, in einem Boot, und das wäre keine sehr günstige Vorstellung.
In regelmäßigen Arbeitstagungen zur Wirkung der Literatur, Macht und Ohnmacht der Sprache und europäischer Sprachpolitik präsentiert sich die Akademie der Öffentlichkeit. Ende der fünfziger Jahre erweitern sich ihre Aufgaben: ein Preis für besonders gelungene Übersetzungen wird gestiftet, bald darauf kommen Preise für literarische Kritik und Essay, für wissenschaftliche Prosa, für die Vermittlung deutscher Kultur im Ausland hinzu. Mit den allseits beachteten Preisverleihungen, Veröffentlichungen und jährlich ausgeschriebenen Preisfragen etabliert sich die Akademie zwischen 1950 und 1970 als literarische Institution. Trotzdem wird immer wieder nach ihrer Berechtigung gefragt. Mal beschimpft man sie als literarischen Herrenclub oder gelehrten Greisenverein, mal gilt sie gar als Brutstätte gefährlicher ästhetischer Tendenzen.
Norbert Miller: Es gibt dann natürlich ein öffentliches Interesse, zum Teil verbunden mit der Abwertung der Literatur schlechthin, dann sagt die Presse, sagen die Medien, diese Akademie könnte man am besten abschaffen, man würde etwas anderes lieber finanzieren wollen, die Literatur und die bürgerliche Kritik sei tot, das hat ein etwas anderes Bild ergeben, hat aber in der literarischen Öffnung, der breiten Zustimmung von allen Arten von Öffentlichkeit, die vorher so nicht da war.
In der Zeit der deutschen Teilung zählt die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung zu den Gremien, in denen die Grenze keine Rolle spielt.
Norbert Miller: Die Tendenz der Darmstädter Akademie war immer darauf gerichtet zu sagen, wir wollen die deutschsprachige, nicht die deutsche, die deutschsprachige Literatur als eine europäische Einheit zu sehen, als etwas, das im europäischen Raum eine Rolle spielt. Und deshalb war natürlich immer der Versuch, durch Preisvergaben aber auch durch Zuwahlen von Mitgliedern, nach Möglichkeit die politische Spaltung rückgängig zu machen. Ob das sein konnte, ist eine andere Frage, die Frage stellt sich ja erst seit '89 in einem stärkeren Maß.
Gutmütig, dem Kanon verhaftet, ein wenig steif und etwas altväterlich - so wirkt die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung heute. Sie mag zu Widersprüchen reizen, eine wichtige Funktion hat sie auch im vereinigten Deutschland. Ungeachtet der politischen Verhältnisse und gängigen Moden verleiht sie Jahr für Jahr ihre Preise und bietet dem Nachdenken über Literatur einen Raum.
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