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13.2.2003
Riviera-Nichtstuer - Geschichte der Playboys
Ole Schulz

Aus und vorbei: Es ist der 5. Juli 1965, als Porfirio Rubirosa bei einem Autounglück ums Leben kommt. Ein standesgemäßer Tod für einen, den die Zeitungen am nächsten Tag den "letzten echten Playboy" nennen. Nach einer rauschenden Feier wegen des Sieges seines Polo-Teams beim "Coup de France" war Rubirosa spät in der Nacht mit seinem Ferrari gegen einen Baum gerast. So schnell, wie er gelebt hatte, so plötzlich war sein Abgang.

Porfirio Rubirosa, Diplomat aus der Dominikanischen Republik, war einer, der das leichte Leben liebte - schöne Frauen, schnelle Autos, Sport und Spiel, Vergnügungen und Nervenkitzel. Er sei "Meister in der Kunst, das Leben wie eine Auster zu schlürfen", äußerte sich eine Bettgefährtin über ihn. Auf die Frage des Nachrichtenmagazin Newsweek "Arbeiten sie jemals?", entgegnete Porfirio Rubirosa:

"Arbeit? ich habe keine Zeit für Arbeit."

Ein anderes Mal sagte er über seine Lebensphilosophie:

"Die meisten Männer wünschen sich nichts sehnlicher, als Vermögen zu verdienen, ich will nur Vermögen ausgeben."

Rubirosas Karriere als Playboy begann gleich mit einem Skandal: Seine erste Eroberung war die Tochter des Diktators Trujillo - gegen den Willen des Vaters. Erst als seine Tochter, "Flor de Oro" - Goldblüte genannt, in den Hungerstreik trat, ließ sich Trujillo erweichen. Der Potentat der Dominikanischen Republik schickte Rubirosa samt Gattin 1936 in den Diplomatischen Dienst nach Berlin. Dort erwarb sich Rubirosa seinen Ruf als unwiderstehlicher Liebhaber und Bonvivant.

Zu Rubirosas wechselnden Partnerinnen gehörten Filmstars wie Zsa Zsa Gabor und Rita Hayworth ebenso wie die exzentrischen Millionärinnen Doris Duke und Barbara Hutton. "Monsieur Toujours Prêt", der Allzeit-Bereite, wurde Rubirosa in Frankreich genannt. Zsa Zsa Gabor erinnert sich an das "Erfolgsrezept" dieses heißblütigen, dunkelhäutigen Playboys:

"Du hast das Gefühl, dieser Mann durchbricht Wände, reißt Berge nieder und stellt die Welt auf den Kopf, um dich zu erobern. Er ist wild, ungeduldig, mit einem stürmischen Temperament. Aber er legt dir sein Herz zu Füßen, wenn er dich begehrt, und er begehrt dich ununterbrochen..."

Zu Rubirosas Playboy-Kompagnons in diesen Jahren zählten schillernde Persönlichkeiten wie der Milliardärssohn Prinz Ali Khan oder der draufgängerische Australier Freddie Mc Evoy, der damals mit dem Hollywoodstar Errol Flynn den High Society-Treffpunkt Acapulco unsicher machte. Nach dem Krieg folgten ihrem Vorbild auch einige Deutsche wie der `Blaublütler´ Alfonso Prinz zu Hohenlohe - und nicht zuletzt Gunter Sachs.

Wilfried Rott: "Der klassische Vertreter der zweiten Generation der Playboys, die in der prosperierenden Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg vorwegnahmen, was später für viele nachlebbar wurde".

So bezeichnet der SFB-Fernsehjournalist Wilfried Rott in einem Buch über die Geschichte der Playboys Gunter Sachs. Der stieg, als er, nach heftigem Werben, Brigitte Bardot eroberte, in die erste Riege der Playboys auf. Kennen gelernt hatte sich das Traumpaar - wo sonst - in St. Tropez an der französischen Riviera. Nur eins stimmt so nicht: die romantische Version, die gern kolportiert wird, Sachs hätte aus dem Hubschrauber ein Meer von roten Rosen auf die Villa Brigitte Bardots niedergehen lassen.

Gunter Sachs: "Es war lediglich eine Rose, und dann muss ich allerdings sagen, auf dem selben Hubschrauberflug warf ich dann meine beiden Holzkoffer aus dem Helicopter und machte ´nen Hecht ins Wasser und kam dann aus dem Meer in den Garten rein - und das, das gefiel der Bardot noch besser wie die Rosen."

Die Heirat mit der Filmikone Bardot, der "Marianne" Frankreichs, war definitiv der Höhepunkt in Gunter Sachs´ Karriere als Playboy von internationalem Format; wobei Sachs selbst diese Bezeichnung nicht so sehr mag.

Gunter Sachs: "Ich kann mich nicht als Playboy bezeichnen, weil ich weiß gar nicht genau, was das heißen soll. Ich würde sagen ich gehöre aber sicher zur Spezies der `Homo Ludens´, zu den spielenden Menschen."

Der Ort der Hochzeit war nicht zufällig gewählt: das Spielerparadies Las Vegas. Hier schritt das Paar am 14. Juli 1966, am französischen Nationalfeiertag, vor den Traualtar.

Nach nur acht Minuten war es vollbracht - die Bardot durfte sich nun Frau Sachs nennen. Was folgte, war typisch für einen Playboy: Sachs hatte einen Fotografen engagiert, der die Hochzeit noch einmal aufwändig nachstellte - schließlich musste er der staunenden Öffentlichkeit in aller Form seinen Triumph präsentieren.

Der damals 33jährige blieb aber auch an der Seite Brigitte Bardots ein Abenteurer und Lebemann: Er spielte mit Freunden Roulette in Monte Carlo, fuhr Bob in St. Moritz und Rennboot auf dem Mittelmeer. Seiner Frau wurde dieses Leben schnell überdrüssig:

Brigitte Bardot: "Ich hatte nicht einen Mann allein geheiratet, sondern eine Sippschaft herumscharwenzelnder Playboys, die durch Komplizenschaft enger zusammengeschmiedet waren, als es eine Ehe je vermochte. In ihrem Leben fungierten die Frauen gewiss nicht als `Frau´ im positivsten Sinne. Sie suchten sich schöne, junge und vorzugsweise dumme Gefährtinnen. Pech für Gunter! Da ich die letztgenannte Qualifikation nicht besaß, fiel ich ihm zunehmend lästig. Er playboyte herum, und ich stand ihm dabei im Wege!"

Schon 1969 wird die Ehe geschieden - in gegenseitigem Einvernehmen, wie es hieß. Danach kümmerte sich Gunter Sachs mehr um die Familiengeschäfte und machte sich als Fotograf einen Namen, kurzum: er sagte dem Playboy-Leben Adieu. Eine Vorliebe aus jenen wilden Tagen ist allerdings geblieben:

Gunter Sachs: "Ich finde die Frauen sind das Schönste, was es gibt auf der Welt. Und ich glaube, so sollte das auch sein für ´nen Mann. So wollte das, glaube ich, die Schöpfung. Es gibt vielleicht Leute, die Giraffen oder Igel schöner finden. Ich finde die Frauen das Schönste, was es gibt auf der Welt."

Was nun einen richtigen, einen "echten" Playboy ausmacht, darüber scheiden sich die Geister. In jedem Fall muss er gut aussehen, stets auf der Suche nach einer neuen Affäre sein und verschwenderisch mit seinem, zumeist geerbten, Geld umgehen. -- Rolf Eden: "Ich bin einfach nur wirklich potent, wenn ich eben verschiedene junge Damen habe, und das ist für mich immer wieder interessant, die kleinen süßen Geschichten, die sie mir so erzählen, und was sie so bedrückt, was sie für kleine Sorgen haben. Und den Riesenspaß, den wir immer haben: Wir verreisen zusammen, wir gehen sehr oft aus. Ich versuche auch wirklich, die Damen zufrieden zu stellen, ich meine jetzt nicht sexuell nur, sondern vor allem auch kleine Schmuckstücke. Ich glaube Frauen muss man von oben bis unten jeden Tag verwöhnen und sie wirklich sehr happy machen."

Rolf Eden, Westberliner Disko-König, ein etwas "proletenhafter" Playboy. Zum ersten Mal tauchte der Begriff "Playboy" im "Oxford English Dictionary" schon im Jahr 1828 auf. Dort hieß es:

"ein Mensch, besonders ein wohlhabender, der darauf aus ist, sich zu erfreuen", "ein selbstsüchtiger Genusssucher".

Dass die Playboys zur Kultfigur wurden, sollte jedoch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein dauern. Nach Gunter Sachs gab es angeblich nicht mehr als zwei Dutzend "echte" Playboys - zwölf Jünger des süßen Lebens. Wilfried Rott in einem Radio-Gespräch:

"Es kommt darauf an, wie man es definiert - Nachahmer oder eben solche, die in einer ähnlichen Art gelebt haben, gab es viele, aber die, die den Stil geprägt haben, das waren schon weniger, wobei das Dutzend habe ich von Gunter Sachs übernommen. Dieses Lupenreine, und dazu gehören wirklich gewisse Kriterien, zum Beispiel eines der wichtigsten für mich ist, dass die Leute nicht gearbeitet haben, und deswegen, wenn sie Filmstars werden oft als Playboy bezeichnet, sind sie nicht! Die Leute arbeiten schwer oder haben schwer daran gearbeitet, an das Geld zu kommen, das sie jetzt haben, während der echte Playboy war eigentlich ein wunderbarer Nichtstuer."

Demnach waren sie also Nichtstuer, Geldverschwender, Frauenverschlinger in der Zeit des "Wirtschaftswunders" nach dem Krieg. Ein idealtypischer Playboy kam aus gutem Hause und arbeitete nicht, weil ihm genügend Geld zum Müßiggang zur Verfügung stand. Darum haftete der Bezeichnung Playboy in jenen strebsamen Jahren, als sich der Begriff im Deutschen durchsetzte, auch schnell etwas Abschätziges an.

Materiell ausgesorgt zu haben, das reichte natürlich nicht aus, um ein Playboy zu sein. Dazu gehörten auch umtriebige Vergnügungen solcher Art, wie sie Alfonso Prinz zu Hohenlohe beschreibt:

"Das Wochenende zum Segeln nach Long Island oder Newport; Polo bei den Vanderbilts in Connecticut, ein paar Tage mit anderen Junggesellen in Havanna auf Kuba."

Wilfried Rott: "Auf jeden Fall ist das Geldhaben allein ja nicht das Entscheidende. Sondern, was die Playboys ausmacht, ist, dass sie in der Tat mit ihrem Leben - heute würde man sagen - `Fun´ oder Spaß; den Begriff hatten sie damals witzigerweise noch gar nicht. Aber sie hatten ein tiefes Gefühl davon: Wir wollen mit unserem Geld Spaß haben, Vergnügen und das auch mit einem gewissen Öffentlichkeitseffekt. Also, was mir so auffiel, sie waren irgendwie auch Schauspieler. In einer Gesellschaft der Reichen waren die so bisschen auch die Spaßmacher."

Das Leben eines Playboys und vor allem sein Lieben verlangten Öffentlichkeit, er gierte geradezu danach - Gunter Sachs machte es bei der Inszenierung seiner Ehe mit Brigitte Bardot trefflich vor. Auch, was ihre Beweglichkeit, ihr ständiges "Unterwegs-Sein" angeht, waren Playboys gesellschaftliche Vorreiter.

Dann kamen die 60er Jahre - und mit den in Gang gesetzten Umwälzungen war die Blütezeit der Playboys vorüber.

Heute, wo jeder mit Last-Minute-Angeboten in die Karibik fliegen kann und gleichzeitig auch die Geschlechterbeziehungen vielschichtiger geworden sind, hat sich der Playboy klassischen Stils überlebt. Schon Porfirio Rubirosa äußerte sich - kurz vor seinem Tod - resigniert über die neuen Verhältnisse:

"Ich möchte nicht als Moralist erscheinen. Aber diese Mädchen von heute, die so unabhängig sind, so frei auch in sexueller Hinsicht, die kann ich nicht billigen. Ich missbillige sie aus geschmacklichen Gründen. Die sexuelle Freiheit bei einer Frau bewirkt, dass man das Interesse an ihr verliert, es zerstört das Geheimnis an ihr. Ja, ja den Frauen mag es gelungen sein, gleichberechtigt zu sein, aber mir gefällt es nicht."
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