Der Berufsreiter Aus dem Leben eines Jockeys Eine Reportage von Anna Corves Regie: Atmo 1 Ankunft (1'26) > Atmo 2 Stall (4'29) Autor 1: Köln, Anfang April, 5 Uhr 30 am Morgen. Es ist noch dunkel, es nieselt kräftig, die Stadt schläft. Aber nicht überall. An der Rennbahn im Stadtteil Weidenpesch laufen Menschen eilig auf ein Metalltor zu, schemenhaft im Dunkeln. Einer von ihnen ist Alexander Pietsch: 41 Jahre alt, Jockey, einer der Besten in Deutschland. Er hastet einen Feldweg entlang, rasch triefen die Schuhe vor Nässe. Links zeichnet sich eine freie ovale Fläche ab, die Rennbahn. Vor ihm, beleuchtet: mehrere Gebäude, ein Gehöft. Regie: 1 O-Ton Reich (0'09 min) ?Das ist dann so unser Reich, wo unsere Pferde stehen. Wir trainieren 100 Pferde. Die Stallungen sind angemietet. Und der Trainer verwaltet das alles.? Autor 2: Wir - das sind etwa 20 Reiter, die für den Rennstall und seinen Trainer arbeiten. Die Pferde sind englische Vollblüter - eine edle, auf Schnelligkeit gezüchtete Rasse. Die Besitzer wiederum sind oft Adelige, Banker oder obskure Gestalten wie Ramsan Kadyrow, Tschetscheniens Präsident. Auch er hat ein Pferd im Kölner Rennstall stehen. Ein erfolgreiches Rennpferd kostet Millionen. Jeder Sieg hebt seinen Wert. Alexander Pietsch geht zur Sattelkammer, guckt dort auf den Plan. Regie: Atmo 3 Plan (0'20) > Atmo 4 Sattelkammer (1'37) Autor 3: Dann schwärmt er mit den anderen Reitern aus, das erste Pferd zu holen. Eine Kolonne von Männern, 2, 3 Frauen, alle mit Kinderfiguren. Auch bei Alexander Pietsch schlackert die schwarze Stoffhose um die dünnen Beine, den kantigen Po. Regie: 2 O-Ton Berufswah > Atmo 5 Nicolosio (2'25) ?Ich war natürlich in der Schule immer der Kleinste. Ich war immer so ein bißchen außen vor. Und dieser Umgang mit Tieren und dieses Reiten, das hat mir eine Form von Bestätigung gegeben. Das Einzige, womit ich glänzen konnte, war mit meinen Pferden. Mit denen bin ich prima klargekommen und deswegen habe ich mich in den Beruf dann verliebt.? Autor 4: Er begrüßt Nicolosio, einen dreijährigen Hengst, striegelt sein braunes Fell. Rasch aber gründlich. Das Training folgt einem straffen Zeitplan: um 6 Uhr 15 heißt es: Aufsitzen. Es ist ein bisschen heller geworden draußen. Regie: Atmo 6 Rausführen, Losreiten (1'35) > evtl. Atmo 7 Aufsitzen einbauen Autor 5: Damien, der Stallbursche, hilft einem Reiter nach dem anderen via Räuberleiter beim Aufsitzen. In einer Reihe reiten sie die Pferde warm, erst Schritt, manch einer noch lässig mit einer Zigarette im Mundwinkel, dann Trab. Nach 15 Minuten biegt der Tross auf einen Feldweg ab, der auf die Rennbahn führt. Links zeichnet sich die Tribüne ab, auf der an Renntagen die Zuschauer mitfiebern. Regie: Atmo 8 Schritte Hickst (1'10) Autor 6: Jetzt gibt es nur einen Zuschauer: Waldemar Hickst, den kirgisischen Trainer. Seine kleine Statur verrät den Ex-Jockey. Im Stechschritt überquert er das Feld, um gleich-zeitig mit den Pferden am hinteren Ende der Bahn, im tieferen Sand, anzukommen. Regie: Atmo 9 Rennplatz (4'55) > evtl. plus Atmo 10 Hickst (0'42) Autor 7: Pietsch biegt mit Nicolosio auf die Rennspur ab. Der Hengst bläht die Nüstern, er ist aufgeregt. Dann stürmt er im Galopp los, die anderen Pferde folgen. Regie: Atmo 11 auf Pferd (1'30) Autor 8: Aus der Ferne leuchtet Alex? rote Schutzweste. Der Trainer verfolgt seinen Ritt mit kritischem Blick. Alexander Pietsch ist Hickst' "Stalljockey?, meist reitet er die Pferde im Wettkampf. Das Verhältnis zwischen Jockey und Trainer ist rein professionell. Nur die Leistung zählt. Und die definiert Hickst so: Regie: 3 O-Ton Hickst (0'15) > Atmo 9 Rennplatz (Schnauben) > Atmo 12 Abreiten ?Der Jockey ist gut, wenn er wenige Fehler macht. Wenn er Fehler hätte gemacht, wäre er schon längst draußen. Schlechter Jockey kann auch mit gutem Pferd das Rennen versenken. Ich bin zufrieden mit ihm, wenn er wenige Fehler macht, mache ich auch keine.? Autor 9: Nach nur zwei Kilometern drosseln die Reiter die Geschwindigkeit wieder.. Wie später auch in den Rennen müssen die Pferde eine kurze, dafür hochintensive Leistung bringen. Sie schnauben vor Anstrengung. Noch kurz eine Runde im Trab, das war's, die Kolonne reitet vom Platz. Der Trainer spritzt die verschlammten Beine der Pferde ab, dann führen die Reiter sie Runde um Runde durch den Innenhof ? solange, bis die verschwitzten Flanken der Tiere nicht mehr so atemlos pulsieren. Alex bringt Nicolosio zurück in die Box. Die Pferde sind echte Leistungssportler, gehegt, gepflegt, mit Spezialfutter versorgt. Trotzdem werden viele nicht alt: das Risiko für Knochenbrüche und damit für ein frühes Ende beim Schlachter ist hoch. Alexander Pietsch verteidigt den Rennsport. Er glaubt, dass die Pferde Spaß daran haben. Regie: 4 O-Ton Spaß (0'17) > Atmo 5 Nicolosio (Putzatmo) ?Doch, ich denke schon. Dass die, wenn du das richtig mit dem Training beeinflusst, Spaß dran haben können. Dass die richtig gewillt sind, zu kämpfen im Endkampf, sich zu messen mit dem anderen, schneller zu sein. Den anderen zu überholen oder sich zu messen, sich mal auszupowern.? Autor 10: Noch schnell Hufe auskratzen, drüberbürsten - Pferd 1 von 5 heute ist fertig, nach exakt einer Stunde. Regie: 5 O-Ton Nächster (0?03) > Atmo 2 oder 5 ?So! Ab zum Nächsten.? Autor 11: Es ist immer die gleiche Prozedur, im gleichen Minutentakt. 7 Tage die Woche, ob bei Hitze, Regen oder Schnee. Alexander Pietsch mag das. Weil er einfach gerne mit Pferden arbeitet, wie er sagt. Rund 70 hauptberufliche Jockeys gibt es in Deutschland. Alex ist seit 24 Jahren im Geschäft ? dass das ein hartes Brot ist, sieht man ihm an: Sein Gesicht wirkt streng, nicht nur wegen der hohlen Wangen. Der richtige Erfolg kam erst in den letzten Jahren. Regie: Atmo 13 Feierabend (0'41) Autor 12: Es ist 12 Uhr. Alex hat alle fünf Pferde trainiert. Jetzt läuft er wieder den Feldweg entlang, Richtung Ausgang, zum Tor.. Der Jockey ist seit 7 Stunden auf den Beinen - gegessen hat er noch nichts, nur am Morgen einen Kaffee mit etwas Honig getrunken. Jetzt betritt er ein italienisches Restaurant. Regie: Atmo 14 Ankunft Restaurant (0'26) > Atmo 15 Restaurant (1'37) Autor 13: Alex darf zum Wettkampf nur 55 Kilo wiegen. Er ist mit 1 Meter 74 ziemlich groß für einen Jockey. Regie: 6 O-Ton Diät (0?12) ?Ich muss sehr strikte Diät halten und hab immer mit meinem Gewicht zu kämpfen. Und das schon seit Jahren! Das ist natürlich der größte Minuspunkt in meinem Leben, dass ich da große Einschnitte habe gegenüber anderen Menschen.? Autor 14: Er hat jede Frauenzeitschrift durchforstet, jede Diät ausprobiert. Um letztlich immer wieder zu erkennen: Es hilft nur Nicht-Essen, Hungern. Und Schwitzen, in der Sauna oder beim Sport. Das lenkt auch vom nagenden Hungergefühl ab. Regie: Atmo 16 Bestellung (0'11) ?Ich nehme dann mal einen Weißwein.? ?Ich hätte gerne eine Pizza Capri.? ?Für mich nichts, danke.? Autor 15: Nichts essen, aber Weißwein? Der irritierte Blick entgeht Alex nicht: Regie: 7 O-Ton Abstinenzler (0'06) ?Das heißt ja nicht, dass ich Abstinenzler bin. Ein Gläschen Wein, da passiert ja nichts..? Atmo 17 Pizza (0'05) > Atmo 18 Musik (3:54) ?Pizza Capri, guten Appetit.? ?Danke schön.? Autor 16: Mit dem Weißwein auf nüchternen Magen und der Musik von Band entspannen sich seine Gesichtszüge. Er erinnert sich, wie sein Weg zum Jockey begann. Schon Vater und Großvater waren Jockeys und Trainer. Regie: 8 O-Ton Familie (0'37) (+Atmo xx Restaurant: Essensgeräusche bei ~48 sek) ?Ich bin ja noch in der DDR großgeworden. Und der Berufswunsch war ja deswegen interessant für mich, auch in der DDR, weil das ja ein gut bezahlter Job war, der mir Spaß gemacht hat, den ich durch meine Eltern kannte, rangeführt worden bin. Das war alles ein bißchen anders als heute: Man war ja im Angestelltenverhältnis, die Pferde waren volkseigen, das war ein angesehener Beruf, ich hatte ein bißchen Talent mitgebracht. Im Vergleich zur DDR, was die Sache etwas schwieriger macht, ist, dass ich heute auf einer Form von Selbständigkeit arbeiten muss. Dafür kann ich überall in der Welt herumreisen und war schon überall gewesen.? Autor 17: Als Freiberufler ist er auch sein eigener Agent - nur Pferde von Trainer Hickst zu reiten, das reicht nicht. Um bei möglichst vielen Rennen zu starten, muss er sich anderen Trainern anbieten. Siege sind dabei die beste Werbung: Dann bekommt er bessere Pferde - womit wiederum die Siegchancen steigen. Gebucht wird er oft kurzfristig, vier, fünf Tage vor einem Rennen. Er sitzt stets auf gepackten Koffern. Alex zückt seinen Kalender: Regie: 9 O-Ton Kalender (0'26) ?Hier hast du, wo ich in der letzten Zeit geritten bin. Wie die Abläufe waren, wo ich überall gewesen bin. Die letzten Wochen war ich gewesen... wir waren am Samstag in Nancy, am Sonntag in Mühlheim. Die Woche wieder am Mittwoch in Klimm (?), am Donnerstag in Frankreich und Sonntag wieder in Düsseldorf. Also kunterbunt.? Autor 18: Immer öfter startet er im Ausland, wo die Preisgelder höher sind. Reich wird Alex aber nicht: Für die tägliche Trainingsarbeit bekommt er ein Festgehalt - auf Handwerkerniveau, wie er sagt. Dazu kommen 50 Euro Startgeld bei Rennen und, in Deutschland, 5 Prozent von dem Gewinn - falls er siegt. Das können mal nur wenige Euro sein, bei einem hochdotierten Rennen auch mal ein paar Hundert. Ein schwer kalkulierbarer Verdienst - bei hohem Aufwand: Regie: 10 O-Ton Reiseablauf (0'41) > Atmo 19 Ciao (0'05) ?Na, nehmen wir mal zum Beispiel letzte Woche Nancy: Da bin ich also um 4 Uhr aufgestanden, bin noch eine Stunde gelaufen für mein Gewicht, um ein bißchen abzunehmen. Da ist's überall noch dunkel hier in Köln. Dann nochmal kurz in die Badewanne, ein bißchen nachschwitzen, um da Körpergewicht zu verlieren halt. Ja, dann bin ich mit dem Auto nach Nancy gefahren, hab da zwei Pferde geritten, leider ohne Chancen, haben verloren. Abends war ich zuhause gewesen, kann ich Ihnen sagen, halb neun. Zum Glück war Nancy nicht ganz so weit weg, sind bloß 340 Kilometer. Ja, am nächsten Tag ging's schon wieder weiter in Mühlheim auf der Rennbahn. Das ist mein Alltag.? Autor 19: An 3-4 Tagen pro Woche startet er bei Rennen. Damit das so bleibt, geht er jetzt nach Hause, Angebote aquirieren, Rennverläufe auswerten, hoffen, dass ihn ein Trainer anruft. Kurz schlafen. Unbedingt joggen gehen. Kalorien abtrainieren. Dann gibt es einen Salat. Regie: Atmo 20 Rennbahn (4'18) Autor 20: Wochen später: Frühjahrstreffen in Iffezheim bei Baden-Baden, einer der traditions-reichsten Rennplätze Deutschlands. Alexander Pietsch, in Jeans und grüner Windjacke, bahnt sich seinen Weg, vorbei an Pommesbuden, Popcorn-Ständen und Prosecco-Bars. Er guckt hoch konzentriert, die Wangenknochen stechen hart hervor. Er hatte einen schweren Start in diese Rennsaison: Im Winter hatte er eine Schulteroperation, dazu war er drei Monate gesperrt, wegen unsportlichen Verhaltens. Regie: 11 O-Ton Sperre (0'13) ?Und zwar habe ich im Rennen zu sehr gedrängelt. Den anderen so gedrängelt und nen Schubs gegeben, dass der bald die Balance verloren hat und fast vom Pferd gefallen ist und darauf habe ich die Strafe bekommen. Zu überehrgeizig von meiner Seite her.? Autor 21: Auch im Jockey-Ranking steht er gerade nicht so gut da. Aber er gibt sich kämpferisch: Regie: 12 O-Ton Bilanz (0'02) ?Am Jahresende wird abgerechnet. Nicht am Anfang des Jahres.? Autor 22: In Baden-Baden startet er bei sechs Rennen, etwa alle halbe Stunde wird er auf ein anderes Pferd steigen. Am Morgen war er auf dem Laufband im Hotel, hat eine Handvoll Haferflocken gefrühstückt. Das muss bis spätabends reichen. Alex lässt sich auf eine Holzbank neben der Jockey-Umkleide fallen, blättert durch das Programmheft, in dem die Pferde vorgestellt werden. Regie: Atmo 21 Programmheft > 13 O-Ton Programmheft (0'25) > Atmo 22 Jockeybude (0'50) ?Pancho Villas bin ich noch nie geritten. Da guckt man dann an die Vorform, oder man guckt sich die Videos von dem Pferd an, wie es gelaufen ist. Das ist zum Beispiel von links nach rechts gelesen die letzten Platzierungen von dem Pferd. Diese Buchstaben davor, zum Beispiel W bedeutet weicher Boden, also auf welchem Untergrund der gelaufen ist. Und heute werden wir weichen Boden haben. Also ist das Pferd gar nicht so schlecht, war letztens Vierter auf weichem Boden, also hat er damit keine Probleme.? Autor 23: Alex verschwindet in die Jockey-Umkleide. Um ihn herum laufen vier besorgniserregend dünne Männer mit Handtüchern um die Hüften - die Jockeys ziehen sich für das erste Rennen um. Alex will noch kurz in die zugehörige Sauna: Schwitzen. Bevor die Handtücher fallen, geht die Tür zu. Regie: Atmo 23 Kinderlärm (1'14) + Atmo 20 Rennbahn (4'18) Autor 24: Der Rennplatz füllt sich langsam. Teenager aus dem Dorf, Familien mit Picknickdecken, Baden-Badener Schickeria, dezent Wohlhabende. Auf der Rennbahn treffen verschiedene Welten aufeinander. Das gefällt nicht jedem: Eine ältere Dame im eleganten schwarzen Hosenanzug, geflochtener Hut samt Schleife, blickt mißbilligend auf die Kinder, die auf dem Weg vor ihr spielen. Sie kommt mit ihrem Mann schon seit Jahrzehnten nach Iffezheim. Regie: 14 O-Ton Mondän (0'31) > Atmo 24 Wiegeraum (2'57) ?Es ist ein bißchen jetzt Volksauflauf. Unglaubliche Leute zum Teil. Früher war ein bißchen mehr Stil. Das ist jetzt nicht so. Die Kinder auch. Allein schon die Tatsache, dass sie diesen Kinderspielplatz direkt hier zum Eingang gemacht haben, wo der VIP-Eingang ist. Autor 25: Derweil ist Alex aus der Jockeybude gekommen. Über der dicken Schutzweste trägt er ein Trikot in türkis, mit einem rosafarbenen Stern. Alex klemmt den superleichten Sattel unter den Arm, springt im Vorraum der Jockeybude auf eine große Waage, blickt sofort auf die Anzeige gegenüber - der Mann hinter der Waage nickt, mit Ausrüstung hat Alex das zulässige Gewicht, 57 Kilo. Er greift die Satteldecke mit der Startnummer 4. Regie: Atmo 25 Führring (1'37) Autor 26: In einer Reihe laufen die elf Jockeys des ersten Rennens auf den Führring zu - ein Platz, auf dem die Pferde dem Publikum präsentiert werden, das danach entscheidet, auf welches Pferd es setzt. Hier trifft Alex den Trainer Roland Dzubasz. Die beiden begrüßen sich wie alte Bekannte - der Trainer aus Berlin-Hoppegarten bucht ihn oft, man schätzt sich. Regie: 15 O-Ton Instruktionen (0'19) ?Ja Pietschi, guck: 1600, Box 3, lass ihn nur normal rausspringen. Ich würde lieber pokern, und wenn du so fünfte, sechste, siebente Stelle da irgendwo in Reichweite bist, schön hinter die Ärsche da bleiben.? ?Ja, damit er nicht anspringt.? ?Und ihn nur einmal fragen, wenn du wirklich dann ein Loch hast, weeßte .? ?Ja, ok.? Autor 27: Neben Dzubasz steht Frank Haller, der Besitzer des Pferdes, auf dem Alex gleich startet. Der Bremer Unternehmer und ex-Staatsrat hat viele Rennpferde, sie sind sein Hobby. Er hört ruhig zu, wirkt gänzlich unaufgeregt. Alex beobachtet das Pferd mit der Startnummer 4, das von einem Pfleger im Kreis geführt wird. Birthday Prince , ein fuchsfarbener Hengst, der unruhig tänzelt. Regie: 16 O-Ton Strategie (0'12)> Atmo 26 Glocke (0'04) > Atmo 27 Aufsitzen (0'26) ?Mit Speed kommt das Pferd an. Aus der Startmaschine raus ein bißchen Ruhe lassen, auf die Beine kommen lassen, sagt man bei uns im Fachjargon. Und dann das Rennen von hinten angehen. Also zum Schluss versuchen, alle zu überholen.? Autor 28: Birthday Prince gilt als Favorit. Die Glocke läutet: Zeit zum Aufsitzen. Trainer Dzsubasz hilft Alex schnell hoch in den Sattel. Birthday Prince springt los, fast in die Hecke, dann hat der Jockey ihn im Griff. Er reitet noch eine Runde vor den Augen des Publikums, lenkt dann zum Hinterausgang.. Regie: Atmo 28?Na jut, gehen wir mal gucken? (0'11) + Atmo 20 Rennbahn Autor 29: Die Zuschauer machen sich zügig auf den Weg, viele geben noch schnell ihre Wettscheine an einer der vielen Kassen ab. Der Start des Rennens liegt auf der anderen Seite der Bahn, weit weg von den Zuschauer-Tribünen, ohne Fernglas kaum zu sehen. Dzubasz, Haller und ein paar andere Trainer und Besitzer verfolgen lieber die Übertragung des Rennens auf einer großen Leinwand neben dem Führring. Ein Pferd nach dem anderen wird in die Startbox geritten. Dann geht?s los: Regie: Atmo 29 Rennverlauf (2'19) Autor 30: Dszubasz und Haller beobachten, wie die Jockeys mit 65 km/h über die Bahn rasen. Es hat geregnet, Schlamm und Grasbrocken fliegen durch die Luft. Alexander Pietsch steht förmlich über dem Pferd, den knochig-eckigen Po weit nach hinten gestreckt, nur die Zehenspitzen in den Steigbügeln. Der so genannte Affensitz, entlastend fürs Pferd, gefährlich für die Jockeys. Alex hat schon jede Menge Stürze und Brüche hinter sich: Schlüsselbein, Knöchel, Schulter. Einmal lebensgefährliche innere Verletzungen - da ist ihm ein Pferd auf den Bauch gesprungen. Die Gefahren muss man während des Rennens ausblenden, sagt er. Regie: Atmo 29 Rennverlauf ( Ende) ) Autor 31: Alex, der Favorit, kommt nur als Vierter ins Ziel. Ein enttäuschendes Ergebnis. Besitzer und Trainer heben die Schultern ? kann man nichts machen. Sie holen Alex nach dem Ritt an der Rennbahn ab. Regie: Atmo 30 Auswertung (0'20) ?Der mag diese Art von Rennen nicht. Dieses mit Taktik hin und her...? ?Ja, da war auch unterwegs zu viel Hin und Her. Aber wat willste machen.? ?Ließ sich ja auch am Anfang noch gut an, aber...? ?Kommste ja nicht mehr hin.? ?Ok, danke schön.? Autor 32: Während ein Pfleger "Birthday Prince" Richtung Stall abführt, ist Alexander Pietsch schon wieder unterwegs Richtung Jockeykabine. Er muss nochmal auf die Waage, zur Nachkontrolle, erklärt Roland Schäfer, der Auswieger. Regie: 17 O-Ton Richterspruch > Atmo 31 Auswiegen (0'48) > Atmo 32 Führring Pancho (0'37) ?Wenn alle zurück sind, dann heißt es hier bei uns im Jargon 'wird die Waage' geschlossen, ist der Richterspruch offiziell. Das heißt, ich geb dem Richter dann die Mitteilung, dass ich fertig bin mit Auswiegen, die Gewichte gestimmt haben, und dann ist der Richterspruch offiziell und dann rechnet der Toto dann auf meinen Anruf hin die Quoten fertig.? Autor 33: Dann können die Gewinne ausgezahlt werden. Bei dem Rennen eben wurden knapp 66.000 Euro gesetzt. Alexander Pietsch wettet nie, wenn er an den Start geht ? das dürfen Jockeys auch gar nicht, wegen der Manipulationsgefahr. Er setzt seine Hoffnungen vielmehr auf sein nächstes Pferd, Pancho Villas. Der Wallach gehört 14 Politikern aus Iffezheim und Umgebung. Alex, jetzt in gelb-rotem Trikot, hat Pancho noch nie gesehen - Trainer Werner Hefter gibt kurze Instruktionen. Regie: 18 O-Ton Pancho (0'22) > Atmo 33 Rennverlauf von Bahn aus (2'50) ?Ich denke, die Distanz passt dem gut. Was ich nicht weiß: Ob er den Boden kann. Dat weiß ich nicht.? ?Außenseite ist normal, durch die festgefahrenen Spuren.? ?Die gehen wahrscheinlich wieder alle nach außen.? ?Klar, ich bin der erste, der rausgeht, wirste sehen!? ?Dann schieb ihn richtig schön rein.? ?Ok, gut.? ?Ein braver Kerl, hat ein gutes Phlegma. Die Besitzer sind aufgeregter.? Autor 34: Die Bürgermeister ziehen sich auf die VIP-Tribüne zurück. Über dem Hauptplatz liegt mittlerweile Bratwurst-Geruch. Die Jockeys reiten auf der Rennbahn auf, im leichten Galopp. Je näher es an den Start herangeht, desto nervöser tänzeln die Pferde. Alexander Pietsch beugt sich nach vorne, zieht den Sattelgurt fester, schnallt die Steigbügel so hoch, dass die Waden direkt an den Oberschenkel kleben. Ein Helfer führt Pancho in die enge Startbox, schlüpft eilig vorne unter dem Tor raus. Regie: 19 O-Ton Start (0'09) > Atmo 33 (Start) ?Das ist der aufregendste Moment eigentlich am Rennen. Wenn man da in der Startmaschine steht, bevor es los geht. Die Pferde sind aufgeregt, selber merkt man schon die Anspannung.? Autor 35: In dem Moment, als das letzte Pferd in der Box steht, knallen die Tore vorne auf - die Pferde rasen ungestüm los. Regie: Atmo 34 Rennverlauf Kommentator (4'10) Autor 36: Alex kommt gut ins Rennen. Die Spitze des Feldes dominieren aber andere. Nach der Hälfte des 1.800 Meter langen Parcours will Alex mit Pancho nach vorne gehen ? aber er findet keine Lücke. Dann, in der Kurve zur Zielgeraden, sieht er seine Chance: Er zieht nach außen, setzt sich an die Spitze. Jetzt kommt der Stock zum Einsatz: 5 Hiebe sind erlaubt ? und 5 mal holt Alex aus, haut Pancho die Gerte auf das Hinterteil. Ausgerechnet bei diesem Rennen, bei dem keiner mit ihm gerechnet hat, holt Alexander Pietsch den Sieg. Regie: Atmo 35 Zurückreiten (1'33) Autor 37: Er reitet durch die Zuschauerreihen Richtung Hauptplatz, die Schlammspritzer sind wie Sommersprossen im Gesicht. Er lacht, tätschelt Pancho den Hals. Der Wallach schwitzt, dicke Adern zeichnen sich wie Spinnennetze unter der Haut ab. Regie: 20 O-Ton ?Diesmal hat ja alles geklappt? (0'04) (frei stehend) > Atmo 36 Siegerehrung (1'48) Autor 38: Er springt ab, wirft in der Jockeybude Helm und Gerte von sich, dann muss er wieder raus: Siegerehrung. Pietsch steht vorne auf der Festtribüne, umringt von Besitzern und Trainer. Er strahlt, die Fotografen zücken die Kamera, Alex reckt eine 3-Liter-Flasche Sekt in die Luft. Noch während der Zeremonie springt er wieder von der Tribüne, Richtung Umkleide. Atemlos. Zufrieden. Regie: 21 O-Ton Freude (0'04) > Atmo 37 Feier (1'04) ?Das ist natürlich klar, mit so vielen Leuten, denen man eine Freude bereiten kann ? das ist schon immer schön.? Autor 39: Die siegreichen Bürgermeister gehen feiern, im Restaurant über der Jockeystube. Hostessen in engen schwarzen Röcken, halsbrecherisch hohen Pumps und mit wagenradgroßen pinkfarbenen Hüten reichen Prosecco. Alle sind in Jubellaune - Trainer Werner Hefter stößt mit an, das Gesicht schon leicht gerötet. Regie: 22 O-Ton Lob (0'09) > Atmo 22 Jockeybude ?Ist ja allet jot gegangen. Er hat auch gleich angepackt. Also das muss ich sagen, war ein sehr kluger Ritt von ihm.? Autor 40: Eine Etage tiefer geht es für Alexander Pietsch weniger glamourös weiter: Rennen 4, 5 und 6 warten. Der Sieg eben wird heute sein einziger bleiben. Aber beim "Großen Preis der Badischen Unternehmer", dotiert mit einer Menge Prestige und außergewöhnlichen 70.000 Euro, schafft er als absoluter Außenseiter den 3. Platz. Um 19 Uhr verlässt er zum letzten Mal die Jockeykabine, jetzt wieder in Jeans. Müde sieht er aus, aber auch entspannt. 13.700 Euro Sieggeld hat er erritten, 685 davon gehören ihm. Er ist zufrieden. Regie: 23 O-Ton Abschlussfazit (0'14) > Atmo 38 Abschied (0'35) ?'Türlich. Wenn man an so nem großen Renntag gewinnt, ist schon gut. Wenn man in so nem Grupperennen dritter war, den größten Teil der Besitzer zufrieden gestellt hat, ist schon wichtig, dass man die Pferde wieder reiten darf, die Aufträge wieder entgegennehmen kann. Ist schon beruhigend.? Autor 41: Sein Weg zum Auto führt über aufgeweichte Wettzettel und rosa-weißen Kastanienblütenmatsch. Er hält die 3-Liter-Flasche-Sekt in der Hand und eine ästhetisch fragwürdige Blumenvase ? ein Ehrenpreis, ein Fall für seinen Keller. 3 Stunden fährt er jetzt noch zurück nach Köln. Morgen um 5 Uhr 30 wird er zum Training im Rennstall erwartet