Sonntag, 16. Juni 2013 (20:05-21:00 Uhr) KW 24 Deutschlandfunk - Musik & Information FREISTIL Zwanzg z'quetschte Zwutschkerlzwetschken Warum Deutsche und Österreicher nicht zusammenpassen Ein transnationales Alphabet - buchstabiert von Günter - Kaindlstorfer. Redaktion: Klaus Pilger Produktion: ORF 2010 Urheberrechtlicher Hinweis Dieses Manuskript ist urheberrechtlich geschützt und darf vom Empfänger ausschließlich zu rein privaten Zwecken genutzt werden. Die Vervielfältigung, Verbreitung oder sonstige Nutzung, die über den in §§ 44a bis 63a Urheberrechtsgesetz geregelten Umfang hinausgeht, ist unzulässig. (c) - ggf. unkorrigiertes Exemplar Manuskript HINWEIS: DIE O-TÖNE SIND TEILWEISE NICHT AUSGESCHRIEBEN, SONDERN NUR GEKÜRZT WIEDERGEGEBEN. SIGNATION OT Brigitte Hamann - Zwutschgerlzwetschken: "Also, ich glaube, ich kann das nicht. Also: "Zwanzig zquetschte Zwutschkerl..." Und was heißt das denn eigentlich?" OT Wiener Blut - Chor singt - "Grüß Gott, tritt ein, bring Glück herein ... Wir heißen euch willkommen hier, in unserem schönen Wien." OT Jochen Jung - Zungenbrecher: "Zwanzg zquetschte Zwutscherl... san vierzig ..." OT Matthias Hartmann - Zungenbrecher 1: "O ja, unbedingt. Den österreichischen Zungenbrecher, den müssen Sie mir jetzt unbedingt mal. Ich bin in solchen Sachen wahnsinnig schlecht. Okay, also: Zwanzg .... Zwutscherl... san vierzig ... Zwetsche... (LACHT)... Zwetschen." MUSIK - Kaiserwalzer SPRECHER - sagt Titel an: Zwanzg z'quetschte Zwutschkerlzwetschken Warum Deutsche und Österreicher nicht zusammenpassen Ein transnationales Alphabet - buchstabiert von Günter Kaindlstorfer. Sprecher: Wolfram Berger. SPRECHER: 140.000 Deutsche leben derzeit in Österreich. Tendenz: steigend. Noch vor den Zuwanderern aus der Türkei und aus Ex-Jugoslawien stellen die Deutschen damit die größte Migrantengruppe in Österreich. Für Diskussionen sorgt das vor allem an den Universitäten. Zu Tausenden strömen Numerus-Clausus-Flüchtlinge aus Hamburg, Frankfurt oder Bad Salzuflen an Österreichs Hohe Schulen, um hier Medizin oder eines der anderen Massenfächer zu studieren. Das sorgt bisweilen für Reibereien. Und manch ein Österreicher reagiert darauf mit liebevoll gehätschelten Ressentiments aus der antipreußischen Mottenkiste. SPRECHER: A wie Arroganz. OT Hannes Leidinger - Der gemeine Piefke 1: "Der gemeine Piefke wird im Prinzip immer mit einer gewissen Zackigkeit verbunden." SPRECHER: Hannes Leidinger, Historiker, geboren 1969 in Gmunden. OT Hannes Leidinger - Der gemeine Piefke: "Der Österreicher stellt sich da immer eine Pickelhaube vor, einen militärischen Menschen, durch und durch stramm, perfekt organisiert, und gewissermaßen bereits aus diesem Grund eine optische Beleidigung." OT Peter Roos - Deutsche fallen in Wien 1: "Das andere ist, dass ich natürlich mit größtem Missfallen erlebe, wie die Deutschen in Wien einbrechen: mit ihrer lauten Stimme, mit ihren kurzen Sätzen, mit ihren befehlsartigen Bestellungen im Kaffeehaus oder im Restaurant." SPRECHER: Peter Roos, Schriftsteller und Publizist, lebt seit eineinhalb Jahrzehnten in Wien. OT Peter Roos - Deutsche fallen in Wien 2: "Nach 15 Jahren mit dieser Erfahrung höre ich bereits mit österreichischen Ohren, wie das Deutsch da herausgebellt wird aus diesen imperialistisch auftretenden deutschen Mündern." Helmut Qualtinger liest "Die letzten Tage der Menschheit" "Ein deutscher und ein österreichischer Soldat - Schulter an Schulter - treten auf. - Wachtmeister Wagenknecht: Da sind wir nu alle angetreten, und unser Oberbombenwerfen sagte: immer feste druff. - Feldwebel Sedlacek: Tschuldige, dass ich unterbreche: Mir ist das nämlich unklar... Ihr seid's doch alle Bombenoberwerfer... wirfst du nicht auch Bomben ober, also bist du auch ein Oberbombenwerfer.... der was die Bomben oba wirft. - Wass? Na, ihr Österreicher seid doch zu ulkige Kunden." OT Eva Steffen - Deutsche Arroganz 1: "Ich glaube nicht, dass die Deutschen arroganter sind als beispielsweise die Österreicher. Ich denke, das ist durchaus ein Missverständnis." SPRECHER: Eva Steffen, Verlagslektorin. Die gebürtige Münchnerin hat sich 2005 in Österreich niedergelassen. OT Brigitte Fassbaender - Arroganz 1: "Arroganz gibt es immer und überall, genauso viel in Österreich wie in Deutschland. Arroganz hat immer mit Eitelkeit und Dummheit zu tun, beides gibt es hier wie dort." SPRECHER: Brigitte Fassbaender, seit 1999 Intendantin des Tiroler Landestheaters. OT Wiener Blut - 9.00: "THEO LINGEN: "Nach den Informationen, die ich von der Frau Gräfin empfangen habe, dürften Sie der Kammerdiener Knöpfchen sein." HANS MOSER: "Ich heiße nicht Knöpfchen, ich heiße Knöpfel. Ich lege sogar wert auf "Herr Knöpfel." THEO LINGEN: "Schön, Herr Knöpfel, dann tragen Sie das Gepäck hinauf." HANS MOSER: "Jetzt werde ich Ihnen etwas sagen: Kommandieren können Sie vielleicht bei Ihnen zu Hause, aber hier in Wien disponiere ich!" OT Karin Moser - Hans Moser und Theo Lingen 1: "Hans Moser und Theo Lingen haben in zwanzig Filmen zusammen gespielt, sie waren sozusagen das perfekte deutsch-österreichische Paar." SPRECHER: Karin Moser, Filmhistorikerin, geboren 1974 in Wien. OT Karin Moser - Hans Moser und Theo Lingen 2: "wo man die Gegensätze gezeigt hat, man hat aber auch demonstriert, dass die beiden auch sehr viel miteinander verbindet." Hans Moser singt - I hab's Gfühl, i hab zvü - 1: "I hab's Gfühl, i hab zvü Und wann i weiter trink, krieag i an Schwü. Mir kommt vor, i hab gnua Aber der Wirt, bitte, der sperrt ja net zua. Und so bleib i da, fahr net a. Hallo, a Vierterl no: hollodarooo - juuudlduuu." SPRECHER: B wie Bechern OT Dirk Stermann - Alkohol 1: "Ich glaube tatsächlich, dass Österreich und Alkohol Brüder sind, also fast siamesische Zwillinge." SPRECHER: Der Kabarettist Dirk Stermann, geboren in Duisburg, aufgewachsen in Düsseldorf, lebt seit einem Vierteljahrhundert in Wien. OT Dirk Stermann - Alkohol 2: "Ich glaube, dass die Österreicher wirklich wahnsinnig viel Alkohol trinken, weil Alkohol hier nie als Droge gilt, sondern immer als etwas Gemütliches, das ist ganz, ganz positiv besetzt." OT Eva Menasse - Saufen und Fressen: "In Österreich wird viel mehr gesoffen und viel mehr geraucht." SPRECHER: Eva Menasse. Die in Wien geborene Autorin lebt seit 2003 in Berlin. OT Eva Menasse - Saufen und Fressen: "Gerade unter Frauen in Deutschland ist es fast unmöglich, mehr als ein Glas Wein zu trinken. Aber solche gemütlichen Orgien, wie ich sie von Wien in herzlicher Erinnerung hab, die sind hier eigentlich nicht möglich. Da muss man schon lang suchen, oder eben unter die Süddeutschen gehen." OT Ulrich Körtner - Saufen 1: "Ich habe einmal meinen Hausarzt aufgesucht und wollte eine Gesundheitsuntersuchung machen." SPRECHER: Ulrich Körtner, Ordinarius an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien. Der gebürtige Niedersachse lebt und arbeitet seit 1992 in Österreich. OT Ulrich Körtner - Saufen 2: "Und preußisch, wie ich halt bin, habe ich die Frage "Trinken Sie regelmäßig Alkohol?" mit "Ja" beantwortet... Jeden Abend ein Bier oder ein Glas Wein... Da brachen der Arzt und sein Kollege in schallendes Gelächter aus: "Wir meinten ALKOHOL, nicht Wein oder Bier." Hans Moser singt - I hab's Gfühl, i hab zvü - 2 "So bleib i da und fahr net a. Bitte, ein Achterl no. Ein Achterl riskier i no - hollodarooo - hohohoho." SPRECHER: B wie Behörden OT Tex Rubinowitz - Unfreundliche Ämter "Ich hab wenig mit Behörden zu tun. Aber die wenigen Male, als ich mit Behörden zu tun hatte, ist mir etwas unangenehm aufgefallen, nämlich, dass die Österreicher eine unglaubliche Macht ausspielen, zum Beispiel auf dem Finanzamt und in anderen Behörden, selbst in Krankenhäusern. In Deutschland ist das anders, da sind sie freundlicher." SPRECHER: Dirk Wesenberg alias Tex Rubinowitz hat auf österreichischen Ämtern eher unangenehme Erfahrungen gemacht. Seit 1984 lebt der aus Norddeutschland stammende Humorzeichner in Wien. OT Tex Rubinowitz - Unfreundliche Ämter - Fortsetzung: "In Österreich ist es wirklich krass. Eine unglaubliche Aggression in den Ämtern, man kommt sich fast als Bittsteller vor. Wenn man das weiß, kann man damit umgehen. Dann muss man halt wahnsinnig devot sein, dann kann es durchaus passieren, dass man Gnade bekommt." SPRECHER: C wie Charmante Schlampigkeit OT Brigitte Fassbaender - Schlampigkeit und Schlendrian: "Schlampigkeit und Schlendrian sind sicher leichter für den Österreicher zu ertragen als für den Deutschen, sagen wir's mal so." OT Eva Steffen - Schlampigkeit und Effizienz: "Der Österreicher an sich ist natürlich schlampiger. Aber Schlampigkeit hat mit Effizienz überhaupt nichts zu tun. Und ich hab grad das Arbeiten hier als viel effizienter empfunden. Man lässt länger mal was liegen... Das ist am Anfang für den Deutschen sehr irritierend... Es wird schneller was zwischen Tür und Angel besprochen, und es funktioniert." SPRECHER: D wie Deutsche Direktheit OT Eva Menasse - Die Deutschen sprechen besser - Teil 1: "Da ist ein ganz großer kultureller Unterschied zu sprechen und seine Wünsche zu äußern zwischen Deutschen und Österreichern. In Österreich ist immer alles so verschämt und hintenrum und man kann nichts grad herauszusagen... und der Deutsche sagt: Das ist so und so, und ich hätte jetzt gern das und das. Und davon ist der Österreicher in der Sekunde verstört. OT Eva Steffen - Österreicher scheuen Eindeutigkeit: "Meiner Meinung nach scheut der Österreicher die Eindeutigkeit auf jeden Fall. Ein "Jein" oder ein "Schau ma einmal" oder "Das sehen wir dann" habe ich hier sehr oft zu hören bekommen." OT Wiener Blut - 1.23.25: BAYERISCHER KRONPRINZ: Seit ich Sie kenne, liebe ich Wien fast noch mehr. WIENERIN: Es ist für eine Frau gefährlich, Ihnen zuzuhören. BAYERISCHER KRONPRINZ: Ich muss Sie morgen wieder sehen. Aber nicht auf irgendeinem Fest. Ich muss Sie allein sehen. Werden Sie kommen? WIENERIN: Vielleicht. OT Eva Menasse - Deutsche Direktheit: "Eins meiner Lieblingsbeispiele zu diesen Unterschieden im Ausdruck ist, da war ich ganz neu in Berlin, ich trete vor meine Haustür, und es kommt ein Klaviertransport die Treppe runter... Und der schwitzende Träger dieses schweren Klaviers schreit über die Schulter: "ZUR SEITE, FRAU!" Und ich bin natürlich sofort mit einem Hechtsprung... In Österreich würde der sagen: "Tschuidigen, gnä Frau, warat's vielleicht möglich, dass..." Ich mag das ja auch am Wienerischen, dieses ... Grazile an der Sprache, während der Deutsche immer mit dem Hackebeil zuschlägt." SPRECHER: D wie Diskriminierung OT Eva Steffen - Diskriminierte Piefkes: "Ich denke, dass die Piefke in Österreich und gerade in Wien immer wieder diskriminiert werden. Und den Deutschen wird oft mit Vorurteilen begegnet." OT Wir sind Kaiser - Uwe Ochsenknecht - Deutsche Touristen: UWE OCHSENKNECHT: Immer wenn ich in Wien bin, ich liebe die Stadt sehr, muss ich wirklich sagen, ist eine wunderschöne Stadt. PALFRADER: Richtig. UWE OCHSENKNECHT: Tolle Stadt. Aber: Warum bringen sich hier so viele Menschen um in dieser wunderschönen Stadt? PALFRADER: Ja, es kommen halt wahnsinnig viele deutsche Touristen. (TOSENDES GELÄCHTER). SPRECHER: In der TV-Satireshow "Wir sind Kaiser" gewährt der Kabarettist Robert Palfrader alias Robert Heinrich I. immer wieder auch deutschen Gästen Audienz. Dem Schauspieler Uwe Ochsenknecht zum Beispiel, oder der Autorin Hera Lind. OT Wir sind Kaiser - Hera Lind - Lederhose: PALFRADER: Lind! Sie wollt uns die Hand geben? HERA LIND: Schon falsch? Was hätte ich denn tun sollen? Einen Ring küssen? PALFRADER: Nein. An Hofknicks. HERA LIND: Den habe ich versucht, aber in der Lederhose sieht das Scheiße aus. PALFRADER: Mmmhh... war des a gute Idee mit den deutschen Gästen? ZITAT AUS DEM "STERN": "Er mag uns nicht. Wir können machen, was wir wollen, der Österreicher mag uns nicht. Wir übernachten 48 Millionen Mal in seinen Betten, von denen einige viel zu kurz sind... Wir retten mit unseren Tourismus-Milliarden jedes Jahr den rot-weiß-roten Staatshaushalt, ihre Wirtschaft wächst doppelt so schnell wie unsere. Aber der Österreicher kann uns nicht leiden. Die Deutschen seien "großzügig, nicht verbohrt, hilfsbereit und einschüchternd intelligent", seufzt der Schriftsteller Franzobel, "trotzdem, ich mag sie nicht, niemand mag sie". SPRECHER: Claus Lutterbeck, deutscher Publizist, in der Wochen-Illustrierten "Stern". OT Brigitte Hamann - Staatsoper 1: "Eigentlich bin ich ja nicht wegen der Stadt gekommen, ich bin nur wegen dem Karajan gekommen." SPRECHER: Die Historikerin Brigitte Hamann hat es 1961 aus dem Münsterland nach Wien verschlagen. OT Brigitte Hamann - Staatsoper 2: "Denn ich hab mir gedacht: Der Karajan ist Chef der Oper... da bin ich jeden Abend auf Stehparterre gegangen in der Oper. Und da ist dann etwas Seltsames passiert. Auf einmal standen die deutschen Studenten alle zusammen... Und kein Österreicher hat mit uns geredet. Wir waren Piefke, wir waren Nazis - sie haben uns als Nazis beschimpft in der damaligen Zeit, ich muss sagen, das war 1961, das war wirklich ein Schock für mich... die immer gesagt haben: Da sind wieder die Piefkes, diese Nazis, die brauchen wir hier nicht und so." SPRECHER: E wie Erster Weltkrieg OT Hannes Leidinger - Erster Weltkrieg 1: "Im Ersten Weltkrieg stehen Deutschland und Österreich Seite an Seite - als Waffenbrüder, wie es heißt, in Nibelungentreue. Eine überhöhte Propaganda sieht die Gemeinsamkeit... Bündnistreue... Tatsächlich aber überwiegen hinter den Kulissen Ressentiments." Helmut Qualtinger liest "Die letzten Tage der Menschheit" "Ein österreichischer General im Kreise seiner Offiziere: "An keinem von uns, meine Herren, ist der Krieg spurlos vorübergegangen. Wir können sagen, wir haben was glernt. Aber es ist unerlässlich, was wir fürn nächsten Krieg die Organisation bei uns einführen. Gewiss, wir haben Talente in Hülle und Fülle, aber uns fehlt die Organisation. Es müsste der Ehrgeiz eines jeden von Ihnen sein, die Organisation bei uns einzuführen. Schaun's, meine Herren, da können's sagen, was Sie wollen gegen die Deutschen, eines muss Ihnen der Neid lassen: Sie haben halt doch die Organisation. Ich sag immer, wenn wir ein bisserl eine Organisation einführen täten, nachher gingat's schon." OT Hannes Leidinger - Erster Weltkrieg 2: "Die deutsche, die preußische Vorstellung vom Kamerad Schnürschuh, der im Prinzip doch ein bisserl ein schlapper Österreicher ist, existiert sehr wohl. Im Prinzip gibt es im deutschen Offiziers-Korps schon die Vorstellung, dass die Österreicher an vielen Fronten ohne deutsche Hilfe nicht hätten reüssieren können. Andererseits ist auch das österreichische Offiziers-Korps immer wieder verärgert über das preußische Auftreten... Ich würde behaupten, dass diese Konflikte während des Weltkriegs immer wieder einmal zutage gefördert werden.... als Auseinandersetzung unter dem Offizierskorps sehen... Sie tragen auch ein bisschen zu den deutsch-österreichischen Reibereien bei." SPRECHER: E wie Essen OT Filmausschnitt Gespräch Kellner - Deutscher OT Ulrich Körtner - Zwiebelrostbraten, Eismarillenknödel - "Also, was das Kulinarische betrifft, da schätze ich zunächst mal ganz traditionelle Kost. Ich sag mal, Zwiebelrostbraten, und dann Eismarillenknödel, das ist mein Standardgericht." OT Eva Menasse - Essen in Berlin: "Ich habe immer das unangenehme Gefühl, dass ich zu sehr über Österreich schimpfe und zu sehr Deutschland lobe, in politischer und mentalitätsmäßiger Hinsicht. Völlig umgekehrt ist das, wenns zum Essen kommt. Berlin ist eine Wüste. Der Wein ist schlecht oder unfassbar teuer. Kochen haben diese Preußen nie gelernt... Lebensmittelvergiftung... es ist nicht möglich, in einem normalen Beisel ein Schnitzel zu essen... die heißen dann "Schöneberger Eckkneipe", aber das ist grusel..." OT Wir sind Kaiser - Uwe Ochsenknecht - Butter und Brot: PALFRADER: In Österreich heißt es "der Butter". Nicht "das Butter", wie in Deutschland. Also, der Butter... UWE OCHSENKNECHT: ... und die Brot. PALFRADER: Des Brot." SPRECHER: F wie Fleiß OT Wiener Blut : "WIENERIN: Du möchtest es dir sicher bequem machen. DEUTSCHER: Keineswegs. Ich möchte so schnell wie möglich an meine Arbeit. WIENERIN: Verzeih. OT Ulrich Körtner - Fleißig und faul: "Ich glaube, dass man in Österreich anders fleißig ist als in Deutschland, auf keinen Fall weniger fleißig. Ich habe eher den Eindruck, dass man inzwischen in Deutschland weniger fleißig ist... Wirtschaftswunder... abgeflacht ist. Ich kann zum Beispiel überhaupt nicht verstehen, wenn man in Deutschland immer noch diese Stereotypen hat: Ja, in Österreich, das wäre noch mehr so ein Schlawinertum, und da nimmt man's nicht so genau, man ist nicht so pünktlich und so. Ich glaube, man ist in Österreich mindestens so effizient. Die Wirtschaftsdaten in letzter Zeit sprechen ja dafür, dass man in Österreich sehr erfolgreich ist." OT Wiener Blut: "WIENERIN: Ach, du hältst also die Wiener für Faulenzer? DEUTSCHER: Nein, für Tänzer. WIENERIN: Jawohl, wir tanzen gern. Und wir tanzen sogar bei der Arbeit. ... Ihr arbeitet sogar beim Tanzen. DEUTSCHER: Ich tanze überhaupt nicht. WIENERIN: Ich weiß, du tanzt nicht, du trinkst nicht, du bist ein wahrer Ausbund an Tugenden. DEUTSCHER: Jawohl, und ich lehne dieses gesamte Wienerische Getue ab." SPRECHER: F wie Freunderlwirtschaft OT Brigitte Fassbaender - Freunderlwirtschaft: "Das Netzwerk der Freunderlwirtschaft ist in Österreich weit verbreitet, ich würde fast sagen unumgänglich, und oft peinlich bis zur Inkompetenz ausgenutzt. In dem Maße habe ich das in Deutschland nie bemerkt." SPRECHER: F wie Fußball OT Fan-Sprechchor: "Deutschland! Deutschland! Deutschland!" OT Julian Bruns - Fußball 1: "Anti-Piefke-Ressentiments spielen in meinem Leben keine Rolle, außer vielleicht bei der Fußball-WM, da kochen dann eher schon fußballerische Antipathien hoch. Das muss man aber aushalten, und das ging bei dieser WM auch ganz gut." SPRECHER: Julian Bruns, Student aus dem Bergischen Land. OT Julian Bruns - Fußball 2: " OT Fangesänge: "Immer wieder, immer wieder, immer wieder - Österreich!" OT Karin Moser - Ersatzschlachten: "Wann immer sich Deutschland und Österreich in einer sportlichen Auseinandersetzung treffen, artet das Ganze in einen Ersatzkrieg aus. Es sind sozusagen Ersatz-Schlachten, die sich hier abspielen." OT Eva Steffen - Fußball-Euro (F wie Fußball): "Die Euro war schrecklich für die Deutschen in Wien, in dieser Zeit habe ich mich permanent angegriffen gefühlt, habe eine Zeitung nach der anderen fast in der Luft zerrissen... Bei jedem Spiel, wo Deutschland mit dabei war, war völlig klar, dass die Wiener gegen die Deutschen sind, ganz egal, welches jeweils die andere Mannschaft war." SPRECHER: G wie Gemeinsame Sprache OT Wir sind Kaiser - Hera Lind - Richtiges Deutsch: PALFRADER: Seit wann ist sie in Österreich? HERA LIND: Seit zehn Jahren, Majestät. PALFRADER: Seit zehn Jahr? HERA LIND: Und immerhin drei meiner Kinder haben hier die Schule besucht und sprechen IHRE Mundart, Majestät. PALFRADER: Also richtiges Deutsch. (GELÄCHTER). OT Text Rubinowitz - Tüte und Sackerl: "Ich hab dann auch versucht, bestimmte österreichische Worte zu lernen. Der Klassiker ist halt "Tüte" und "Sackerl". Sackerl geht bei mir nach wie vor nicht. Es klingt wie eine Parodie, es klingt nicht gut. Ich habe dann irgendwann beschlossen, es auszusparen...Man lernt dann, bestimmte Sachen zu vermeiden, indem man einfach darauf deutet oder sich die Dinge einfach nimmt oder ein drittes Wort dafür erfindet." OT Jochen Jung - Hotelportier 1: "Also, ich bin einmal im Hotel hier in Wien gewesen..." SPRECHER: Jochen Jung, Autor und Verleger. Seit 1975 lebt und arbeitet er in Salzburg. OT Jochen Jung - Hotelportier 2: "... und der Hotelier hat mir dann unten an der Theke... aber er hatte einen starken Akzent... Er hat sehr stark hochdeutsch gesprochen. Das fand ich eine komische Bemerkung... wenn man Deutsch spricht." OT Inga Konecny - Dialekt der Schwiegermutter: "Ehrlich gesagt, kann ich es gar nicht mehr so genau sagen, was meine Schwiegermutter damals gesagt hat, als ihr Sohn mit einer DEUTSCHEN nach Hause gekommen ist, schlichtweg, weil ich sehr große Probleme hatte, sie überhaupt zu verstehen." OT Wir sind Kaiser - Mittermaier - Deutschkurs: MICHAEL MITTERMAIER: Ich hab schon lang gelernt. Als ich das erste Mal hier war in Wien, hab ich gleich einen Sprachkurs an der Volkshochschule belegt: "Leck mi am Arsch, bist du gelähmt, bist du deppert, leck mi am Arsch, bist du gelähmt, bist du deppert..." PALFRADER: Ja, das müssen Sie verstehen, Mittermaier, ohne Deutschkurs keine Zuwanderung." (GELÄCHTER). SPRECHER: G wie Gemütlichkeit OT Peter Roos - Entschleunigtes Wien: "Als ich nach Österreich kam, war ich zunächst sehr erleichtert darüber, überhaupt weg zu sein aus "Bonnland", aus diesem verbiesterten, bierernsten Klima, wo jedes Komma wahrgenommen wird und ernstgenommen wird, wo man für alles eine Vorschrift hat, wo ein irrsinniger Zeitdruck herrscht, ein gnadenloses Leistungsprinzip... Ich empfand Österreich und vor allem Wien als eine entschleunigte Idylle, in der ich zunächst geglaubt habe, dass das, was mir als Gemütlichkeit vorgeführt worden ist, auch wirklich Gemütlichkeit ist. Hinter der Fassade dieser Gemütlichkeit verbarg sich dann aber, ein Gemütlichkeits-Terror. Und die willkommene Entschleunigung war nichts anderes als eine Entschleunigungs-Romantik. Und mit der Gemütlichkeit und angeblichen Entschleunigung werden natürlich Geschäfte gemacht, touristische Geschäfte." OT Ulrich Körtner - G wie Gemütlichkeit: "Hinter der scheinbaren Wiener Gemütlichkeit ..., da erlebe ich ein hohes Aggressionspotential. Mir kommen manche Wiener manchmal so vor wie ein Vulkan kurz vor dem Ausbruch." (...) SPRECHER: H wie Habsburg OT Peter Roos - Habsburg-Trauma: "Dass Österreich 1918 den Untergang der Monarchie nicht kollektiv verarbeitet hat, davon bin ich fest überzeugt. Ich empfinde das Leben in Wien als in hohem Maße höfisch. Das ist etwas, das ich aus Deutschland nicht kannte. Die Hohenzollern, entschuldigen Sie, das interessiert in Deutschland keinen Arsch. Während die SPÖ ja sich beispielsweise heute noch dazu herablässt... Otto von Habsburg sich als Kartenabreißer in Schloss Schönbrunn betätigen soll... wie dieses Land noch hocharistokratisch funktioniert." OT Wiener Blut: "HANS MOSER: Küss die Hände, Frau Comtesse. ... Ich bin untröstlich." DAME: "Ja, mein lieber alter Knöpferl." HANS MOSER: "Bitte, entschuldigen Sie schon, diesen Pallawatsch. Ich hab mir das alles so schön ausgedacht für die gnädigste Comtesse, also, für die Frau Gräfin. Nämlich, ich muss mich erst daran gewöhnen. Für mich sind halt Frau Gräfin immer noch unsere liebe kleine Comtesse." OT Eva Menasse - Habsburger-Trauma: "Ich weiß nicht, wie die Deutschen drauf wären, wenn sie von heute auf morgen nur Baden-Würtemberg wären. Ich glaube, dieser Schock des Zusammenbruchs der K. und K.-Monarchie ist in den Menschen auch nach Generationen irgendwie drin. Wir waren einmal wer, und das simma nicht mehr. Darüber kann man sich lustig machen, aber ich glaube, es ist ein kollektives Trauma... Joseph Roth, Stefan Zweig... kleine Alpenrepublik übergeblieben, das ist, glaube ich, schon eine Art von kollektivem Trauma." OT Wir sind Kaiser - Boning - Republikaner: WIGALD BONING: Ich habe mir gedacht, ich nutze die Gelegenheit, als norddeutscher Republikaner mich heute mal mit der Monarchie in ihrer schönsten Form auseinanderzusetzen und IHNEN hier einen Besuch abzustatten. PALFRADER: Euch. WIGALD BONING: Euch, danke. Ich beginne die Sätze ja schon mit dem Hinweis ... PALFRADER: Des Republikanersein wer ma ihm schon austreiben, Seyffenstein. SPRECHER: H wie Heiliges Römisches Reich OT Hannes Leidinger - Heiliges Römisches Reich: "Also, im Prinzip sind Deutsche und Österreicher aus ihrer geschichtlichen Vergangenheit natürlich sehr oft in gemeinsamen Organisationen, Institutionen und Staaten zu sehen. Da wäre dieses Heilige Römische Reich, die mittelalterliche Geschichte, eine gemeinsame Geschichte, die Habsburger, die auch über die deutschen Territorien herrschen. Die Vorstellung, dass man diesen gemeinsamen mitteleuropäischen Raum auch erhalten muss. Als diese Konzeption allmählich in Frage gestellt wird, beginnt ein Gegensatz sich schon INNERHALB dieses Heiligen Römischen Reichs herauszubilden. Der preußisch-österreichische Gegensatz, könnte man sagen, ist gewissermaßen das Vorfeld für den späteren deutsch-österreichischen." SPRECHER: H wie Herrenmensch OT Peter Roos - Preußischer Vater: "Ich bin ein Deutscher, aus einer deutsch-orientierten Familie, streng deutsch erzogen. Mein Vater war ein überzeugter Deutscher, vom Nationalsozialismus infiltriert und imprägniert. Er war von pietistischer, preußischer, soldatischer Prägung, die er bruchlos an uns Kinder weitergegeben hat. Meine Erziehung war nicht ausgesprochen, aber eindrücklich anti-österreichisch. Für meinen Vater war der Zweite Weltkrieg, den er ja als begeisterter Nazi mit befördert hat, aufgedrängt vom Österreicher Adolf Hitler, und er war der Meinung, dass die Deutschen den Zweiten Weltkrieg wesentlich verloren haben wegen dem Unvermögen der Österreicher, die er auch nie als Österreicher angesprochen hat, sondern es waren immer nur die schlamperten Schnürschuh-Kameraden. Soldatisch gesehen: feig, faul und verräterisch." SPRECHER: H wie Höflichkeit OT Michael Frank - Höflichkeit 1: "Das erste, was einem als Deutschen auffällt, ist, dass Österreicher sehr höfliche Leute sind." SPRECHER: Michael Frank, langjähriger Korrespondent der "Süddeutschen Zeitung" in Wien. OT Michael Frank - Höflichkeit 2: "Man braucht dann eine gewisse Zeit, um zu unterscheiden, was davon wirkliche Höflichkeit ist, und was, sagen wir einmal, gesellschaftliche Höflichkeit ist, sagen wir einmal: die Übung." OT Brigitte Hamann - Höflichkeit: "Als ich in Wien war, fand ich die Männer, aber auch die Damen sehr höflich... Das kannte ich aus dem Ruhrgebiet nicht so. Da redet jeder, wie er will, da macht er nicht so ein Kokolores drum. Aber ich hab dann schon mit der Zeit gemerkt, wie viele Lügen drin sind und wie viel Schauspielerei da auch im Spiel ist. Und dann fand ich das gar nicht mehr so toll alles." 18.12: OT Wiener Blut: "THEO LINGEN: Herr Graf, ich fürchte, Wien ist nichts für uns. GRAF: Hm." SPRECHER: K wie Konfession OT Dirk Stermann - Protestantismus und Genuss: "Ich komme aus einem protestantischen Milieu, und da ist es natürlich alles verpönt. Alles, was mit Genuss zu tun hat, ist verpönt, darum bist du als protestantischer Deutscher auch immer wieder so gefangen vor Unverständnis, wie das in Österreich gehandhabt wird: Das hat so was Barock-Katholisches, und es ist natürlich angenehm, wenn man da mitmacht." OT Wiener Blut - 28.15: WIENERIN: Tschuldigen schon, Herr Graf? Haben Sie schon einmal geküsst? DEUTSCHER: Aber gewiss doch, Gnädigste. Gewiss. WIENERIN: Na, i waß net. Geben Sie mir ein Bussel. Ja, schauen Sie net so, geben Sie mir einen Kuss. OT Eva Menasse - Katholisch versus Evangelisch: "Wahrscheinlich ist es katholischer Barock versus protestantische Verkniffenheit. Ich glaube überhaupt, dass der Gegensatz zwischen Deutschen und Österreichern ein katholisch-protestantischer ist. Ich glaube, dass die Missverständnisgrenze im Konfessionellen liegt. Mit einem Bayern können wir - auch von den Künstlern her -Achternbusch, Sepp Bierbichler... Das sieht man ja auch in der Literatur: Siegfried Lenz und Thomas Mann - das ist ganz was anderes, bis in die Romanstrukturen hinein - als zum Beispiel Doderer." SPRECHER: K wie Konsens OT Michael Frank - Konsensgesellschaft: "Österreich ist einfach eine Konsensgesellschaft, der hohe Wert besteht darin, dass man sich immer einigt. Deutschland ist nach dem Krieg, insbesondere durch die Umerziehung durch die Angloamerikaner, zu einer Streitgesellschaft geworden. Und das ist sehr, sehr auffällig, und so waren auch zum Beispiel... dass Politikern in Österreicher sehr oft vorgeworfen wird, den Konsens zu zerstören... als negativer Wert an sich angesehen wird." OT Peter Roos - Konfliktfeindlichkeit: "Damit hängt ursächlich zusammen, dass ich das Österreichische empfunden habe als geprägt von einer ungeheuren Harmoniesucht, eine nahezu gewaltsame Harmoniesucht, die verbunden ist mit einer Konfliktfeindlichkeit und einer kompromisslerischen Haltung, die für mich als Deutschen UNERTRÄGLICH gewesen ist. Ich bin protestantisch-preußisch erzogen, und das heißt: "Dein Ja sei ein Ja und Dein Nein ein Nein." Und ich würde behaupten, dass Sie in Österreich und vor allem in Wien NIE ein Ja und NIE ein Nein und nie eine Klarheit bekommen, sondern es ist immer ein Jein, es ist immer ein Sowohl-und-als-auch. Und diese Entscheidungs-Scheu macht einem Deutschen das Leben sehr schwer, weil wir völlig anders erzogen und anders geistig und seelisch gepolt sind." SPRECHER: L wie Lässigkeit OT Inga Konecny - L wie Lässigkeit: "Ich hab ja sowohl in Deutschland wie in Österreich das gleiche Fach studiert. In Deutschland wars bei Klausuren ein Drama, wenn da mal eine schlechte Note rausgekommen ist, da hat man sich verrückt gemacht... Heulkrämpfe... Und hier, wenn da mal ein Fetzen rauskommt, sagt man sich: Ach, Schaaas Professor. Ich denke mal, das ist schon eine ziemlich gesunde Einstellung auch." SPRECHER: L wie Liebe OT Eva Menasse - Die Deutschen lieben die Österreicher 1: "Als ich nach Berlin gezogen bin, war ich absolut verblüfft davon: Die Deutschen LIEBEN die Österreicher... Ich habe als Österreicherin immer gedacht: Alle anderen sind genauso wie wir - man schimpft auf die Fremden, so wie wir auf die Piefke, die Italiener und die Tschuschen schimpfen - und in Deutschland ist es vollkommen umgekehrt: Sie LIEBEN diesen österreichischen Akzent, sie sind entzückt, wenn sie Österreicher treffen ... Und eigentlich habe ich mich am Anfang vor Verlegenheit gewunden... Also, es besteht eine große Sympathie zu den Österreichern, aber Bedingung dafür ist natürlich eine große Unkenntnis... Sissi und die freundlichen Skilehrer ... wahnsinnig verblüfft." OT Tex Rubinowitz - Deutsche lieben österreichischen Dialekt: "Jeder Österreicher, der nach Deutschland kommt, wird das bestätigen, dass die Deutschen ganz begeistert sind vom österreichischen Dialekt, egal von welchem. Die lieben das, weil das ist wirklich exotisch." OT Wir sind Kaiser - Mittermaier - Bayern: PALFRADER: Wann werden sich die Bayern uns endlich unterwerfen? Sind die Bayern schon bereit für einen Kaiser. MICHAEL MITTERMAIER: Ich glaube schon... (....) PALFRADER: ... zur Vereinigung von Bayern und Österreichern - den beiden einzigen Völkern, die richtig Deutsch sprechen können." (GELÄCHTER) ZITAT AUS DEM "STERN": "Wenn der Pole so vorlaut wäre, würden wir wahrscheinlich morgen bei ihm einmarschieren. Dem Österreicher aber lassen wir alles durchgehen." SPRECHER: Notiert der Journalist Claus Lutterbeck im Hamburger "Stern". Und weiter schreibt er: ZITAT AUS DEM "STERN": "Wir mögen den Österreicher, weil wir seinem Grünen Veltliner, seinem schwarzen Schmäh, seinem Weißen Rössl, seinem Charme und seinen Mozart-Kugeln wehrlos ausgeliefert sind. Alles zuckern sie ein, vor allem uns. Wir können den Fernseher einschalten, wann wir wollen - entweder kocht Johann Lafer oder singt Hansi Hinterseer. Und wir kriegen nie genug, ihre Einschaltquoten sind besorgniserregend hoch. Wir sind vernarrt in die Österreicher." SPRECHER: L wie Lingen - Theo Lingen: OT Karin Moser - Theo Lingen: "Theo Lingen hat sicher in seinem Wesen und den Rollen, die er dargestellt hat, etwas eher Pflichtbewußtes, Disziplinierteres, Belehrendes.... ist er dann im Gegensatz zu Hans Moser der etwas hochnäsige Deutsche." (...) OT Karin Moser - Die Österreicher liebten Theo Lingen: ".... Er ist in seiner Tolpatschigkeit unglaublich liebenswürdig, und das hat sicher auch dazu geführt, dass er bei den Österreichern einer der Lieblingsschauspieler war. Er war ja auch mit einer Wienerin verheiratet, er hat hier gelebt bis zu seinem Tod, und er hat ja auch ein Ehrengrab am Wiener Zentralfriedhof, ganz in der Nähe von Hans Moser." OT Wiener Blut: THEO LINGEN: Ist doch nicht Ihr Ernst, lieber Knöpfl? HANS MOSER: Erstens, Herr Knöpfl. Und zweitens: Strengens Ihnen gar nicht an, mich werden Sie nicht um den Finger wickeln, Sie nicht!" SPRECHER: M wie Minderwertigkeitskomplex OT Eva Steffen - Minderwertigkeitskomplex: "Ich habe das Gefühl, die Österreicher haben einen Minderwertigkeitskomplex, eine Art vorauseilenden.... Sie gehen davon aus, dass die Deutschen sich besser fühlen... größer und besser zu sein, was ich persönlich so überhaupt nicht feststellen kann..." OT Ulrich Körtner - Minderwertigkeit und Grandiosität: "Ich erlebe es immer wieder, dass es österreichische Minderwertigkeitsgefühle gegenüber den Deutschen gibt, die dann aber auch in Grandiositätsgefühl umschlagen können, was beides irgendwie schräg ist. Also, auf der einen Midnerwertigkeitsgefühle, die ich eigentlich für entbehrlich halte... und dann kommen diese Überlegenheitsgefühle, wir sind die eigentliche Kulturnation... dass man meint, Deutsche niedermachen zu müssen... Beides ist für mich Ausdruck eines gestörten Selbstwertgefühls. SPRECHER: N wie Nörgeln OT Inga Konecny - Grant - GUT: "Der Wiener Grant - das merkt man ganz alltäglich. Man sitzt in der Bim, dann steigt jemand ein, eine alte Frau zum Beispiel, die braucht lang zum Einsteigen, dann kommt's dann gleich: "Heeearst, mach hinne!" oder was weiß ich, na gut, ich kann das einfach nicht nachmachen. Man raunzt gern auch." OT Tex Rubinowitz - Wiener sind zänkisch und pitzelig: "Wiener sind eher zänkisch. Nicht mal gemein oder morbid, sondern zänkisch. Pitzelig könnte man vielleicht auch sagen, das ist zum Beispiel so eine Vokabel, die ich gelernt habe: pitzelig. Jetzt weiß ich zum Beispiel nicht einmal, was das auf Deutsch-Deutsch heißt: pitzelig. Vielleicht nörgelnd." SPRECHER: O wie Obszönitäten OT Eva Menasse - Votzi und Fut: "Was ich faszinierend finde, ist die Schamgrenze im Sprachlichen. Also, dass die obszönen ... bei ganz anderen Worten liegen. Was mir immer gefällt, ist, dass es in Deutschland UNDENKBAR wäre, dass jemand mit Familiennamen "Votzi" heißt. Das gibt's nicht. Genauso ist es aber in Deutschland ohne weiteres möglich, dass man mit Nachnamen "Fut" heißt. Ein Österreicher fällt da fast in Ohnmacht: Guten Tag, Herr Fut. SPRECHER P wie Preußen OT Ulrich Körtner - Preußisches Erbe: "Was ich mit Preußen auch verbinde ..., ist, dass man da einerseits einen militaristischen Staat gehabt hat, einen Untertanengeist... Heinrich Mann... Und ich sag mal, sowas hats natürlich auch in Österreich gegeben, aber da ist man meiner Ansicht nach subversiver damit umgegangen, wie man sich gegenüber den Obrigkeiten... Andererseits gehört zu Preußen auch eine Geschichte von Freiheitsdenken und Aufklärung dazu, ich sage nur Friedrich II., auch das gehört mit dazu." SPRECHER: R wie Rhetorik OT Eva Menasse - Die Deutschen sprechen besser - Teil 2: "Das öffentliche Sprechen. Es ist unter den deutschen Studenten, die nach Wien gehen, das weiß ich, die unterhalten sich immer darüber, dass die österreichischen Studenten nichts SAGEN in den Seminaren. In Deutschland gibt's schon in der Schule Rhetortikwettbewerbe... und der Österreicher hat immer gelernt - schon bei Grillparzer steht das ja: Denkt sich sein Teil und lässt die andern reden." SPRECHER: S wie Selbsthass OT Matthias Hartmann - Österreichischer Selbsthass: "Auffällig für mich war dieser österreichische Selbsthass, den ich ja bei Jelinek, Handke, Turrini und natürlich bei Thomas Bernhard, bei Schwab, also überall erlebt habe. Ich bin jetzt noch gar nicht so lange hier, dass ich verstehen könnte, aus welcher Tradition der kommt." SPRECHER: Matthias Hartmann, gebürtiger Osnabrücker, seit 2009 Direktor des Wiener Burgtheaters. OT Matthias Hartmann - Fortsetzung: "So ein Selbsthass ist immer Ausdruck von Ambivalenz. Es heißt ja nicht, dass darin nicht auch kritisches Potential steckt... Ich kanns ja nur vermuten, wenn jemand von außen Österreich so attackieren würde, wie sie's selbst tun, dass sie es einem dann sofort verbieten würden." SPRECHER: S wie Selbstironie: OT Julian Bruns - Selbstironie: "In Deutschland mangelt es wirklich an Selbstironie. Auf jeden Fall. Das bekommt man immer wieder mit, ob es nun in der Politik ist, in den Medien oder auch im privaten Bereich. Selbstironie macht das Leben angenehmer... über sich selbst lachen... Österreich und Wien haben sicher ihre Klischees, und sich darüber lustig zu machen, das finde ich sehr angenehm." SPRECHER: T wie Theater OT Matthias Hartmann - Theater: "Der Nährboden für Theater ist natürlich in einem so katholischen Land wie Österreich sehr viel besser. Es ist das Morbide, was die Österreicher anzieht und interessiert, es ist die Verstellung, die sie interessiert... nicht die Lüge, sondern das Spiel... Liebe zum Theater... Mir geht's da gut, wo man mich mag, und da die Leute hier das Theater mögen und damit mich auch, geht's mir hier ganz gut." SPRECHER: T wie Titelsucht OT Eva Steffen - Anruf im Ministerium: "Wenn man in Deutschland in Ministerium oder einem Amt anruft, dann muss man sich nicht vorher erkundigen, welche Position der- oder diejenige innehat, die man kontaktieren möchte. Da reicht normalerweise der Name. Während es in Österreich natürlich undenkbar ist, wenn man einen Ministerialrat kontaktiert, diesen einfach nur mit seinem Namen anzusprechen." OT Matthias Hartmann - Titelsucht: "Ganz lustig fand meine Frau .... das, als wir in ein feines Restaurant gegangen sind, und der Herr ihr den Stuhl zurechtgerückt hat und gesagt hat: Bitte sehr, Frau Burgtheaterdirektor. Da musste sie wirklich unbeschreiblich lachen....." OT Eva Steffen - Titel in Deutschland: "In Deutschland werden Titel erst mal ab dem Doktor geführt. Und auch das ist im Gespräch nicht so wichtig. Wenn ich in Deutschland zum Beispiel zum Arzt gehe, sag ich nur "Frau Soundso", ohne Doktortitel. Das habe ich in Österreich nur ein Mal getan. Da habe ich eine seltsame Reaktion geerntet... Was in Deutschland sehr seltsam wirken würde." SPRECHER: U wie Universitäten OT Hannes Leidinger - Unis 1: "An der Universität gibt es offensichtlich Probleme. Des Öfteren wird über eine große Zahl von deutschen Hörern... Medizin... gesprochen... Letzten Endes glaube ich, dass hier ein deutsch-österreichischer Konflikt gar nicht wirklich den zentralen Konflikt anzeigt. Vielmehr ist es eher die Frage der Überfüllung, der Massenuniversitäten... zum Problem." OT Julian Bruns - Unis: "Also, auf der Uni war's kein Thema, dass ich Deutscher bin. Das Ganze wurde überhaupt erst zum Thema, als ich's in den Medien mitbekommen habe, wo es darum ging, dass der Anteil an deutschen Studierenden so groß ist. Ich hab jedenfalls nie irgendetwas Negatives mitbekommen und hab mich auch nicht unwillkommen gefühlt oder so." OT Hannes Leidinger - Unis 2: "Man könnte sagen: Hinter vorgehaltener Hand existieren sicher auch in Akademikerkreisen dann sehr wohl nationalistische Ressentiments gegenüber "den Piefkes". Denn wenn es um Professorenstellen geht, hört sich der Spaß schnell auf." SPRECHER: W wie Wein Hans Moser singt - Wann i a Weinderl beiß: "Wann i a Weinderl beiß Dann mach ich's zitzerlweis. Denn wenn man nur so runterschlingt, hat man ja ka Ahnung, was man trinkt." OT Jochen Jung - Deutscher Wein - (W wie Wein): "Die Behauptung allerdings, und das freut mich, wenn ich das bei dieser Gelegenheit dazusagen darf, dass der deutsche Wein untrinkbar ist, hingegen der österreichische die Perle aller Weißen - das glaube ich, kann nicht ganz wahr sein... dass man in Österreich keinen deutschen Wein kaufen kann. Das kann ich allerdings sagen, liebe Österreicher, ist ein schwerer Fehler: Die Rheinrieslinge solltet ihr unbedingt versuchen, und auch ein zarter Rotwein von der Ahr ist etwas ganz Besonderes." OT Wiener Blut: WIENERIN: Jessas, bin i jetzt erschrocken. Was wollen's denn? THEO LINGEN: Na, wollen wir heute Abend "drahen" gehen? WIENERIN: Aber wir können doch nicht schon wieder ausgehen. Was wird denn der Herr Graf dazu sagen? THEO LINGEN: Das lassen Sie nur mich machen. Wir zwei gehen heute in den Prater. Dort ist nämlich ein Riesen-Remassuri. WIENERIN: Wie Sie das sagen: Man könnte glauben, Sie sind ein echter Wiener." SPRECHER: X wie Xenophobie OT Eva Steffen - Political Correctness: "Ich hab sehr stark das Gefühl, dass man in Deutschland politisch korrekter ist als in Österreich. Wenn ich Besuch aus Deutschland bekomme und die diese Plakate sehen mit dem bekannten Slogan "Daham statt Islam", dann sind die vollkommen entsetzt... fragen, ob das eine Kunst-Installation ... Es ist einfach so, dass bestimmte Dinge, die in Österreich durchgehen... in Deutschland überhaupt nicht gehen würden." OT Inga Konecny - Rechte Parteien: "Was natürlich sehr stark aufgefallen ist, ist natürlich die Beliebtheit diverser rechtsgelagerter Parteien. Und dass es eher möglich ist, hier etwas politisch Inkorrektes zu sagen, und dass das dann nicht gleich ein Skandal ist." OT Eva Steffen - Ausländerfeindlichkeit: "... kurz, nachdem ich hierher gezogen bin, das war ganz am Anfang, da hat jemand meinen Telefonanschluß installiert. Nach zwei Minuten hat der dann sofort angefangen, über die Ausländer zu schimpfen. Ich war völlig vor den Kopf gestoßen, konnte mich nicht einmal richtig wehren. Auch in Deutschland gibt's auch Ausländerfeindlichkeit, aber das findet in einem gemäßigteren Ton statt, bestimmte Sachen sagt man nur, wenn man sich kennt und sich ... abgetastet hat... aber nicht so radikal, und dann noch in der Erwartungshaltung, dass ich da jetzt zustimme." SPRECHER: Z wie Zeitungen OT Eva Steffen - Zeitungslandschaft: "Was wirklich ein Skandal ist in Österreich, ist die Medienlandschaft, auf jeden Fall in Bezug auf Printmedien. Nachdem ich in München gewohnt war, jeden Morgen die "Süddeutsche Zeitung" zu lesen, hab ich es auch nach langem Österreich-Aufenthalt nicht geschafft, ein Pendant zu finden, weil es einfach keines gibt. Hiermit mein Aufruf an die österreichischen Medienmacher: Bitte eine ordentliche Tageszeitung zu installieren. Bitte, bitte, bitte!" SPRECHER: Z wie Zweite Republik OT Hannes Leidinger - Nachkriegszeit - WICHTIG: "Nach 1945 ... starkes Österreich-Bewusstsein entstanden... Nach 1945 gibt es dringliche Gründe, an dieser österreichischen Nation festzuhalten, sie auszubauen... konstruieren. Einmal möchte man sich wirklich von Deutschland und der Schuld am NS absetzen. Man ist hier nicht bereit, die volle Verantwortung mit zu übernehmen... Staatsvertrag... Österreich nimmt sich erstmals als kleiner Staat an. All das geschieht in einer Art Reibung am großen Deutschland." OT Peter Roos - Österreich definiert sich über Deutschland: "Das Fatale ist ja, dass sich Österreich in so hohem Maße über Deutschland definiert und immer neidisch auf den großen Bruder kuckt, und ich bin ja einer dieser großen Brüder und weiß selber um die hochgefährdete Identität der Deutschen. Aber unsere hochgefährdete deutsche nationale Identität ist ja im Vergleich zur österreichischen Identität bombenfest." OT Wiener Blut: HANS MOSER UND THEO LINGEN SINGEN: "VERKAUFTS MEI GWAND, I FAHR IN HIMMEL..." SPRECHER: Z wie Zungenbrecher MONTAGE aus folgenden OTs: OT Eva Steffen - Zwutschgerlzwetschken 1: "Zwanzg zquetschte Zwutschgerlzwetschken und zwanzg zquetschte Zwutschgerlzwetschken sind vierzg zquetschte Zwutschgerlzwetschken." OT Eva Steffen - Zwutschgerlzwetschken 2 (zerhackt gelesen, zwei Mal mit kleinen Kicher-Ansätzen): "Zwanzg zquetschte Zwutschgerlzwetschken und zwanzg zquetschte Zwutschgerlzwetschken sind vierzg zquetschte Zwutschgerlzwetschken." OT Eva Steffen - Zwutschgerlzwetschken 3 (langsam gelesen, gut schneidbar): "Zwanzg zquetschte Zwutschgerlzwetschken und zwanzg zquetschte Zwutschgerlzwetschken sind vierzg zquetschte Zwutschgerlzwetschken." OT Julian Bruns - Zwutschgerlzwetschken: "Zwanzg zquetschte Zwutschgerlzwetschken und zwanzg zquetschte Zwutschgerlzwetschken sind vierzg zquetschte Zwutschgerlzwetschken." OT Ulrich Körtner - Zwutschgerlzwetschken: "Zwanzg... noch mal... zquetschte Zwutschgerlzwetschken und zwanzg zquetschte Zwutschgerlzwetschken (LACHT) sind vierzg zquetschte Zwutschgerlzwetschken." OT Brigitte Fassbaender - Zwutschgerlzwetschken 1 (liest sehr lustig...): "Zwanzg, zwantsch zquetschte Zwutschgerlzwetschken und zwanzg zquetschte Zwutschgerlzwetschken ... nee.... sind vierzg zquetschte Zwutschgerlzwetschken.... Die Katze tritt die Treppe krumm, die Katze tritt die Treppe krumm, die Katze tritt die Treppe krumm - sagen Sie das mal!" SPRECHER: Zwanzg z'quetschte Zwutschkerlzwetschken Warum Deutsche und Österreicher nicht zusammenpassen Ein transnationales Alphabet - buchstabiert von Günter Kaindlstorfer Mit den Stimmen von: Hans Moser, Theo Lingen, Robert Palfrader, Uwe Ochsenknecht, Wigald Boning, Hera Lind, Brigitte Hamann, Eva Menasse, Dirk Stermann, Hannes Leidinger, Inga Konecny, Julian Bruns, Brigitte Fassbaender, Eva Steffen, Jochen Jung, Karin Moser, Matthias Hartmann, Michael Frank, Peter Roos, Ulrich Körtner, Tex Rubinowitz und Helmut Qualtinger, der Ausschnitte aus den "Letzten Tagen der Menschheit" von Karl Kraus gelesen hat. Tontechnik: Elmar Peinelt Sprecher: Wolfram Berger. Redaktion: Eva Roither. Eine Produktion der Feature-Abteilung des ORF 2010 OT Peter Roos - Was mag ich an Österreich: "Ich mag an Österreich... (8 Sekunden Pause)... Was mag ich an Österreich? (5 Sekunden Pause)... Sie merken ja, dass ich Schwierigkeiten habe, jetzt im Moment etwas Positives zu formulieren, weil ich in einer Phase der Österreich-Beschäftigung bin, wo mich sehr vieles hochgradig nervt, und ich bin eigentlich entsetzt darüber, wie unmöglich das Verhältnis zwischen Deutschen und Österreichern ist." OT Wir sind Kaiser - Boning - Republikaner: PALFRADER: Wenn er nämlich als geeignet befunden wird, dann braucht er sich keine Sorgen machen. Er muss nicht zurück nach Deutschland. (GELÄCHTER). Haben's das gesehen? Ein Augenaufschlag wie ein Dackel, dem man sagt: Du musst nicht zurück in den Zwinger. (TOSENDES GELÄCHTER.) SPRECHER: Bibliothek: Eva Steffen (Hrsg.): "Wir sind gekommen um zu bleiben - Deutsche in Österreich", Czernin-Verlag. Hannes Leidinger, Verena Moritz und Karin Moser: "Streitbare Brüder - Österreich-Deutschland - Kurze Geschichte einer schwierigen Nachbarschaft", Residenz-Verlag. Willi Forsts Film "Wiener Blut" ist auf DVD erhältlich