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Das Spunkkrachlexikon

 von Frieder Butzmann

Vom, zum und über das Hören 

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spunk@friederbutzmann.de

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J

 j.w.d.  -  janz
 weit draußen 

Unendliche Weiten - Diesen Begriff prägte Giordano Bruno 1584. 1600 wurde er wegen seiner Lehre "...vom unendlichen All... mit unzähligen Welten..." (Bruno, G., Über das Unendliche, das Universum und die Welten, übers. u. hrsg. v. Schultz, Chr., Stuttgart 1994) auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Für ihn war das Hören, wie alle Dinge der Welt nur Teil eines großen universalen Ganzen. Das Universum als ein Organismus.

Tatsächlich werden bis ins 16. Jahrhundert 3 Arten von Musik unterschieden:

1. Eine Musica humana, die die Harmonie von Körper und Seele beschreibt.
2. die einzige klingende, mit den Ohren hörbare Musik: Die Musica Instrumentalis. - Und
3. die Musik des Alls: Die Musica Mundana, die Sphärenmusik.
(Zimmermann, M., Musica mundana - Die Musik jenseits der Welt von Subjekt und Objekt. In: Funkkolleg Musikgeschichte, Weinheim, Basel, Mainz 1987)

Auch wenn sich Giordano Bruno nie darüber geäußert hat - wahrscheinlich nicht ein mal darüber nachgedacht hat - muß für ihn das Hören auch ohne Ohren funktioniert haben. So wie alles war er Teil des Universums und somit selbst Trommelfell des Weltenlaufs.

1970 prägt der Komponist Dieter Schnebel den Begriff "Denkbare Musik". Hans Rudolf Zeller in dem Buch "Denkbare Musik" / Schriften Dieter Schnebel:

"Die Neue Musik hat die Bindung an den Klang aufgegeben. Die Aufführung beginnt schon bei der Probe, dem Lesen der Partitur. Die graphischen Partituren und Computerprogramme sind nicht zu hören... so wie zwischen der Buchstabenfolge und dem Sprachklang keine Verbindung existiert.." (Zeller, H.R., In: Denkbare Musik - Dieter Schnebel Schriften 1952-1972, Köln 1972)

Wie für Bruno im Makrokosmos des allumfassenden Universums, so existiert für Schnebel im Mikrokosmos der inneren Vorstellung eine Musik, die nicht hörbar ist. Beide nehmen eine Musik wahr, die "janz weit" außerhalb bzw. innerhalb unserer Hautoberfläche geschieht. Daher trifft sie nicht auf unser Ohr.

Aber gerade in dem Raum außerhalb unserer Welt sind Geräusche, Abbildungen oder Zeichen von Dingen, die es nicht gibt, zu hören.

In Science Fiction Filmen sind Objekte und Vorgänge akustisch wahrzunehmen, die niemand je gehört hat. Vorbeipfeifende Raumschiffe, dröhnende Meteore, zischende Sternschnuppen. Wesen, die in Sprachen fremder Welten sprechen.

Giordano Bruno schreibt: "Da kam der Nolaner - Giordano Bruno selbst! - und hat die Lufthülle hinter sich gelassen, ist in den Himmel eingedrungen, hat die Sterne durchmessen, die Grenzen der Welt überschritten und die .... Mauern der ersten, achten, zehnten und weiteren Sphären zerstört." (Bruno, G., Das Aschermittwochsmahl, übers. v. Fellmann, F., Frankfurt/M. 1981)

 

 


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