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Das Spunkkrachlexikon

 von Frieder Butzmann

Vom, zum und über das Hören 

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spunk@friederbutzmann.de

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K

 Kratzen 

und seine
Artikulationen
sind nicht
elitäres

 

 

Frank Behnke

Es handelt sich hier um ein Massenereignis! Quietschen, Brummen, Ächzen, Kreischen, Schleifen, Zischen, etc. haben den Ursprung im tief Organischen und finden sich im Alltag wieder.

Beim Schreiben / Kratzen mit Kreide, bricht jene ab, saust kreischend und unkontrolliert nach unten, der Fingernagel zieht eine lange Spur auf
dem Schiefer; laut-zischend-störend wird in einem Opernsaal geniest; das Quietschen von bremsenden Autoreifen hinterlässt eine warnende Spur.

Diese als unangenehm empfundenen Geräusche provozieren Hass, Verstörung, Wut in den friedlichsten Menschen. Im Song: " Es juckt / Ich kratze " (Mutter, von LP "Ich schäme mich Gedanken zu haben, die andere Menschen in ihrer Würde verletzen", Tödliche-Doris-Platten, 1989) wird mit monotoner Rockmusik auf das immerwiederkehrende Moment, personifiziert durch das Kratzen hingewiesen.
In der Musik über Jahrzehnte hinweg etabliert: Als gewaltiges Knistern durch
die Grammophone; als nicht wegzudenkendes Rauschen
des Rundfunkempfängers.
Digital erfolglos bekämpft, wird heute es heute wieder Musikaufnahmen dazugemischt ( Siehe "Rank" mit: SHELL LUCK von CD "Santa Monika", Monika Enterprises, 2000), oder gewinnt als selbstständiger Sound mit Rhythmus, verschiedenen Tonlagen und Geschwindigkeiten neue Qualität (Höre: POLE, "Scratchen" (Pole, "fragen" LP "LP1", 1998)

Das Kratzen kennt zwei schwächere Unterformen: Das Knistern : Bröckelnd, bröselnd -eine Porösität.
Hier wird an existentialistische Momente erinnert - Unsicherheit und Angst: Auf dem Eis höre ich ein Knistern / ich könnte einbrechen; der Stuhl
unter mir knarzt verdächtig / werde ich zusammenbrechen unter meiner eigenen Last?

Das Rauschen : hat organische Eigenschaften, wenn nicht gar mystische - innere Erfahrungswerte, die uns unterbewusst beeinflussen: Meeresrauschen, oder sich im Winde biegende Baumkronen, das Grundbrummen
der Grossstadt, welches der urbane Mensch als Erhöhung des Stressfaktors wahrnimmt. Nach der Theorie des Urknalls, [ URKNALL] existieren noch 12% dieses Nachhalls als Rauschen im Universum. (Echo des 15 Milliarden Jahre alten Urknall, (Bell Laboratories, 1965)

 

 

 

 


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