K |
Kratzen und seine Artikulationen sind nicht elitäres Frank Behnke
|
Es handelt sich hier um ein Massenereignis! Quietschen,
Brummen,
Ächzen,
Kreischen,
Schleifen,
Zischen, etc. haben den Ursprung im tief Organischen und finden sich im Alltag wieder.
Beim Schreiben / Kratzen mit Kreide, bricht jene ab, saust kreischend und unkontrolliert nach unten, der Fingernagel zieht eine lange Spur auf dem
Schiefer;
laut-zischend-störend wird in einem Opernsaal
geniest;
das Quietschen von bremsenden
Autoreifen
hinterlässt eine warnende Spur.
Diese als unangenehm empfundenen Geräusche provozieren Hass, Verstörung, Wut in den friedlichsten Menschen. Im Song: "
Es juckt / Ich kratze
" (Mutter, von LP "Ich schäme mich Gedanken zu haben, die andere Menschen in ihrer Würde verletzen", Tödliche-Doris-Platten, 1989) wird mit monotoner Rockmusik auf das immerwiederkehrende Moment, personifiziert durch das Kratzen hingewiesen.
In der Musik über Jahrzehnte hinweg etabliert: Als gewaltiges Knistern durch die
Grammophone;
als nicht wegzudenkendes Rauschen des
Rundfunkempfängers.
Digital erfolglos bekämpft, wird heute es heute wieder Musikaufnahmen dazugemischt
(
Siehe "Rank" mit: SHELL LUCK von CD "Santa Monika", Monika Enterprises, 2000),
oder gewinnt als selbstständiger Sound mit Rhythmus, verschiedenen Tonlagen und Geschwindigkeiten neue Qualität (Höre:
POLE, "Scratchen"
(Pole, "fragen" LP "LP1", 1998)
Das Kratzen kennt zwei schwächere Unterformen: Das Knistern : Bröckelnd, bröselnd -eine
Porösität.
Hier wird an existentialistische Momente erinnert - Unsicherheit und Angst: Auf dem Eis höre ich ein
Knistern
/ ich könnte einbrechen; der Stuhl unter mir
knarzt
verdächtig / werde ich zusammenbrechen unter meiner eigenen Last?
Das Rauschen : hat organische Eigenschaften, wenn nicht gar mystische - innere Erfahrungswerte, die uns unterbewusst beeinflussen:
Meeresrauschen,
oder sich im Winde biegende
Baumkronen, das Grundbrummen der
Grossstadt, welches der urbane Mensch als Erhöhung des Stressfaktors wahrnimmt. Nach der Theorie des Urknalls, [ URKNALL] existieren noch 12% dieses Nachhalls als Rauschen im Universum.
( Echo des 15 Milliarden Jahre alten Urknall, (Bell Laboratories, 1965)
|