Grass verurteilt in neuem Gedicht Europas Umgang mit Griechenland - Süddeutsche druckt Text ab
Günter Grass bleibt ein rastloser Geist. Nach seinem umstrittenen israel-kritischen Gedicht hat sich der Literaturnobelpreisträger erneut in einem Poem zu einer aktuellen Frage geäußert. Unter dem Titel "Europas Schande" geht es diesmal um die europäische Griechenland-Politik. "Dem Chaos nah, weil dem Markt nicht gerecht" heißt es dort unter anderem. Europa stelle das Land, in dem die europäische Idee einst geboren wurde, "als Schuldner nackt an den Pranger", beraube es seiner Rechte und verurteile es zu Armut. Den vollständigen Text druckt heute die "Süddeutsche Zeitung" ab.
Türkei: Pianist droht nach Bemerkungen über Islam Gefängnisstrafe
In der Paradiesvorstellung des Islam gibt es Bäche aus Wein und Jungfrauen. Das hat den türkischen Pianisten und Komponisten Fazil Say dazu veranlasst, auf Twitter die Frage zu stellen, ob das Paradies nun ein Bordell oder eine Kneipe sei? Diese und ähnliche Bemerkungen könnten ihm nun eine Gefängnisstrafe von bis zu eineinhalb Jahren einbringen. Zwei Zeitungen berichten über eine Anklageschrift, die ein Staatsanwalt in Istanbul geschrieben haben soll. Darin wirft er Say die Verletzung der religiösen Werte des Islam vor. Die Anklage könnte in wenigen Tagen offiziell erhoben werden.
Beck kritisiert Zustände in Aserbaidschan
Vor dem Finale beim Eurovision Songcontest in Baku will der Grünen-Politiker Volker Beck die ARD in die Pflicht nehmen. Im Deutschlandradio Kultur sagte er, wer den Wettbewerb nach Aserbaidschan geholt habe, trage auch die Verantwortung, dass weiter aus dem Land berichtet werde. Beck betonte, wenn Aserbaidschan aus der Medien-Beobachtung verschwinde, dann seien Menschenrechtler und Aktivisten, die sich im Vorfeld kritisch zum autoritären Regime geäußert hätten, in Gefahr. In Baku hatte es in den vergangenen Tagen mehrfach Zusammenstöße zwischen oppositionellen Demonstranten und der Polizei gegeben. Gestern wurden rund 30 Menschen festgenommen, die gegen Präsident Ilham Alijew protestiert hatten.
500 Jahre Sixtina: Feuilletons loben Ausstellung in Dresdner Sempergalerie
An der Schönheit der Sixtinischen Madonna von Raffael besteht für die Kritiker nicht der geringste Zweifel. Und auch mit der Art und Weise, wie das Gemälde in Dresden in einer Sonderausstellung gezeigt wird, sind die Feuilletons zufrieden. Die "Frankfurter Rundschau" lobt besonders den neuen Rahmen, der dem Ursprungszustand des Werkes als Altarbild am nächsten komme. Der "Tagesspiegel" spricht von einem "fulminanten Auftritt" des 500 Jahre alten Bildes. Dresden bleibe sich als Hüterin der Tradition treu, die Sixtina aber wirke noch immer jung. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" widmet sich der besonderen Verehrung, die der Madonna in Russland entgegenkommt. Das Ikonenhafte des Bildes spreche Menschen aus dem orthodoxen Kulturkreis intuitiv an.
"Mann im Pelzrock" - Seehofer verteidigt Haltung der Pinakothek
Auch ich hätte mir gewünscht, das "Pelzrock"-Bild heute hier präsentieren zu können. Mit diesen Worten hat der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer die große Dürer-Ausstellung im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg eröffnet. Allerdings habe er sich persönlich in der Münchner Pinakothek davon überzeugen können, dass der schlechte Zustand des Werkes einen Transport nicht erlaube. Der Streit um das Dürer-Werk "Mann im Pelzrock" hatte während der Vorbereitung der Ausstellung zu Auseinandersetzungen zwischen dem Münchner und dem Nürnberger Museum geführt.
"New York Times" handelt Haneke als Cannes-Gewinner
Alter und Pflege gilt mehr als politisches Thema und nicht als künstlerisches. Dieser Meinung ist der österreichische Regisseur Michael Haneke. Die "New York Times" handelt seinen in Cannes vorgestellten Film "Amour" als einen der Anwärter auf die goldene Palme. Haneke sagte dem Blatt, er habe die Geschichte über ein alterndes Paar nicht gedreht, weil er sich für die Problematik interessiere, sondern weil es darin etwas gebe, das ihn selbst zum Nachdenken angeregt habe. Der Regisseur, der selbst 70 Jahre alt ist, erklärte, mit seinen Filmen versuche er stets, den Problemen direkt ins Gesicht zu sehen.
Staatsoper will Verzögerung bei Sanierung nicht akzeptieren
Daniel Barenboim und seine Kollegen haben für diese Entscheidung kein Verständnis. Der Generalmusikdirektor der Staatsoper Unter den Linden in Berlin reagierte verärgert auf die Ankündigung, dass die Wiedereröffnung der Oper um ein weiteres Jahr verschoben wird. Die Verlängerung der Sanierung bis 2015 könne man weder vom Inhalt noch von der Form akzeptieren. Es reiche für den Spielbetrieb, wenn das Haupthaus funktionsfähig sei. Grund für den Aufschub ist laut Senat die Entdeckung alter Pfahlbauten. Ihretwegen muss die Betonsohle unter dem Haus vergrößert werden.
Documenta verbietet Ausstellung - Künstler spricht von Skandal
"Mit mir hat die Documenta nie auch nur ein Wort geredet." Das erklärte der Künstler Gregor Schneider, dessen Ausstellung von der Weltkunstschau verboten wurde. Schneider sagte der Zeitung "Die Welt", er sei eingeladen worden, eine Ausstellung für die Karlskirche in Kassel zu konzipieren. Die Documenta-Leitung habe aber erklärt, es sei nicht akzeptabel, dass die Kirche seine Kunst im öffentlichen Raum präsentiere. Es bestünde Verwechslungsgefahr mit der offiziellen Ausstellung. Dass die Documenta Kunst zensieren will, die in eigenständigen Institutionen stattfindet, empfindet Schneider als Skandal. Die autoritäre Rolle der Documenta-Leiterin müsse dringend hinterfragt werden.
Russischer Theatermacher: Ich bin ein großer Pessimist
Ist die Kunst in Russland frei? Für den russischen Regisseur Andrej Mogutschi ist das eine schwierige Frage. Der Deutschen Presseagentur sagte er, als Theatermacher an einem staatlichen Haus könne er tun was er wolle. Jedoch glaube er, dass das Theater in Russland keine so große Rolle mehr spiele wie früher. Auf radikalere Kunstgruppen werde dagegen Druck ausgeübt. Mogutschi erklärte, er sei pessimistisch, was die Zukunft seines Heimatlandes angehe. Proteste gegen die derzeitige Regierung beschränkten sich auf Moskau. Im Rest des Landes gebe es keine Reaktion.
Neuer Youtube-Kanal für Menschenrechte
"Nichtregierungsorganisationen und Aktivismus" ist eine der am schnellsten wachsenden Kategorien auf der Videoplattform Youtube. Nach Angaben des Unternehmens sind dafür vor allem die Aufständischen des Arabischen Frühlings verantwortlich. Allein aus Ägypten gebe es mehr als 100.000 Videos. Um der Flut Herr zu werden und die Bilder besser einordnen zu können, hat Youtube nun einen eigenen Kanal für Videos gegründet, die sich mit Menschenrechten befassen. Er soll von der internationalen Organisation "Witness" überwacht werden, die seit mehr als 20 Jahren Aktivisten hilft, Verstöße gegen die Menschenrechte zu dokumentieren.
Syrien: Schriftstellerin befürchtet Islamisierung
Die syrische Schriftstellerin Samar Yazbek fürchtet um die Zukunft ihres Heimatlandes. Der "Tageszeitung" sagte sie, in Syrien wendeten sich die Menschen aus Verzweiflung der Religion zu. Sie seien von der ganzen Welt verlassen und dem Tod überantwortet worden. Nun bräuchten sie Allah als Unterstützer. Das sei auf der einen Seite gut, weil der Glaube ein spirituelles Ventil sei. Andererseits griffen nun islamistische Ideen um sich. Wenn man die Syrer weiter allein lasse, könnten diese Ideen Realität werden. Samar Yazbek lebt in Paris im Exil. Sie floh aus Syrien, als sie erfuhr, dass ihr Name auf einer Todesliste des Regimes stand.
Polnischer Sender bekommt keine Frequenz
Polens Katholiken werden vorerst ohne "Trwam" auskommen müssen. Der kirchliche Fernsehsender soll keine digitale terrestrische Frequenz bekommen. Das Verwaltungsgericht in Warschau lehnte eine Klage des Schwestersenders "Radio Maryja" ab. Dieser hatte der Rundfunkbehörde vorgeworfen, "Trwam" wegen seines katholischen Programms bei der Vergabe von Frequenzen zu diskriminieren. Die Behörde verweist dagegen auf fehlende finanzielle Rücklagen des Senders. In Polen hatte es in den vergangenen Monaten massive Proteste gegen die Entscheidung gegeben. Das Urteil kann noch angefochten werden.
EKD-Ratsvorsitzender will Landeskirchen bei Fusionen nicht unter Druck setzen
Der Zusammenschluss mehrerer Landeskirchen zur Evangelischen Nordkirche soll niemanden unter Druck setzen. Nach Auffassung des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, können solche Fusionen nur von den Betroffenen selbst beschlossen werden. Der "Rheinischen Post" sagte er, die EKD habe bereits vor sechs Jahren ein Papier veröffentlicht, in dem sie dafür plädiert habe, die Zahl der Landeskirchen bis 2030 auf höchtens zwölf zu reduzieren. Das sei aber nur ein Impuls, kein Fünfjahresplan. Die Landeskirchen Nordelbien, Mecklenburg und Pommern wollen ihren Zusammenschluss morgen in Ratzeburg feiern.
Weitere verendete Tiere an Perus Küste gefunden
Das Tiersterben vor der peruanischen Küste findet offenbar kein Ende. Nachdem zwischen Februar und April rund 900 tote Delfine und tausende verendeter Wasservögel gefunden worden waren, sind nun Krebse betroffen. Dabei handelt es sich nach Angaben der peruanischen Marine um eine kleine Art, die nur zwei bis drei Zentimeter lang wird. Tausende tote Krustentiere seien an einen Strand rund 60 Kilometer südlich der Hauptstadt Lima gespült worden. Der Grund für das Tiersterben wird noch gesucht, die Behörden vermuten, dass es durch erhöhte Wassertemperaturen im Pazifik verursacht wurde.
Bürgerrechtler H.H. Brookins gestorben
Der ehemalige Bischof der afro-armerikanischen Methodisten, Hamil Harford Brookins, ist tot. Wie seine Kirche mitteilte, starb er bereits am Dienstag im Alter von 86 Jahren. Brookins war eine bedeutende Figur in der schwarzen Bürgerrechtsbewegung der USA und ein Mitkämpfer von Martin Luther King. Mit der "African Methodist Episcopal Church" baute er außerdem eine Millionenschwere Kirche mit zehntausenden Mitgliedern auf. 1993 zwangen ihn Vorwürfe, er habe sich dabei selbst bereichert, zum Rücktritt.