Ludwig-Börne-Preis für Peter Sloterdijk
Der Ludwig-Börne-Preis geht in diesem Jahr an den Philosophen und Essayisten Peter Sloterdijk. Die Verleihung fand in der Frankfurter Paulskirche statt. Der Literaturwissenschaftler und Preisrichter Hans Ulrich Gumbrecht sagte, der 65-jährige Autor habe die deutsche Öffentlichkeit immer wieder in intensive Zustände intellektueller Wachheit versetzt und konzentrierte Debatten im politischen Leben der Republik ausgelöst. Sloterdijk gilt als Wegbereiter des politischen Feuilletons. Er erhielt damit die renommierteste Auszeichnung für Essays und Reportagen im detuschsprachigen Raum. Für Irritationen hatte Henryk M. Broder gesorgt, als er ankündigte, seinen Börne-Preis wegen Sloterdijks Ehrung zurückzugeben. In der Zeitung "Die Welt" begründete Broder dies damit, er wolle keinem Zirkel angehören, der auch Sloterdijk ehre. Der Philosoph habe die Anschläge vom 11. September 2001 als "Zwischenfall in amerikanischen Hochhäusern" bezeichnet.
Gezielter Anschlag auf Studentinnen in Pakistan
Sunnitische Extremisten haben gezielt 25 Studentinnen der einzigen reinen Frauen-Universität in Pakistan getötet. Ein Selbstmordattentäter sprengte sich zunächst in einem Univestitätsbus in der Stadt Quetta in die Luft. Dann attackierten Extremisten das Krankenhaus, in dem die Verletzten behandelt wurden. Im Südwesten des Landes gibt es immer wieder Angriffe auf Mädchen und Frauen, die zur Schule oder Universität gehen. UNO-Generaksekretär Ban Ki Moon sagte, er betrachte die seit einigen Jahren ansteigende Gewalt gegen Frauen in Pakistan mit Sorge.
UNESCO entscheidet über Welterbe-Anträge
Kassel möchte mit dem Bergpark Wilhelmshöhe auf die Welterbe-Liste und blickt deshalb nach Phnom Penh. Das Welterbekomitee der UNESCO berät ab heute in der kambodschanischen Hauptstadt darüber, welche Kultur- und Naturstätten in die Liste aufgenommen werden - zur Auswahl stehen 32. Der über 300 Jahre alte Bergpark Wilhelmshöhe mit der Herkulsstatue gilt laut der deutschen UNESCO-Kommission als einzigartiges Beispiel des Europäischen Absolutismus. Er konkurriert unter anderem mit dem Fuji-Vulkan in Japan und dem Großen Himalaya-Nationalpark in Indien. Die Beratungen der UNESCO dauern bis zum 27. Juni. Die UNESCO-Kommission könnte auch die Liste des gefährdeten Welterbes erweitern. Es wird erwartet, dass die Welterbestätten in Syrien wie die Altstadt von Aleppo hinzugefügt werden.
Vor 50 Jahren erste Frau im Weltall - ISS-Mission als Hommage
Vor genau 50 Jahren - am 16. Juni 1953 - startete Valentina Tereschkowa als erste Frau ins Weltall. Die derzeitige Mission auf der Internatioalen Raumstation ISS sei auch eine Hommage an diesen Flug, heißt es von der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos. Als vorletztes Versorgungsschiff kam gestern der in Deutschland gebaute Raumtransporter "Albert Einstein" bei der ISS an. Das unbemannte Versorgungsschiff brachte fast sieben Tonnen Nachschub, darunter Forschungsgeräte, Kleider und Lebensmittel. Die sechs Raumfahrer auf der ISS wollen morgen die Luken öffnen und den Transporter entladen. Er war an Bord einer Ariane-5-Rakete Anfang Juni im südamerikanischen Kourou gestartet.
Mario Vargas Llosa: Kultur darf nicht nur dem Zeitvertreib dienen
Was ich für Kultur halte, ist in den vergangenen fünfzig Jahren verschwunden. Dieser Meinung ist der peruanische Schriftsteller Mario Vargas Llosa. Der Zeitung "Welt am Sonntag" sagt er, heutzutage gebe es nur noch eine Light-Kultur, die dem Zeitvertrieb diene. Damit werde das zerstört, was der Zivilisation Inhalt und Ordnung gebe. Nach den Worten Vargas Llosas ist Kultur ohne Bildung nicht zu haben. Das bedeute eben auch Anstrengung, Konzentration und Hingabe. Kritik übte der Literaturnobelpreisträger auch an sozialen Netzwerken. Durch Facebook werde das Leben nicht mehr gelebt, sondern nur noch dargestellt, so wie Schauspieler eine Rolle verkörperten.
Berliner Platz erinnert an DDR-Volksaufstand
Das Areal vor dem Berliner Finanzministerium heißt seit heute "Platz des Volksaufstandes 1953". Zum 60. Jahrestag der Proteste am 17. Juni 1953 sollen damit der Mut der Aufständischen und ihr Einsatz für Demokratie gewürdigt werden. Rund eine Million DDR-Bürger gingen damals in rund 700 Orten gegen höhere Arbeitsnormen und für freie Wahlen auf die Straße. Die Demonstrationen wurden von der sowjetischen Armee und der Volkspolizei gewaltsam niedergeschlagen.
Demonstranten fordern neuen Vertrag für "Bolschoi"-Tänzer Ziskaridse
Nikolai Ziskaridse - Stolz der russischen Kultur. Mit diesen Worten forderten Demonstranten vor dem Moskauer Bolschoi-Theater einen neuen Vertrag für den umstrittenen Tänzer. Die Theaterführung hatte vor kurzem mitgeteilt, sie werde Ziskaridses Ende des Monats auslaufende Verträge nicht verlängern. Gründe für die Entscheidung nannte sie nicht. Das sei eine Schande, sagten Teilnehmer der Kundgebung der Nachrichtenagentur Interfax. Ziskardise gilt als Gegenspieler von Ballettchef Sergej Filin, der Mitte Januar bei einem Säureattenat verletzt worden war. Die Theaterleitung hatte den Tänzer beschuldigt, in den Anschlag verstrickt zu sein. Der 39-Jährige wies die Vorwürfe zurück. Er sei Opfer einer Kampagne, weil er Unregelmäßigkeiten bei der Renovierung des Theaters und eine schlechte Behandlung der Künstler öffentlich gemacht habe.
Nachrichtenportale: Noch keine Termine für Bezahlschranken
Seit dieser Woche verlangt die "Bild"-Zeitung von ihren Internet-Lesern Geld für bestimmte Inhalte. Das Nachrichtenportal "Spiegel Online" hat jetzt die Debatte um das Bezahlen journalistischer Inhalte im Netz wieder etwas gebremst. Es gebe auf den Portalen zu viele minimal umgeschrieben Agenturmeldungen, um genügend Käufer zu locken, sagte Geschäftsführerin Katharina Borchert nach Informationen des Branchendienstes "Kress" auf der Jahrskonferenz der Journalistenvereinigung "Netzwerk Recherche". Sie betonte aber, sie wünsche sich kostenpflichtige Angbote, um "Spiegel Online" ausbauen zu können und unabhängiger vom Werbemarkt zu werden. Einen Termin für mögliche Bezahlschranken nannte sie ebenso wie Verantwortliche der Portale Stern.de und Süddeutsche.de nicht.
Zehntausende fordern mehr Rechte für Homosexuelle
Zehntausende haben in ganz Europa mehr Rechte für Homosexuelle gefordert. Im französischen Lyon nahmen rund 15.000 Menschen an der jährlichen Parade teil - in Straßburg versammelten sich bis zu 20.000 Menschen. Nach monatelangen, teils gewaltsamen Protesten war die Homo-Ehe Mitte Mai offiziell in Frankreich eingeführt worden. In der kroatischen Hauptstadt Zagreb demonstrierten ebenfalls zahlreiche Menschen. Am Freitag hatte eine konservative Gruppe dort dem Parlament eine Liste mit über 700.000 Unterschriften gegen die Homo-Ehe übergeben. In Polens Hauptstadt Warschau gab es vor der russischen Botschaft Proteste gegen das Gesetz gegen "Homosexuellen-Propaganda", das die Staatsduma vor wenigen Tagen verabschiedet hatte.
Deutsch-kenianischer Film mit Goldener Alhambra ausgezeichnet
Die Jury würdigte seine unglaubliche Frische und künstlerische Fähigkeit. Der deutsch-kenianische Film "Nairobi Half Life" ist beim Festival "Filme des Südens" von Granada mit der Goldenen Alhambra ausgezeichnet worden. Der Debütfilm des kenianischen Regisseurs David Gitonga entstand unter Aufsicht des deutschen Produzenten Tom Tykwer. Er erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, der nach Nairobi zieht, um ein erfolgreicher Schauspieler zu werden.
Jazzflötist Sam Most gestorben
Der Pionier der Jazzflöte, Sam Most, ist tot. Wie sein Management mitteilte, starb er bereits am Donnerstag mit 82 Jahren in einem Krankenhaus in Los Angeles. Der Jazz-Historiker Leonard Feather hatte über ihn geschrieben, wenn es Gerechtigkeit gebe, müssten die Geschichtsbücher Most als ersten kreativen Jazz-Flötisten nennen. Der Musiker veröffentlichte insgesamt über 20 Alben und sorgte für einen festen Platz der Flöte in der Jazzmusik, die sonst eher auf Klarinette setzte. Außerdem beherrschte er eine besondere Kunst, die viele nach ihm zu kopieren versuchten: Er konnte gleichzeitig Flöte spielen und dabei eine Melodie summen.