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Samstag, 26. Mai 2012
17:00 Uhr
Presseschau

"Ägypten hat den ersten Demokratie-Test bestanden. Die Wahlen waren frei, es gab nur geringfügige Verstöße. Langfristige Herausforderung wird es sein, auch zukünftige Regierungen in freien und fairen Wahlen bestimmen zu lassen. Auch wenn die führenden Kandidaten Gegensätze schaffen könnten - ein Islamist und ein früherer General des Mubarak-Regimes - so hat die Wahl keine Spaltungen hervorgerufen, sie hat lediglich den Gegensätzen politischen Ausdruck verliehen",

betont die TIMES aus Großbritannien.

Die türkische Zeitung MILLIYET notiert:

"Ganz zufrieden mit den Kandidaten sind die Menschen, die auf dem Tahrir-Platz für Freiheit gekämpft haben, nicht. Sie haben die Wahl zwischen Vertretern des gestürzten Regimes und Islamisten, die ihr wahres Gesicht nicht zeigen wollen. Im Wahlkampf ist deutlich geworden, dass sich die ägyptische Gesellschaft spaltet. Revolutionäre gegen Anhänger des alten Regimes, Pro-Westliche gegen Islamisten. Dazu kommt auch der Faktor Armee",

unterstreicht MILLIYET aus Istanbul.

Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG analysiert:

"Die Bevölkerungsexplosion verschärfte ein soziales Ungleichgewicht, das sich in den Jahrzehnten unter Mubaraks Herrschaft in einem für die arabische Welt einzigartigen Wohlstandsgefälle niederschlug. Der Volksaufstand war die unvermeidliche Zäsur in einer scheinbar ewigen Ordnung. Selbst wenn künftig ein Islamist oder auch ein Mann des alten Regimes die Geschicke des Landes lenken sollte, sind die von Untertanen zu Bürgern mutierten Ägypterinnen und Ägypter um eine zentrale Erfahrung reicher: Der Stillstand ist überwindbar - vorwärts!"

Das war die Einschätzung der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG aus der Schweiz.

Die tschechische Zeitung LIDOVE NOVINY prognostiziert:

"Sobald Ägypten einen Präsidenten haben wird, endet die politische Übergangszeit, in der sich das Land seit anderthalb Jahren befindet. Und damit auch die autoritäre Herrschaft der Armee. Die ersten demokratischen Schritte der ägyptischen Demokratie nach der Revolution bieten keinen besonderen Anlass zum Optimismus. Durch die Parlamentswahlen im November ist zwar eine gesetzgebende Versammlung entstanden, die sich aber als machtlos erwiesen hat, sowohl politisch als auch institutionell. Die Präsidentenkampagne nun hat eine spürbar positivere Entwicklung gebracht. Im Unterschied zu den Parlamentswahlen wurde über Inhalte diskutiert. An die Stelle von Populismus sind sachliche Argumente getreten",

hat LIDOVE NOVINY beobachtet.

"Was bleibt am Ende übrig?"

fragt die italienische Zeitung LA STAMPA. Und weiter heißt es:

"Um die Präsidentschaft in Ägypten kämpfen, wenn sich die Anzeichen bestätigen, ein Kandidat der Muslimbruderschaft und ein Mann des früheren Regimes. Er ist das Gesicht der militärischen Macht, ein Doppelgänger des gestürzten Mubarak. Die Vergangenheit vergeht nicht, stirbt nicht. 'Stürzt das Regime' war das Motto aller arabischen Revolutionen, aber das Internet reichte dafür nicht aus. Denn es gab keinen klaren Plan für die Zeit danach",

unterstreicht LA STAMPA aus Turin.

DER STANDARD aus Österreich meint:

"Die Wahl fällt Mitte Juni zwischen einem Muslimbruder alten Schlags und einem Gesicht des alten Regimes. Nicht dass über diese zwei Personen, Mohamed Mursi und Ahmed Shafik, mit diesem Urteil der Stab gebrochen werden soll: Man weiß von beiden nicht, welch einen Präsidenten sie abgeben würden. Die Muslimbrüder zeigen immer wieder Anzeichen von Pragmatismus. Und Shafik wurde von Hosni Mubarak kurz vor dessen Abtreten deshalb zum Premier gemacht, weil er eine der fähigsten Figuren im Kabinett war. Es geht nicht so sehr um die Personen, sondern um das, wofür sie stehen. Gleich, wer die Stichwahlen gewinnt, es wird eine Wahl getroffen werden, die sich jeweils gegen den anderen Teil der ägyptischen Gesellschaft richtet",

fürchtet DER STANDRAD aus Wien.

In der in Kairo erscheinenden Zeitung THE EGYPTIAN GAZETTE heißt es:

"Der wirkliche Gewinner der Präsidentenwahlen ist nicht dieser Kandidat oder jener. Einer von beiden wird siegen, und sein Foto wird umgehend in unzähligen Zeitungen erscheinen. Aber die Amtsperiode des künftigen Präsidenten wird begrenzt und damit seine Macht endlich sein. Die wirklichen Sieger dieser Wahl sind die Ägypter selbst, die den Zwang der Tyrannei überwunden haben und erhobenen Hauptes ihren Weg gehen",

betont die EGYPTIAN GAZETTE.

Das serbische Blatt DANAS bemerkt:

"Fast hätte das Mitglied der radikalen Muslimbrüder, Mursi, schon im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit erreicht, sodass es sehr wahrscheinlich ist, dass er den Vertreter des alten Regimes im zweiten Wahlgang besiegen wird. Die Ägypter, die sich für den Vertreter der Muslimbrüder entschieden haben, können später nicht behaupten, sie hätten nicht gewusst, was auf sie zukommt. Denn Mursi hat sich in seinem Wahlkampf als 'Kandidat Allahs' vorgestellt. Und er hat nicht verheimlicht, in Ägypten einen 'Gottesstaat' errichten zu wollen."

Soweit DANAS aus Belgrad und so viel zu diesem Thema.

Zur Debatte in Europa über den richtigen Kurs aus der Schuldenkrise bemerkt das LUXEMBURGER WORT mit Blick auf die Meinungsverschiedenheiten zwischen der Bundeskanzlerin und dem französischen Präsidenten:

"Francois Hollande ist mit der Überzeugung aufgewachsen, der Staat müsse alle Zweige der Wirtschaft regulieren und kontrollieren, um die potenziell destruktiven Marktkräfte zu bändigen. Um Frankreich als einzigartiges Land mit einem besonderen Gesellschafts- und Sozialmodell vom 'Dschungel' der großen weiten Welt schützend abzuschirmen. Angela Merkel hingegen hat das gescheiterte Experiment der totalitären Planwirtschaft gelehrt, dass Freiheit ein kostbares Gut ist, das auch in der Wirtschaft in Verbindung mit ausgeglichenen Haushalten konstruktive Kräfte freisetzt",

befindet das LUXEMBURGER WORT.

LE FIGARO aus Paris sieht sich die Situation in Frankreich genauer an, Zitat:

"François Hollande wird nicht lange behaupten können, dass die industrielle Krise, in der Frankreich steckt, einzig und allein Nicolas Sarkozy anzulasten ist. Die Regierung hat bereits zugegeben, dass die Zukunft nicht rosig aussieht. François Hollande hat sich gerühmt, der europäische Messias des Wachstums und der Arbeitsplätze zu sein. Doch beides lässt sich nicht per Dekret herbeizaubern. Ohne Strukturreformen, wie sie in Deutschland vor zehn Jahren durchgeführt wurden, kann Frankreich kaum eine bessere Zukunft erwarten",

unterstreicht das französische Blatt LE FIGARO.

Die Zeitung TAKUNGPAO aus Hongkong urteilt:

"Nach dem EU-Sondergipfel ist der Meinungsunterschied über die Lösung der Eurokrise noch deutlicher. Es ist zu bezweifeln, ob die Politik und Wirtschaft Europas in der Lage sind, die Krise abzuwenden. Denn die Entwicklung in Griechenland ist deprimierend. Selbst wenn man Griechenland aus der Euro-Zone ausschließt, wird die Gemeinschaft an den Folgen leiden. Danach könnten weitere Länder folgen. Ist das kranke Europa noch heilbar? Der Rest der Welt muss mit dem Schlimmsten rechnen und sich frühzeitig dagegen rüsten",

so TAKUNGPAO aus Hongkong.

Die japanische Zeitung MAINICHI SHIMBUN fügt hinzu:

"Insbesondere Deutschland sollte sich nun bitte weise entscheiden, bevor die Lage irreparabel wird. Die Behauptung der Länder mit hoher Kreditwürdigkeit wie Deutschland, Euro-Bonds könnten auch wirtschaftlich gesunden Ländern eine Inflation bringen, ist zwar berechtigt. Aber ohne die Einführung von Euro-Bonds kommt der Schaden die ganze Welt viel teurer zu stehen. Die Gemeinschaftswährung Euro wurde einmal geschaffen, um das für Europa zu groß gewordene Deutschland in Europa zu halten. Davon hat Deutschland doch am meisten profitiert. Das muss auch Frau Merkel wissen",

lautet die Ansicht von MAINICHI SHIMBUN aus Tokio.