Die Rede von Bundespräsident Christian Wulff zur deutschen Einheit habe mit dem Blick nach vorne wichtige Akzente gesetzt, sagt der Theologe und frühere DDR-Bürgerrechtler Friedrich Schorlemmer. Vermisst habe er allerdings ein paar Sätze über den weiteren Umgang mit den DDR-Altlasten und der Demokratiemüdigkeit vieler Menschen.
Deutschlandfunk · Interview · 4.10.2010
Christian Wulff hatte sich Zeit gelassen mit seiner ersten großen Rede nach der Wahl zum Bundespräsidenten am 30. Juni. Mit Bedacht wurde der Festakt zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit gewählt, hatte das Präsidialamt etwas programmatisch Bedeutendes annonciert.
Über 400 Seiten stark ist das Buch mit dem Titel "Wohin treibt die DDR-Erinnerung?". Es dokumentiert die Debatte, die sich 2006 rund um die Empfehlungen der sogenannten Sabrow-Kommission zur Aufarbeitung der SED-Diktatur entsponnen hatte.
Bei der zentralen Einheitsfeier in Bremen hat Bundespräsident Christian Wulff den Mut der Ostdeutschen bei der Überwindung der Mauer vor 20 Jahren gelobt. Doch noch immer gebe es "Risse in der Gesellschaft" zu kitten.
Deutschlandradio · Aktuell · 3.10.2010
Auch wenn in Fragen der Beflaggung inzwischen eine schwarz-rot-goldene Normalität erreicht ist, Freudentaumel ist unsere Sache nicht.
Klaus Schroder untersucht, wie groß die Unterschiede und Befindlichkeiten zwischen West- und Ostdeutschen auch nach 20 Jahren Einheit noch sind. Gleichzeitig zeigt er auf, dass bestimmte Verhaltensmuster aller Deutschen von außen gesehen als typisch deutsch bezeichnet werden.
Joachim Gauck spricht über falsche Erinnerungskultur, Stasi-Akten, Meinungsfreiheit, das Zusammenwachsen von Ost und West sowie die große Freude über die Wiedervereinigung.
Wie es Regimegegnern in den Gefängnissen der DDR erging und wie sie nach der Wende ein zweites Mal zum Opfer wurden, schildert Sibylle Plogstedt in ihrem Buch "Knastmauke". 21 ehemalige Häftlinge geben darin Selbstauskunft über Folter, Isolationshaft und ihren Kampf um eine angemessene Opferrente.
Die Deutschen in Ost und West können stolz sein, stolz auf das Erreichte. 20 Jahre Deutsche Einheit können wir morgen feiern - und wären wir nicht in Deutschland, sondern in Großbritannien, Frankreich oder den USA wäre das eine Riesenparty mit überschäumender Freude.
Er wohnte nur 70 Kilometer von der deutsch-deutschen Grenze entfernt und erlebte 1990 eine "ganz, ganz spannende Zeit". Doch Günter Beckstein kennt auch den ernüchterten und enttäuschten "Westblick" der Bevölkerung im Freistaat.
20 Jahre deutsche Einheit - nicht jedem ist dabei zum Feiern zumute. Lothar Bisky - langjähriger PDS- und Linke-Chef, heute Linken-Fraktionsvorsitzender im Europaparlament - kritisiert die Fehler der Vereinigung, sagt aber: "Die Einheit selber ist viel wert."
Morgen jährt sich der Tag der Deutschen Einheit zum 20. Mal. Ein Paar, das 20 Ehejahre hinter sich hat - feiert Porzellanhochzeit. Porzellan als Symbol, das die Ehe vielleicht Risse hat - aber nicht zerbrochen ist. Auch haftet Porzellan etwas Edles und Wertvolles an. Man geht vorsichtig damit um. Es gibt auch zerschlagenes Porzellan.
"Die nächste Wiedervereinigung machen wir besser“, so lautet eine alte Floskel aus der Wendezeit. Mittlerweile feiern wir 20 Jahre Wiedervereinigung – und wie geht es Deutschland?
Neben der Deutschen Einheit gibt noch einen weiteren historischen Grund zu feiern: Mit diesem 3. Oktober erlischt die Reparationsschuld, die Deutschland auch noch infolge des Ersten Weltkrieges leisten musste. Festgeschrieben erstmals im umstrittenen Versailler Vertrag von 1919.
Die Treuhandanstalt gehört bis heute zu den umstrittenen Kapiteln der deutschen Einheit. Vor 20 Jahren wurde sie gegründet, um die volkseigenen Betriebe der untergehenden DDR in die Privatisierung zu führen. Statt eines Gewinns hinterließ sie einen Schuldenberg.
Rund 1,3 Billionen Euro sind seit der deutschen Wiedervereinigung von West nach Ost geflossen. In zahlreichen Fördermittelprogrammen setzten die Länder unterschiedliche Prioritäten – Gießkannen- oder Leuchtturm-Förderung. 20 Jahre danach ist Zeit Bilanz zu ziehen.
Am 3. Oktober werden sie gefeiert, die Wegbereiter der deutschen Einheit. Ein Name steht dabei immer in der ersten Reihe: Michael Gorbatschow. Der ehemalige Kremlchef hat versuchte, die Sowjetunion durch Glasnost und Perestroika zu reformieren. Und eröffnete auch allen anderen Ländern des Ostblocks einen politischen Weg - auch der DDR.
Am Sonntag feiern die Deutschen den 20. Jahrestag der Wiedervereinigung. Vieles habe sich zum Positiven gewandelt, dennoch gebe es noch jede Menge zu tun, so der ehemalige Ministerpräsident des Freistaates Thüringen, Bernhard Vogel.
Schon drei Monate vor der politischen trat vor 20 Jahren die pekuniäre Wiedervereinigung zwischen DDR und BRD in Kraft: Die D-Mark zog in den Osten ein. Noch heute ist die Wirtschaft dort nicht so stark, dass sie keiner Förderung mehr bedarf. Wie sieht es nun aus mit der Wirtschaft im Osten Deutschlands?
Die innerdeutsche Grenze machte zwei kleine Gemeinden weltbekannt: Helmstedt und Marienborn. Hier war der wichtigste Autobahn-Übergang in die ehemalige DDR und nach Berlin. Die heutigen Bürgermeister, Frenkel und Eisermann, erinnern sich.
Die geballte Wirtschaftskraft des vereinten Deutschlands bereitete der italienischen Politik zunächst Sorge. Später profitierte die heimische Industrie vom Wiederaufbauprogramm im Nachbarland. Die Anstrengungen beim Aufbau Ost imponierten den Italienern.
Im Vorfeld des Tages der Deutschen Einheit findet in Berlin der Deutsche Historikertag statt. In diesem Zusammenhang stellt der Historiker Gerhard A. Ritter fest, dass die außenpolitischen Aspekte der Wiedervereinigung noch nicht aufgearbeitet seien.
In der DDR waren die Theater ein Forum für öffentliche Diskussionen, Schauspieler hatten große Bedeutung, sagt der Intendant des Theaters Senftenberg Sewan Latchinian. Und heute? Da helfen die Spielstätten den Ostdeutschen bei der Suche nach einer neue Identität.
Die britische Premierministerin Margret Thatcher war vor 20 Jahren gegen die Deutsche Einheit. Viel Überzeugungsarbeit und etwas Druck war nötig, um sie noch dazu zu bewegen sich an den Zwei-plus-Vier-Verhandlungen zu beteiligen.
Deutschlandfunk · Europa heute · 28.9.2010
Nach dem Mauerfall war alles anders, blieb alles anders. Die Stadt begann das Jahr als geteilte Stadt, als vereinte beendete sie es.
Es habe erhebliche Vorbehalte, Ängste und Sorgen unter den europäischen Partnern gegeben, Deutschland könnte die Koordinaten seiner Politik nach einer Wiedervereinigung verändern, bestätigt CDU-Politiker Rudolf Seiters, unter Helmut Kohl Chef des Kanzleramtes.
Von einer gesamtdeutschen Erinnerungskultur sind wir noch weit entfernt. Sie zu entwickeln ist eine zwar schwierige, aber deswegen nicht weniger lohnende Aufgabe. Auch daran sollten wir denken, wenn wir in wenigen Tagen den 20. Jahrestag der Wiedervereinigung feiern.
Deutschlandradio Kultur · Politisches Feuilleton · 28.9.2010
Das Ehepaar Schreiber-Teschner lernte sich nach der Wiedervereinigung kennen. Mit zwei Koffern machten sich die beiden in den 90er-Jahren auf in den Westen und fanden im hessischen Wallrabenstein im Taunus eine neue Heimat.
1989/1990, zwischen Mauerfall und Deutscher Einheit, in Bonn. Es war das politisch wohl turbulenteste Jahr, das die provisorische Bundeshauptstadt in ihrer Geschichte erlebt hat.
20 Jahre nach der Wiedervereinigung lassen sich weltweit zahlreiche Spuren der DDR finden - gerade in den ehemaligen "Bruderländern". Eine Textsammlung aus dem Christoph Links Verlag gibt nun Auskunft über dieses Phänomen.
Anders als viele DDR-Intellektuelle war Monika Maron 1990 eine glühende Befürworterin des Einigungsprozesses - und doch hat sie das "andere Deutschland" bis heute nicht losgelassen.
Zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit befasst sich Deutschlandradio Kultur in einem Themenabend mit dem Stand der inneren Einheit, mit den Einstellungen und Lebensbildern. Studiogäste mit Ost- und mit Westbiographie, mit Wendeerfahrungen und Nachgeborene ziehen eine kritische Bilanz der letzten 20 Jahre.
Der Weg zur deutschen Einheit war alles andere als ein Selbstläufer, sondern das Resultat von gewagten Entscheidungen, schwierigen Auseinandersetzungen und glücklichen Zufällen. In einer kurzen Zeitspanne, in diesem "deutschen Jahr'"1990, hat sich ein beispielloser Prozess vollzogen.
Die Deutsche Einheit sei "ein immerwährender Prozess", sagt Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und räumt ein, dass manche Erwartungen an die Deutsche Einheit noch nicht so ganz erfüllt seien. Insgesamt sei man bei der Angleichung der Lebensverhältnisse aber auf einem guten Weg.
Die letzten Jahre der DDR aus Sicht einer Dresdner-Arztfamilie schildert der autobiografisch gefärbte Roman "Der Turm" von Uwe Tellkamp. Zwanzig Jahre nach der Wende fand der preisgekrönte Roman des Autors auf die Bühne des Dresdner Staatsschauspiels.
Tristan Hoffman aus Borgsdorf nördlich von Berlin ist genauso alt wie die wiedervereinigte Republik: Er wurde am 3.10.1990 geboren.
Katja, Sebastian, Hannah und Jan sind zwar im geteilten Deutschland geboren, aber zu jung, um die Geschichte wirklich erlebt zu haben. Was macht die Deutsche Einheit heute aus?
Seit nunmehr 20 Jahren wächst die deutsche Wirtschaft zusammen. Vieles wurde in dieser Zeit erreicht – aber nach wie vor bestehen deutliche ökonomische Unterschiede zwischen West und Ost. Was ist zu tun, um den Aufholprozess in Gang zu halten?
Deutschlandradio Kultur · Politisches Feuilleton · 22.9.2010
Am 3. Oktober 2010 jährt sich zum 20. Mal die Deutsche Einheit. Wie beurteilen unsere Nachbarn in Europa dieses Jubiläum? Haben sich Befürchtungen, Erwartungen und Hoffnungen erfüllt oder ist alles ganz anders gekommen, als erwartet?
Stasi, Trabi, Westpaket: Wenn die Eltern über die DDR erzählen, dann klingt das fremd - oder doch nach vertrauter Kindheit? Wie denken junge Erwachsene, die 1990 geboren wurden, über Deutschland, die deutsche Einheit und ihre Zukunft in der Bundesrepublik?
Der ehemalige Ostbezirk Berlin Mitte ist nach der Wende zu einem Anziehungspunkt für Menschen aus aller Welt geworden. Ganz anders das "alte" West-Berlin. Dort begann nur wenige Jahre nach der Wiedervereinigung das Jammern.
Einst waren Eisenhüttenstadt und Duisburg bekannt für die Stahlproduktion. Mehrere tausend Tonnen Stahl wurden in den 80er Jahren hier täglich erzeugt. Inzwischen suchen beide nach Alternativen, um mit dem Strukturwandel nach der Wende Schritt zu halten.
Für Bauer Etzel im Rhein-Main-Gebiet war die Deutsche Einheit ein heilsamer Einschnitt. Wie viele andere Bauern in den alten Ländern so konfrontierte sie auch ihn schlagartig mit der Konkurrenz ostdeutscher Großbetriebe. Bauer Etzel nutzte seine Chance zur Modernisierung.
Zwei Reporter-Teams des Uniradios Mephisto 97.6 aus Leipzig sind auf den Spuren der deutschen Einheit unterwegs: Sie laufen über 1000 Kilometer, immer auf der Suche nach den Geschichten hinter der Wiedervereinigung. Ein Team ist in Aachen gestartet, das andere in Görlitz.
20 Jahre Deutsche Einheit, das heißt auch eine neue Struktur für Theater und Orchester: Für das ehemals fusionierte Theater der Städte Gera und Altenburg bedeutete die Einheit vor allem Personalabbau, neue Inhalte und ein gemischtes Publikum. Und das Stadttheater Hildesheim hat seine ganz persönliche Einheitsgeschichte.
Die Hymne der DDR entstand in nur knapp vier Wochen und wurde vom Parlament beschlossen. Dennoch erlangte sie nie Gesetzeskraft. Der Text der Hymne wurde nie verboten, aber offiziell fast 20 Jahre lang nicht gesungen. Die vierte Zeile der ersten Strophe wurde ein Ruf der Wende.
Nach der Wende machten sich Ostseeorte in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern Konkurrenz. Heute hat sowohl das beschauliche Niendorf in der Lübecker Bucht als auch das alte Fischerdorf Dierhagen auf dem Darß seine Stammgäste.
Im Jahr 1990 begannen die Verleger Christoph Links und Bruno Kehrein mit dem Büchermachen. Zunächst beschränkten sie sich auf die Themen DDR bzw. Düsseldorf, aber das hat sich schnell geändert. Heute sind beide Verlage etabliert.
Anlässlich des 20. Jahrestages der deutschen Einheit erkunden unsere Landeskorrespondenten in der morgendlichen Ortszeit jeweils um 8.40 Uhr mit kleinen Fallstudien aus Ost und West, wie es konkret um Einheit und Differenz bestellt ist.
Und von Ost nach West: Zwei Reporter-Teams des Uniradios Mephisto 97.6 aus Leipzig sind auf den Spuren der deutschen Einheit unterwegs: Sie laufen über 1000 Kilometer, immer auf der Suche nach den Geschichten hinter der Wiedervereinigung. Ein Team ist in Aachen gestartet, das andere in Görlitz.
Ausgestattet mit Rucksack, Laptop, Karte und Kompass sind vier Leipziger Studierende aufgebrochen, quer durch Deutschland von Görlitz nach Aachen zu wandern. Im Gepäck die Frage: Wie nahe sind sich die Menschen in Ost und West nach 20 Jahren Wiedervereinigung?
Nach zahlreichen Geheimverhandlungen unterzeichneten am 12. September 1990 in Moskau die Vier-Siegermächte des Zweiten Weltkrieges, die Bundesrepublik Deutschland und die DDR den sogenannten "Zwei-plus-Vier-Vertrag".
Dass der Beschluss des DDR-Parlaments zur deutschen Einheit so schnell kam, zeigt nach Ansicht des Liedermachers und Ex-Dissidenten Stephan Krawczyk, "wie schnellfüßig das Kapital ist". Er sei über den Beschluss aber nicht traurig gewesen.
Der Schriftsteller Thomas Brussig bezweifelt, dass das geplante Freiheits- und Einheitsdenkmal wirklich benötigt wird. Was das Denkmal leisten solle, habe jetzt schon die Debatte um das Denkmal bewirkt. Außerdem könne ein Denkmal nicht das besondere Lebensgefühl der Revolutionszeit wiedergeben. Das könnten eher Bücher und Filme leisten.
Runder Tisch, de Maizières Füller und D-Mark-Etiketten in der DDR: Das Deutsche Historische Museum in Berlin versucht, die politischen Umwälzungen von 1990 anschaulich zu machen.
Der letzte Ministerpräsident der DDR, Lothar de Maizière, hat das Engagement des ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker für die deutsche Einheit gewürdigt. Er habe der Präsident aller Deutschen sein wollen und sich schon frühzeitig zu Berlin als Hauptstadt bekannt.
9. November 1989, 19:05 Uhr: Die Nachrichtenagentur AP meldet: "DDR öffnet Grenze". Ein historischer Moment, dem unzählige bemerkenswerte und tragische Entwicklungen vorausgingen. Dradio.de blickt zurück und präsentiert darüber hinaus alle Beiträge des Deutschlandradios zum Thema bis zum Stichtag im November.
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Schmalspurbahn in Lettland
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Ilko-Sascha Kowalczuk: 17. Juni 1953, Roger Engelmann: DDR im Blick der Stasi
Sendezeit: 16.06.2013, 12:34
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Absolventenporträt - Die Harfenistin Marina Tsaytler vom 15.06.2013
Sendezeit: 15.06.2013, 15:05
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