Der Sprecher der Bürgerinitiative Umweltschutz in Lüchow-Dannenberg, Wolfgang Ehmke, hat bedauert, dass Gorleben als möglicher Standort für ein Atommüll-Endlager von der Bundesregierung immer noch nicht völlig ausgeschlossen wird.
Spanien ist verpflichtet, große Mengen von Nuklearschrott zurückzunehmen, der befristet nach Frankreich verschoben wurde. Deshalb bestimmte die neue konservative Regierung Rajoy das Dorf Villar de Canas östlich von Madrid zur ersten nuklearen Müllkippe der Nation.
Der beschlossene Ausbau des tschechischen Atomkraftwerks Temelin wird in Deutschland und Österreich mit Sorge beobachtet. In Tschechien dagegen freuen sich Lokalpolitiker und Bewohner über den geplanten Bau von zwei weiteren Reaktoren. Sie hoffen auf viele neue Jobs.
Ist das ein Abschied auf Raten? Bund und Länder haben sich in der vergangenen Nacht auf einen Ausbaustopp in Gorleben verständigt. Das Bauwerk unter Tage wird demnach nicht weiter ausgebaut, als Vergleichsstandort bleibe Gorleben allerdings erhalten. Bis nächsten Sommer soll ein Gesetz über die Suche nach einem Endlager für hoch radioaktiven Atommüll beschlossen werden.
Bis heute ist nicht entschieden, ob der Salzstock im niedersächsischen Gorleben für die Lagerung von radioaktivem Abfall geeignet ist. Der Gorleben-Untersuchungsausschuss soll - zumindest offiziell - ergebnisoffen in allen Bundesländern nach einer alternativen Lagerstätte für die atomaren Abfälle gesucht werden.
Die großen Energieversorger E.ON und RWE sind vom unerwarteten Atomausstieg im Zuge der Katastrophe von Fukushima überrascht worden. Jetzt stehen beide Unternehmen vor einem radikalen Umbau, dem Tausende Stellen zum Opfer fallen sollen.
Der für das kommende Wochenende geplante Atommülltransport von Frankreich ins niedersächsische Gorleben hätte womöglich gar nicht genehmigt werden, sagt eine neue Untersuchung des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages.
Seit 35 Jahren wird im niedersächsischen Gorleben radioaktiver Abfall gelagert. Bis heute ist nicht entschieden, ob der Salzstock dafür geeignet ist. Bundesumweltminister Norbert Röttgen hat heute die Bundesländer eingeladen, um über alternative Standorte zu beraten - doch die sind wenig begeistert.
Einiges spricht dafür, dass der Salzstock in Gorleben aus politischen Gründen ausgesucht wurde und nicht nach wissenschaftlichen Kriterien. Deshalb ist es richtig, jetzt einen Prozess in Gang zu setzen, in dem zuerst einmal die Wissenschaft das Sagen hat.
Russland entdeckt seit zwei Jahren das Geschäft mit schlüsselfertigen Atomkraftwerken. Zu den Kunden gehören Länder wie China, Indien, Bulgarien oder der Iran.
Die Denkfabrik Europäische Akademie zur Erforschung von Folgen wissenschaftlich-technischer Entwicklungen hat eine Studie zur Atommüll-Endlagerung veröffentlicht. Die Ergebnisse decken sich nicht unbedingt mit der Meinung der Auftraggeber, einer Gruppe von Unternehmen.
Asse bei Wolfenbüttel ist das wohl bekannteste Endlager für Atommüll. Täglich fließen 12.000 Liter Wasser in das Salzbergwerk ein. Die Bergung der rund 126.000 Atommüllfässer ist beschlossen, wird aber zehn Jahre dauern. Nur ferngesteuerte Roboter können die Arbeiten ausführen.
Eigentlich sollte bis zum Jahresende kein Castor mehr im Atommüllzwischenlager Gorleben ankommen dürfen. Das zulässige Soll wurde bereits erreicht, hieß es noch kürzlich. Nun aber führen neue Messungen zu gegensätzlichen Erkenntnissen.
Siemens zieht sich aus dem Atomgeschäft zurück. Konzernchef Peter Löscher hat die Entscheidung als Antwort auf die klare Positionierung von Gesellschaft und Politik in Deutschland zum Ausstieg aus der Kernenergie dargestellt. "Aber in Wirklichkeit steckt etwas anderes dahinter", sagt Journalist Stefan Lina.
Nach und nach werden die Atomkraftwerke abgeschaltet. Aber der Müll bleibt. Als Endlager ist der Salzstock in Gorleben im Gespräch, doch Niedersachsens Ministerpräsident zweifelt an der Tauglichkeit. Die dauerhafte Rückholbarkeit des Atommülls spreche gegen Gorleben, sagt Landeskorrespondentin Sabine Schrammar.
Bei einer Explosion eines Ofens in der Atomanlage Marcoule in Südfrankreich ist ein Mensch getötet worden. Vier weitere Menschen wurden verletzt. Der Ofen war zur Verbrennung schwach radioaktiver Abfälle genutzt worden.
Angesichts erhöhter Strahlenwerte in der Lagerhalle könnten die nächsten Castor-Transporte nach Gorleben platzen. Doch Deutschland ist verpflichtet, den im Ausland wiederaufbereiteten Atommüll zurückzunehmen - und Gorleben das einzige Zwischenlager, in dem er aufbewahrt werden darf.
Das Kernkraftwerk Santa María de Garoña ist der älteste Reaktor Spaniens, der noch in Betrieb ist. Das wäre vielleicht noch nicht der Erwähnung wert. Besonderes Interesse zog das AKW nach der Havarie im japanischen Fukushima auf sich: Es handelt sich um den gleichen Reaktortyp.
Abgeschaltet bleibt abgeschaltet - die Bundesnetzagentur will keines der acht stillgelegten deutschen Atomkraftwerke als "Kaltreserve" nutzen. Stromengpässe im Fall eines harten Winters sollen über konventionelle Kraftwerke gedeckt werden.
Deutschlandfunk · Umwelt und Verbraucher · 31.8.2011
Wer sucht, der findet. So ist es jetzt auch der Bundesnetzagentur ergangen. Sie hat gesucht und dabei gleich fünf Reservekraftwerke gefunden, die dafür sorgen, dass im nächsten und im übernächsten Winter hierzulande die Lichter anbleiben. T
Die Energiewende stellt Deutschlands Atomstromproduzenten Nummer 1 vor Probleme. Denn trotz aller Bekenntnisse zu erneuerbaren Energien: Das große Geschäft macht RWE nach wie vor mit Kohle und Kernkraft.
Der Atomausstieg ist beschlossene Sache. Das werde bei den Energiekonzernen zu Verlusten führen und auch Arbeitsplätze kosten, sagt Michael Fuchs, stellvertretender Vorsitzender der Unions-Fraktion im Deutschen Bundestag.
Der Teilchenbeschleuniger LHC am Kernforschungszentrum CERN liefert gerade die ersten Ergebnisse und schon befasst man sich in Genf mit einer Zeit nach der Hightech-Maschine. Der Nachfolger des 27 Kilometer großen Beschleunigerrings könnte den Namen "CLIC" tragen.
In der Sendereihe "Zwischenlager" möchte "Forschung aktuell" der Frage nachgehen, wo in Deutschland radioaktive Elemente zwischengelagert werden und um was für Materialien es sich dabei im Einzelnen handelt. Den Auftakt macht das zentrale Zwischenlager im westfälischen Ahaus.
Die französische Atomaufsicht hat für Frankreichs ältestes Atomkraftwerk eine Laufzeitverlängerung von zehn Jahren empfohlen. Das AKW Fessenheim liegt direkt an der deutsch-französischen Grenze im Rheingraben auf einem Erdbeben sensiblen Gebiet.
Gerade mal 110 Tage liegen zwischen der Katastrophe von Fukushima und dem heutigen Beschluss des Bundestags, das Atomzeitalter in Deutschland zu beenden. Damit ist dieser 30. Juni 2011 ein historischer Tag, energie-, umwelt- und auch gesellschaftspolitisch.
Der Bundestag hat dem Atomausstieg zugestimmt. In namentlicher Abstimmung votierten 513 Abgeordnete fraktionsübergreifend für die schwarz-gelben Gesetzespläne. Der Bundesrat berät am Freitag kommender Woche über das Gesetz, es besteht aber keine Zustimmungspflicht der Länder.
Die rund 1000 Mitarbeiter des Eon-Kernkraftwerks Isar seien "maßlos enttäuscht" von der schwarz-gelben Kehrtwende in der Atompolitik, berichtet der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Norbert Islinger. Ihre Arbeitsplätze stünden jedoch zunächst nicht zur Disposition.
Wenn der Bundestag heute die Energiewende beschließt, bedeutet das auch das Aus für den Reaktor im baden-württembergischen Philippsburg. Philippsburgs Bürgermeister Stefan Martus rechnet zwar mit Einbußen, sieht seine Gemeinde aber gut auf den Wandel vorbereitet.
Klimaschutz ohne Atomkraft ist wie ein Fass ohne Boden - sagen die Briten. Und so hat die britische Regierung die weltweit verbindlichsten Klimaziele beschlossen, parallel zum Ausbau der Atomkraft. Bis 2025 wollen die Briten nur noch halb so viel CO2 emittieren wie 1990.
Es ist nicht so, dass in den letzten Wochen in Schweden und Finnland gar nicht über das Für und Wider der Atomkraft diskutiert wurde. Straßenproteste gab es aber eher selten, und es entstand nicht der Eindruck, als würde eine Energiewende bevorstehen.
Im Europaparlament geht es nun auch um die Atommüll-Richtlinie von Energie-Kommissar Günther Oettinger. Darin werden die EU-Staaten aufgefordert, zeitnah Konzepte zur Endlagerung ihres Atommülls auszuarbeiten. In Schweden sind die Pläne zum Bau des ersten Endlagers bereits weit vorangeschritten.
Auf der Sondertagung der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA wird über verbindliche Stresstests für Atomkraftwerke gestritten. Eine Einigung sei nicht abzusehen, sagt Wissenschaftsredakteurin Dagmar Röhrlich. Nur über eins herrsche weitgehend Einvernehmen: Reaktorsicherheit sei Sache der Staaten.
Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) möchte, dass sich alle Kernkraftwerke weltweit regelmäßig Stresstests unterziehen und überall einheitliche Sicherheitsstandards eingehalten werden. Die Vertreter der zahlreichen Mitgliedsstaaten sind allerdings skeptisch.
Die Internationale Atomenergie-Behörde berät in Wien über die Verbesserung der Sicherheit von Kernreaktoren und will ihre eigene Rolle stärken. Deutschland wird bei dem Treffen lediglich durch eine Staatssekretärin vertreten. Gemessen daran, was die Bundeskanzlerin in Sachen IAEA gesagt habe, sei das recht wenig, sagt Jürgen Döschner.
Die Grünen sind eine "Dagegen-Partei". Das sagen Kritiker vor allem aus Union und FDP. Jetzt ist die Führung der Grünen nicht mehr gegen den Atombeschluss der Regierung, sondern dafür. Und das ist fatal und könnte für die Grünen zur Zerreißprobe werden.
Die Grünen haben signalisiert, dem Atomausstieg der Bundesregierung zuzustimmen. Ihr klimapolitischer Sprecher im Bundestag, Hermann Ott, hält es für "unverantwortlich, den endgültigen Ausstieg bis 2022 hinauszuzögern und spricht vom "Trauma" der Laufzeitverlängerung.
Radioaktive Cäsiumisotope, verseuchtes Grundwasser, einsturzgefährdete Lagerkammern und erodierende Fässer voller Atommüll - die Meldungen über den Salzstock Asse sind seit Jahren skandalös und es kommen immer weitere Skandale ans Licht.
EnBW und RWE wollen nach Ablauf des Atom-Moratoriums die Meiler Neckarwestheim 1, Philippsburg 1 und Biblis B nicht wieder hochfahren. Eine kurze Wiederbelebung der alten Atomkraftwerke für ein paar Wochen wird es somit nicht geben, sagt Georg Ehring.
Angesichts einer "unheiligen Front von mächtigen, kapitalstarken Wirtschaftsinteressen" seien die Anti-Atomdemonstrationen in Japan am vergangenen Wochenende als Erfolg zu werten, sagt Jürgen Trittin.
Der Präsident des Bundesamts für Strahlenschutz, Wolfram König, hat einen politischen Konsens hinsichtlich des Verfahrens zur Endlagersuche in Deutschland angemahnt. Dieses Verfahren werde sehr viel Zeit in Anspruch nehmen, sagte König.
92 Prozent haben sich nach dem vorläufigen Ergebnis des Referendums in Italien gegen einen Wiedereinstieg in die Kernenergie ausgesprochen. Ein Grund sei die Katastrophe in Fukushima, sagt Italien-Korrespondent Stefan Troendle. Strom aus erneuerbaren Energien gebe es in Italien aber noch nicht.
Das schwarz-gelbe Atomgesetz enthalte mittlerweile fast alle Forderungen der SPD, sagte die Generalsekretärin der Sozialdemokraten, Andrea Nahles. Nachgebessert werden müsse aber beim Ausbau erneuerbarer Energien und beim Thema Gebäudesanierung.
Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi ist überzeugt von der Zukunft der Kernenergie, die Bevölkerung hat Zweifel. Erst vor zwei Jahren hatte ein schweres Erdbeben die Abruzzen erschüttert.
Weil einige Kernkraftwerke abgeschaltet wurden, kann es aufgrund der Stromnetzstruktur in Deutschland zu Stromknappheiten kommen, sagt Andreas Mundt. Er rechne damit, dass deshalb möglicherweise eigentlich dauerhaft stillgelegte Meiler wieder hochgefahren werden müssten.
Die Kommission habe in voller Unabhängigkeit arbeiten können, versichert der Co-Vorsitzende der Ethikkommission, Matthias Kleiner. Die Energiewende halte er für äußerst glaubwürdig. Damit sie gelinge, müsste aber vor allem die Energieeffizienz gesteigert werden.
Das Bundeskabinett hat den stufenweisen Atomausstieg beschlossen. Nach dieser Einigung sollen nun Bundesrat und Bundestag bis Anfang Juli das Gesetzespaket verabschieden.
Deutschlandradio · Aktuell · 6.6.2011
Eine Mehrheit für den Atomausstieg ist sicher, denn auch die SPD wird dem Gesetz zustimmen.
Deutschlandfunk · Umwelt und Verbraucher · 6.6.2011
Der CDU-Generalsekretär in Thüringen, Mario Voigt, sieht den Bund in der Pflicht, den Ländern für den nach dem Atomausstieg nötigen Ausbau des Stromnetzes finanziell unter die Arme zu greifen.
Der parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Peter Altmaier, rechnet nicht mit einem Erfolg möglicher Klagen der Energiekonzerne im Zusammenhang mit dem Atomausstieg. Die Politik dürfe sich nicht einschüchtern lassen.
Der Atom-GAU von Fukushima hat das globale Verhältnis zur Atomkraft verändert. Am nachhaltigsten wohl die schwarz-gelbe Regierungskoalition. Sie bewegte sich von einer Laufzeitverlängerung zum - geplant - weltweit schnellsten Umstieg auf Erneuerbare.
Nach Fukushima und massiven Protesten gegen die Laufzeitverlängerung der AKWs, will am Montag das Kabinett den Atomausstieg beschließen. Für Jochen Stay, Umweltaktivist und Sprecher von "ausgestrahlt" ist 2022 der allerspäteste Termin.
Woher kommt der elektrische Strom der Zukunft? Die erneuerbaren Energien sollen langfristig die Lücke füllen, doch ihr Ausbau soll nicht beschleunigt werden, es bleibt beim Ziel eines Anteils von 35 Prozent bis zum Jahr 2020.
Der Atomausstieg ist nicht kostenlos zu haben, warnen vor allem die Gegner. Am Montag hat die Bundesregierung ein Bündel Maßnahmen beschlossen, mit dem sie zum Beispiel Hausbesitzern Anreize für mehr Wärmedämmung geben wollen.
Wenn der Atomausstieg mit dem Neubau von Kohlekraftwerke kompensiert würde, dann wäre das ein Desaster, konstatiert Christoph Bals, Klimaexperte bei Germanwatch. Deutschlands selbst gesetzten Klimaziele in Form des Zwei-Grad-Limits könnten dann nicht erreicht werden.
Keine verlängerten Laufzeiten mehr und noch dazu die Beibehaltung der Brennelementesteuer: Der Atomausstieg wird die Betreiber Einiges kosten. Das Deutsche Atomforum ist sicher: Juristisch ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.
Deutschlandradio · Aktuell · 31.5.2011
Man habe schon bei der Einführung der Brennelementesteuer verschiedene Rechtsbereiche gesehen, die fragwürdig erschienen, sagt Ralf Güldner, Präsident des deutschen Atomforums.
Was zu erwartende Klagen der Stromkonzerne gegen den Atomausstieg angeht, sehe er den Staat "auf der sicheren Seite", sagt der auf Energierechtsfragen spezialisierte Rechtsanwalt und Buchautor Peter Becker. "Man braucht jetzt einfach einen Maßstab der absoluten Sicherheit, und der ist mit Kernkraftwerken nicht zu erreichen."
Kaum ist der Atomausstieg verkündet, hagelt es Kritik von der Industrie und der Opposition. Martin Cames hält die diversen "Horrorszenarien" für überzogen, räumt aber ein: Strom wird teurer werden.
Christian Lindner nennt den Atomausstieg Deutschlands "das ehrgeizigste Vorhaben bei der Energiewende" weltweit. Die von der Industrie infrage gestellte Brennelementesteuer werde bleiben - als Beitrag zur Beseitigung vorhandener Atom-Endlagerungsschäden.
Einer der acht bereits abgeschalteten Reaktoren soll künftig bei Stromengpässen schnell wieder angefahren werden. Sylvia Kotting-Uhl, atompolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, hält das für technisch nicht machbar und unsinnig.
Grüne und Verbraucherschützer kritisieren, die Regierung trotz des geplanten Ausstiegs aus der Atomkraft zu wenig ehrgeizig beim Ausbau regenerativer Energien. Öl- oder Gaskraftwerke seien kein guter Ersatz für die Kernkraft.
Das Atom-Unglück im japanischen Fukushima hat auch in Deutschland Besorgnis ausgelöst. Was passiert, wenn es bei uns zu einem GAU, zu einem größten anzunehmenden Unfall kommt?
Das letzte Atomkraftwerk soll in Deutschland 2022 vom Netz. Das wäre auch so gewesen, wäre man beim rot-grünen Ausstiegsbeschluss geblieben. Wenn es nun gelingt, den Ausbau der erneuerbaren Energien voranzutreiben, dann hat sich die Fehlentscheidung vom Herbst gelohnt.
Der Verbraucherzentrale Bundesverband begrüßt die Einigung der Bundesregierung zum Atomausstieg, mahnt aber an, noch offene Fragen zu den Ersatzkapazitäten für den Atomstrom zügig zu beantworten.
Zehntausende Menschen haben für einen schnellen Ausstieg aus der Atomkraft demonstriert. Einen Tag vor den Gesprächen der schwarz-gelben Koalition über die geplante Energiewende wollten die Kernkraftgegner mit Aktionen in 21 Städten erneut ein Signal senden.
Sie können die Bremse lösen, schon an diesem Wochenende. Sie können die Ungewissheit beenden, die sich seit mehr als zwei Jahrzehnten mit der Zukunft der Kernkraft verbindet. Sie können den Streit beenden, ein für alle Mal. Wenn die Spitzen der Koalition es nur wollen.
Um eine Energiewende in Deutschland zu erreichen, sei es wichtig, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen, so Detlef Wetzel von der IG Metall. Das sei aber nicht möglich, solange in Berlin Lobbypolitik gemacht werde.
Die Vorbereitungen für eine Energiewende gehen in die letzte Phase. Der Abschlussbericht Ethik-Kommission soll Grundlage für die anstehende Entscheidung der Bundesregierung zum Atomausstieg sein.
Nachdem eine Einigung im Streit um europäische AKW-Stresstests erreicht wurde, verspricht EU-Energiekommissar Günther Oettinger den Startschuss für Juni. Durch die vor Ort stattfindenden Kontrollvorgänge verspreche er sich innerhalb von sechs bis neun Monaten Erkenntnisse über die Sicherheit der AKW.
Die Katastrophe von Fukushima hätte wahrscheinlich mit einfachen und preiswerten Mitteln vermieden werden können. Durch den Einbau von tsunamisicheren Toren beispielsweise, die verhindern, dass die Gebäude geflutet werden.
Deutschlandradio Kultur · Wissenschaft und Technik · 22.5.2011
Wolfram König, Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz, hält die Frage nach dem Umgang mit der Atomkraft nicht nur eine technische, sondern für eine gesellschaftliche. Und er warnt vor "Billiglösungen" bei der Endlagerung.
Die Jahrestagung Kerntechnik in Berlin stand unter dem Eindruck des Reaktorunfalls im japanischen Fukushima. Die Branche schaut nachdenklich auf die Katastrophe:Die Vielzahl von Fehlern und unglücklichen Umständen in einem Hochtechnologieland wie Japan zeigt, dass auch Experten nicht alle Möglichkeiten im Blick hatten.
Der Journalist Hans Leyendecker zeigt in einem Beitrag für das Buch „Verändert euch! – Manifest zur Energiewende“, wie sehr Atomwirtschaft und Politik in Deutschland miteinander verflochten sind, auch wenn sich nach der Katastrophe von Fukushima die Stimmung gedreht habe.
Zwei Tage lang dauert das Europäische Atomforum. Initiatoren sind Tschechien und die Slowakei. Beide Länder sind ausgemachte Kernkraft-Freunde. Deshalb soll es um Wettbewerb und Sicherheit gehen, aber ganz explizit nicht um Ausstiegs-Szenarien.
Jo Leinen, SPD-Europaabgeordneter und Vorsitzender im Ausschuss für Umweltfragen, begrüßt, dass die Atomdebatte jetzt auch auf europäischer Ebene beginnt. Dort sei sie jahrzehntelang tabu gewesen.
Durch den schnellen Umstieg auf erneuerbare Energien werden für den Verbraucher die Energiepreise langfristig sinken, glaubt der Vorsitzende des Bundes der Energieverbraucher, Aribert Peters.
Seit März hat die Reaktor-Sicherheitskommission die Risiken für die 17 deutschen Atomkraftwerke bewertet. Das Gutachten sorgt für kritische Stimmen, die vor allem die Kürze der Zeit der Prüfung bemängeln.
Wie nachhaltig die Katastrophe von Fukushima die Italiener erschreckt hat, ließ sich am Wochenende in Sardinien erleben. Dort hat die Bevölkerung in einem Referendum Kernkraftwerke und Atommüll-Endlager auf der Insel eindrucksvoll abgelehnt.
Die von der Bundesregierung eingesetzte Ethikkommission zur Energieversorgung schlägt Medienberichten zufolge einen vollständigen Ausstieg aus der Kernenergie in Deutschland bis spätestens 2021 vor.
Deutschlandradio · Aktuell · 11.5.2011
Deutliche Spuren der Atombefürworter will Bärbel Höhn von Bündnis 90 / Die Grünen im Entwurf der Ethikkommission zur Atompolitik erkennen. Eine Klausel wie die Möglichkeit, abgeschaltete Atommeiler bei Energieengpässen wieder hochzufahren, könne am Ende alles zunichte machen.
Wir brauchen ordentliche, faire, glaubwürdige, breit angelegte Stresstests, betont Herbert Reul, Vorsitzender des Ausschusses für Industrie, Forschung und Energie des Europäischen Parlaments. Verabredungen müssten europaweit einheitlich gelten. Wichtig sei auch, die Bürger über die Konsequenzen aus dem Atomausstieg zu informieren.
Der Befragungsmarathon prominenter Experten in Berlin bildet eine wichtige Zwischenetappe der Arbeit der Energie-Ethikkommission der Bundesregierung. Der "Rat der Weisen" will am 28. Mai seinen Abschlussbericht vorlegen.
Deutschlandradio · Aktuell · 28.4.2011
17 Experten befragen 28 weitere Experten. 17 Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Gesellschaft und Politik. 28 Fachleute aus den Bereichen Wirtschaft und Soziales, Wissenschaft und Technik, Gesellschaft sowie Zivilgesellschaft. Die 17 Persönlichkeiten gehören zur Ethikkommission Sichere Energieversorgung, die die Bundesregierung eingesetzt hat, um herauszufinden, wie ein Energiemix in Deutschland aussehen kann, der von der gesamten Gesellschaft getragen wird.
Der Präsident der Gesellschaft für Energiewissenschaft und Energiepolitik, Georg Erdmann, könnte sich vorstellen, die Endlagerung deutschen Atommülls in atomar verseuchten Gebieten, wie zum Beispiel in Fukushima, vorzunehmen.
Vor 25 Jahren kam es im Kernkraftwerk Tschernobyl zum Super-GAU. Eine Notfallübung hatte zur Kernschmelze, Explosion und einem tagelangen Brand des Reaktorblocks Nummer 4 geführt. Radioaktives Material wurde in die Atmosphäre geschleudert.
Novosybkov liegt im Grenzgebiet zu Weißrussland und der Ukraine. Nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl wurde hier besonders viel radioaktiver Niederschlag registriert. Ein Jahr nach dem Super-GAU entstand hier ein Schilddrüsenzentrum.
Im zerstörten Reaktorblock von Tschernobyl befinde sich weniger Kernbrennstoff als offiziell angegeben, sagt Sebastian Pflugbeil von der Gesellschaft für Strahlenschutz. Die Zahlen würden übertrieben, um Geld für einen zweiten Sarkophag zu bekommen.
Andrej Kurkow bedauert, dass es in der Ukraine 25 Jahre nach dem Atomunglück von Tschernobyl keine gesellschaftliche Debatte über die Nutzung der Kernkraft gibt. Die 46 Millionen Ukrainer versuchen, "Tschernobyl zu vergessen und nicht viel darüber zu sprechen".
Eigentlich ist das Leben in der Sperrzone um das havarierte AKW Tschernobyl verboten. Doch viele Menschen sind in ihre alten Häuser zurückgekehrt. Von den Gefahren durch Verstrahlung wollen sie nichts wissen. Derweil entdeckt der Tourismus den Atomkick.
Swetlana Alexijewitsch hat ein Buch über den Reaktorunfall von Tschernobyl geschrieben. Angesichts von Fukushima sagt die Autorin heute: Die Menschheit hat nichts gelernt - und kann die Atomtechnologie nicht beherrschen.
Nach der Atomkatastrophe in Tschernobyl hielt die damalige schwarz-gelbe Bundesregierung an der Atomkraft fest. Klaus Töpfer, ehemaliger Bundesumweltminister, bewertet die jetzige Kehrtwende nicht als "kopflos", sondern als Chance durch die erneuerbaren Energien.
Cattenom ist ein Örtchen an der deutsch-französischen Grenze. Seit 1986 produziert dort ein Kernkraftwerk Strom und soll es noch 40 Jahren am Netz bleiben. Gegen die Laufzeitverlängerung gibt es heftige Proteste von beiden Seiten der Grenze.
Seit mehreren Jahren bearbeiten fünf bis acht einsame Männer im Blaumann mit Hammer, Meißel und anderem kleinen Gerät mitten in der Steppe eine fast übermächtige Betonruine. Sie reißen ein marodes Atomkraftwerk nahe Stendal ab.
Die deutschen Atomkraftwerke sollten ein Erdbeben bis Stufe sieben überstehen, sagt der Aachener Professor für Neotektonik und Georisiken, Klaus Reicherter. Fraglich sei aber, ob die sogenannten "Lifelines" der AKW ein schweres Beben aushalten.
Das Bundesamt für Strahlenschutz hat im Forschungsendlager Asse eine Konzentration des radioaktiven Stoffes Cäsium von 240.000 Becquerel pro Liter gemessen - 24 Mal höher als erlaubt. Noch kein Grund zur Beunruhigung, sagt Dagmar Röhrlich.
Für den rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck (SPD) relativieren sich die hohen Kosten des Atomausstiegs: Kernenergie sei angesichts der Aufwendungen für die Endlagerung von Atommüll ein Zuschussgeschäft. Insofern könnten erneuerbare Energien zur Kostendämpfung beitragen.
Überall wird in diesen Tagen davon geredet, die Lehren aus der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima zu ziehen. Nicht so in Finnland. Die Finnen sind trotz aller Probleme ein atomfreundliches Land. Ein AKW-Neubau in Olkiluoto ist zur Zeit im Gang.
Das in der ehemaligen DDR befindliche Kernkraftwerk Lubmin wurde 1995 endgültig stillgelegt. Auf dem Gelände haben Besucher Gelegenheit, einen fertiggestellten, aber nie mit Brennelementen beladenen Reaktorblock zu besichtigen.
Harrisburg und Tschernobyl - vor allem diese beiden Ortsnamen waren bisher als Schauplätze von schweren Unfällen und Katastrophen im Zusammenhang mit der Atomenergie bekannt. Doch vollständig ist die Liste damit bei Weitem nicht.
Als die Meldung vom Atom-Moratorium die Runde machte, da wurde der Eindruck vermittelt, die abgeschalteten Atommeiler seien jetzt erst in diesen Zustand geschickt worden. Der Eindruck ist falsch, so manche Frage auch weiterhin offen.
Japan hat den Störfall im Atomkraftwerk Fukushima auf die höchste Gefahrenstufe Sieben heraufgesetzt. Das AKW hat demnach amtlich dem größten anzunehmenden Unfall, einem GAU, nicht standgehalten.
In der Schweiz stammen 40 Prozent des Stroms aus den fünf Atomkraftwerken des Landes. Nach der Fukushima-Katastrophe hat ein Umdenken eingesetzt: Der Bau neuer Kernkraftwerke wurde erst einmal auf Eis gelegt.
Europäische Sicherheitskriterien, Stresstests für EU-Atomkraftwerke und ein Moratorium für den Neubau von AKW - das sind einige der Konsequenzen aus Fukushima, die die Abgeordneten des Europäischen Parlamentes heute fraktionsübergreifend von den Regierungen fordern werden.
Die Tschernobyl-Expertin der Ärzteorganisation IPPNW, Angelika Claußen, weist auf die Langzeitfolgen der radioaktiven Strahlung nach dem Atomunfall von Tschernobyl 1986 hin. "Es treten auch vermehrt Nicht-Krebserkrankungen auf und das ist eben das Neue", sagte Claußen.
Hubert Weiger begrüßt zwar die Bildung der Ethikkommission zur Atomenergie - beklagt aber, dass kein Umweltverband eingeladen wurde. Dabei verfolgten die Anti-Atom-Organisationen - im Gegensatz zu den AKW-Betreibern - keinerlei ökonomische Interessen.
Das auf drei Monate begrenzte AKW-Moratorium sei ein "mehr als fragwürdiger Schritt", der "im Kontext von Wahlkämpfen" zu sehen sei, sagt Utz Classen, Ex-Vorstandschef der Energie Baden-Württemberg AG (ENBW).
Die erstmals tagende Ethik-Kommission zur Atomenergie habe einen klaren Auftrag, so der evangelische Landesbischof in Baden Ulrich Fischer. Es ginge um ethische Diskurse aus verschiedenen Blickwinkeln. Sie könne eine Gesetzgebung nicht ersetzen.
Der Energiekonzern RWE klagt gegen die Stilllegung des Atomkraftwerks Biblis A. "Es ist eine Illusion zu glauben, wir könnten jetzt die Kernkraftwerke innerhalb von drei, vier Jahren abschalten", sagt der Vorstandsvorsitzende Jürgen Großmann.
Risikowahrscheinlichkeit kann man berechnen, indem man immer mehr Worst-Case-Szenarien annimmt. Ein solch starkes Erdbeben wie in Japan zählte wohl beim Bau des AKW in Fukushima nicht zu den Annahmen, schätzt Wissenschaftler Peter Wiedemann.
Australien hat keine eigenen Atomkraftwerke verfügt aber über rund 40 Prozent der leicht förderbaren Uranreserven der Welt. Der Export schien bis zur Katastrophe iin Japan eine sehr sichere Einnahmequelle zu sein.
Das Gericht könnte RWE recht geben mit seiner Klage gegen den Produktionsstopp im Atomkraftwerk Biblis A. Denn das Moratorium der Bundesregierung für den Betrieb der sieben ältesten Reaktoren war keine juristisch ausgefeilte Verwaltungsentscheidung mit Sofortvollzug.
Der Energieriese RWE will eine Klage gegen die vorübergehende Abschaltung des Meilers Biblis A einreichen. Sollte RWE Erfolg haben, könnten Schadensersatzforderungen drohen. Das Atom-Moratorium der Regierung stünde zudem infrage.
Hans-Christian Ströbele (Bündnis 90/Die Grünen) glaubt nicht daran, dass die Regierungskoalition die abgeschalteten Kernkraftwerke nicht wieder ans Netz nimmt. Den Kernkraftbefürwortern wirft er vor, mit Unwahrheiten über die Folge der Abschaltung von Atomkraftwerken gearbeitet zu haben.
Wer gehofft hatte, ab heute sei klar, was genau beim Stresstest der deutschen Atomkraftwerke überprüft wird, um auf eine Situation wie in Japan bestmöglich vorbereitet zu sein, wurde enttäuscht.
"Es gibt einfach zwei völlig verschiedene Realitäten in diesem Land", sagt der Filmemacher Werner Penzel über die Situation in Japan mit Hinblick auf die AKW-Katastrophe. Er und seine Frau haben in ihrem Haus auf der Insel Awajishima Flüchtlinge aufgenommen. Bei ihm könnten die Kinder draußen spielen.
Im Zentrum der Neubewertung der Atomkraft in Deutschland steht die Reaktorsicherheitskommission. Umweltminister Norbert Röttgen hat heute Einzelheiten zur Sicherheitsbewertung vorgestellt: Anforderungen für die Atomkraftwerke sollen nun auf den Prüfstand.
Um sich in Sachen Atomkraft zu beraten zu lassen, bemüht die Bundeskanzlerin verschiedene Expertenrunden und eine Ethik-Kommission. Der frühere Leiter der Abteilung Reaktorsicherheit im Bundesumweltministerium warnt vor einem Wegschieben politischer Verantwortung.
FDP-Generalsekretär Christian Lindner hat gefordert, die acht derzeit abgeschalteten Atomkraftwerke für immer vom Netz zu nehmen. Ein frühzeitiger Dialog mit den Kernkraftwerksbetreibern sei notwendig, findet auch Klaus Breil, energiepolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion.
Das Atom-Moratorium und die endgültige Abschaltung älterer Kernkraftwerke seien zu unüberlegt entschieden worden, meint Christian von Boetticher. Es fehlten noch "grundlegende vernünftige Umstiegskonzepte".
Beim Rückbau eines Atomkraftwerks werden allen Bauteile auf radioaktive Kontaminierung geprüft. Sind sie unbelastet, "spricht eigentlich nichts dagegen, das Material sinnhaft auch wieder einzusetzen", sagt Rudolf Printz vom Forschungszentrum Jülich.
Beunruhigende Nachrichten aus dem Kernkraftwerk Fukushima reißen nicht ab. In den Blöcken 1 bis 3 wurde stark kontaminiertes Wasser entdeckt. In Block 2 wurden am Wochenende zudem Radioaktivitätswerte von über einem Sievert pro Stunde gemessen.
Die Kirchen in Württemberg sind Vorreiter bei der Nutzung alternativer Energien. 70 Prozent der Gemeinden nutzen atomkraftfreien Strom. Die Atomkraft dagegen sei eine maßlose Technologie, sagt Hans-Hermann-Böhm.
Klaus Töpfer, Vorsitzender der neuen „Ethik-Kommission für sichere Energieversorgung“ sieht die Laufzeitverlängerung für alte Atomkraftwerke im Zusammenhang mit der Fukushima-Katastrophe als Fehler an. Eine Überprüfung sei jetzt wichtig.
Der Leiter der Forschungsstelle Umweltpolitik der FU Berlin, Lutz Mez, hält einen Ausstieg aus der Kernenergie in Deutschland innerhalb von fünf bis acht Jahren für möglich. Gas sei tatsächlich die Brückentechnologie, die man als solche bezeichnen könne.
Nach dem plötzlichen Abschalten der ältesten Meiler – darunter auch Isar 1 in Niederbayern - fällt eine Menge radioaktiver Müll an. Der Touristenort Thurmansbang kämpft dagegen an, eine Endlagerstätte für Atommüll zu werden.
Justus Haucap wirft der Bundesregierung in der Atomdebatte einen Schlingerkurs vor. Im Dreimonatsrhythmus die Politik zu wechseln sei "nicht gerade förderlich für Investitionsvorhaben" von Kraftwerkbetreibern.
Die Atomkraft soll der Windenergie den Weg bahnen. So der Plan der Bundesregierung. Doch ob der parallele Betrieb beider die Sicherheit von Kernkraftwerken gefährden könnte, ist noch nicht vollständig geklärt.
Vor zwei Jahren erst machte Spaniens Regierungschef Zapatero schlechte Presse: Für eines der ältesten Kraftwerke Spaniens verlängerte er die Laufzeit. Das AKW ist vom gleichen Typ wie das Katastrophen-AKW in Fukushima.
Da war sie wieder, die "German Angst" - jene ich-bezogene Haltung, mit der sämtliche Katastrophen auf Deutschland hochgerechnet werden. Und mit der man sich so wunderbar vor eindeutigen Entscheidungen drücken kann.
Deutschlandradio Kultur · Politisches Feuilleton · 23.3.2011
Neben der erneuten Sicherheitsüberprüfung deutscher Kernkraftwerke hält Rainer Brüderle (FDP) ein konzertiertes europäisches Vorgehen für wichtig - damit hinter unseren Grenzen nicht andere Sicherheitsmaßstäbe gelten.
Alle 17 deutschen Atomkraftwerke werden noch einmal überprüft. Eine klare Ansage, sollte man meinen. Doch nach welchen Kriterien die AKWs geprüft werden, ist strittig.
Die Stromversorgung der Reaktorblöcke in Fukushima I sei relativ stabil und der Super-GAU offenbar vorerst verhindert worden, resümiert Hans-Josef Allelein. Als "wirkliche Helden" bezeichnet der Professor für Reaktorsicherheit und -technik die freiwilligen Helfer.
In der Debatte um die Zukunft der Atomkraft hat sich Unionsfraktionsvize Fuchs gegen einen Ausstieg ausgesprochen. Strom müsse für die Bürger bezahlbar bleiben, sagte der CDU-Politiker. Zudem ermögliche die Kernkraft eine Minderung des Treibhausgases Kohlendioxid.
250 Tonnen Reaktorbrennstoff lagern im Abklingbecken des Blocks 4 im AKW-Fukushima. Im Abklingbecken des Blocks 3 befinden sich weitere 90 Tonnen. Die jetzt produzierte Hitze kann Monate anhalten - bis hin zum GAU.
Die Internationale Atomenergiebehörde hat bekannt gegeben, wie viele Menschen direkt oder indirekt durch den Atomunfall in Fukushima 1 verletzt wurden. Es ist eine Chronik der ersten Opfer.
Es sei nicht machbar, den Großraum Tokio mit 35 Millionen Menschen zu evakuieren, schätzt Gerold Reichenbach, Vorsitzender des Deutschen Komitees Katastrophenvorsorge, den Fall der Fälle im japanischen Katastrophengebiet ein.
Seit der Katastrophe im Kernkraftwerk Fukushima melden die Anbieter von Strom aus regenerativen Energiequellen ein stark gestiegenes Interesse an ihren Produkten. Was ist beim Umstieg auf Ökostrom zu beachten?
Der französische Politiker und Mitglied des Komitees zur Ausarbeitung einer nationalen Energie-Forschungsstrategie, Serge Poignant, ist besorgt über Japan und will erneuerbare Energien fördern: Doch die Kernkraft sei, realistisch betrachtet, zurzeit nicht verzichtbar.
Die Ankündigung von Schwarz-Gelb, sieben deutsche Atomkraftwerke vorläufig zum Netz zu nehmen, mache deutlich, wie verzichtbar diese für die Stromversorgung in Deutschland seien - eine Stromlücke enstehe auch nicht durch die Abschaltung weiterer AKW, so Quaschning.
Seit 1983 gilt in Spanien ein Moratorium für neue Kernkraftwerke, neue Anlagen wurden seither nicht mehr gebaut. So sind von den rund 20 einstmals vorgesehenen AKW heute nur acht Anlagen in Betrieb. Zwei davon sind besonders umstritten.
Frankreich hängt am Tropf des Atomstroms. 75 bis 80 Prozent der Elektrizität stammen aus Kernkraftwerken. Neunzehn Atomanlagen mit 58 Reaktoren machen das Land zur weltweiten Nummer zwei hinter den USA.
Sollte man die Kernkraft als Lösung für die Zukunft begreifen, seien "4000 neue Kernkraftwerke" nötig, um den weltweiten Energiebedarf zu decken, sagt der Exekutivdirektor des UN-Umweltprogramms (UNEP), Achim Steiner.
Keines der in Betrieb befindlichen deutschen Atomkraftwerke erfülle die in Deutschland existierenden Sicherheitsanforderungen, sagt der Rechtswissenschaftler Alexander Roßnagel. Atomkraftwerke würden nur genehmigt, wenn die Auswirkungen einer möglichen Kernschmelze "nicht über den Zaun des Reaktorbetriebsgeländes hinausgehen".
Wenn es um die Strahlenbelastung geht, die nach der Beschädigung der Atomkraftwerke in Japan zu verzeichnen ist, dann wird diese in Sievert angegeben. Was bedeuten die aktuellen Zahlen für die Gesundheit der Menschen, die ihr ausgesetzt sind.
Der Leiter des Münchner Otto-Hug-Strahleninstitutes, Edmund Lengfelder, fordert von der deutschen Politik eine bessere und vertrauenswürdigere Information über den Einsatz von Notfallplänen nach einem Atomunfall.
Die Europäische Atomgemeinschaft, kurz EUROTOM, entstand 1957 und formuliert bis heute Standards für die Nutzung von Kernenergie. Mit Blick auf die Krise in Japan stellt sich aktuell die Frage, welche Kompetenzen die Organisation in Bezug auf die europäische Atompolitik wirklich hat.
Das bayerische Kernkraftwerk Isar 1 wurde 1979 fertiggestellt - und wird dem heutigen Moratoriumsbeschluss der Regierung zufolge in Kürze vom Netz genommen werden müssen. Ein Rückblick auf eines der ältesten AKW Deutschlands.
Es sei lediglich eine Frage der Zeit gewesen, wann aus der Kernenergie ausgestiegen werden könne, sagt Christian Lindner: "Das Ziel sind die erneuerbaren Energien."
Der CDU-Europaabgeordnete Karl-Heinz Florenz geht davon aus, dass nach dem dreimonatigen Aussetzen der Laufzeitverlängerung drei bis vier Kernkraftwerke in Deutschland abgeschaltet sein werden.
Deutschlandradio Kultur · Interview · 15.3.2011
Das Deutsche Atomforum als Repräsentant der Nuklearwirtschaft wird sich dem Votum der Politik beugen - auch wenn es sicherheitsbedingt zu dauerhaften Abschaltungen von AKW kommen sollte, sagt Präsident Ralf Güldner.
Nach einer erneuten Explosion im Kernkraftwerk Fukushima 1 ist möglicherweise der Reaktorbehälter 2 beschädigt worden. Japans Premier Naoto Kan warnte die Bevölkerung, mahnte sie aber zur Ruhe. In Tokio wurde Strahlung nachgewiesen.
Die regenerativen Energieträger schneiden in der Risiko-Nutzen-Berechnung wesentlich besser als die Kernenergie ab, meint Risikoforscher Ortwin Renn. Daraus ergebe sich die Notwendigkeit, sie zum Hauptträger der Energieversorgung zu machen.
Auf die Informationspolitik des japanischen Atomministers sollte man sich nach Ansicht des Strahlenbiologen Edmund Lengfelder nicht verlassen. Es sei der Versuch, die Bevölkerung ruhig zu halten, denn großräumige Evakuierungen seien aufgrund der dichten Besiedlung Japans schwierig.
In Finnland und Schweden hat der GAU im japanischen Atomkraftwerk Fukushima noch keine politischen Debatten ausgelöst. Beide Länder haben sich vor nicht allzu langer Zeit für den Behalt und Ausbau der Kernenergie ausgesprochen.
Der "Risikogesellschaft"-Autor und Soziologe Ulrich Beck sieht die Notwendigkeit, auch unvorstellbare Ereignisse, wie Flugzeugabstürze und Terroranschläge, in die Sicherheitsszenarien für Kernkraftwerke einzubeziehen.
Der Autor und Historiker Joachim Radkau sieht in der Atomenergiepolitik Japans ein "verrücktes Faktum", weil deren Risiken einfach verdrängt wurden. Dass Kernkraftwerke nicht zuverlässig gegen schwere Erdbeben gesichert werden können, hätten die Experten immer gewusst.
Polen betreibt keine Atomkraftwerke, deckt seinen Strombedarf stattdessen annähernd vollständig mit der Verbrennung von Kohle. Das soll sich nach dem Willen der Regierung Tusk ändern. Nachdem der Bau von Atomkraftwerken in den 80er-Jahren schon einmal scheiterte, wird nun wieder geplant.
Nach dem ersten Schock über die nuklearen Unfälle in Japan ist die deutsche Politik wieder zum Tagesgeschäft übergegangen: Gestritten wird über die deutsche Atomsicherheit und Laufzeitverlängerungen: Vizekanzler Westerwelle schlägt ein "Aussetzen" vor.
Harrisburg und Tschernobyl - vor allem diese beiden Ortsnamen waren bisher als Schauplätze von schweren Unfällen und Katastrophen im Zusammenhang mit der Atomenergie bekannt. Doch vollständig ist die Liste damit bei Weitem nicht.
Ehe es in Japan zu einer grundsätzlichen Debatte über die Kernenergie komme, müsse der GAU tatsächlich passieren. Das sagt Wilhelm Vosse, Professor für Politikwissenschaft an der International Christian University in Tokio. Das Land habe bei der Stromerzeugung einfach keine Alternativen.
Wenn die Regierung es ernst meine, dann müsste sie die Atomkraftwerke stilllegen, bis alle erforderlichen Nachrüstungen getätigt seien, meint Physiker Sebastian Pflugbeil, Präsident der Gesellschaft für Strahlenschutz.
Die atomare Bedrohung in Japan lässt auch in Europa die Frage nach der Sicherheit hiesiger Kernkraftwerke lauter werden. EU-Energie-Kommissar Günther Oettinger fordert eine ergebnisoffene Prüfung aller europäischen AKWs: Atomare Sicherheit kenne keine Landesgrenzen.
Deutschlandfunk · Interview · 14.3.2011
Der Bremer Umweltsenator Reinhard Loske (Bündnis 90/Die Grünen) hat der Bundesregierung fehlende Glaubwürdigkeit in der Atompolitik vorgeworfen. Die Bundesregierung wolle Beschwichtigungsgesten das Thema herunterspielen.
Als das schlimmste mögliche Szenario bezeichnet der Sprecher der Geschäftsführung des Öko-Instituts Michael Sailer eine Katastrophe wie in Tschernobyl. "Das ist technisch immer noch drin", so der Atomenergie-Experte.
Deutschlandradio Kultur · Interview · 14.3.2011
Nach dem Erdbeben in Japan ist weiter unklar, wie groß die Gefahr einer atomaren Katastrophe ist. In mehreren Reaktoren gibt es Probleme mit den Kühlsystemen.
Deutschlandradio · Aktuell · 13.3.2011
In Baden-Württemberg lässt Umweltministerin Gönner (CDU) ab heute die Notstromversorgung der AKW prüfen - zwei Wochen vor der Landtagswahl.
Es ist für den japanischen Ministerpräsidenten eine Gratwanderung zwischen transparenter Öffentlichkeitsarbeit und dem Beruhigen einer verängstigten Bevölkerung: Naoto Kan motiviert seine Landsleute - Japan werde die Krise überstehen.
Auch wenn das Trauma der Atombomben-Abwürfe auf Hiroshima und Nagasaki noch lange nachwirkt - Japan setzt in seiner Energieversorgung wie kaum ein anderes Land auf die Kernenergie.
Harrisburg und Tschernobyl - vor allem diese beiden Ortsnamen waren bisher als Schauplätze von schweren Unfällen und Katastrophen im Zusammenhang mit der Atomenergie bekannt. Doch vollständig ist die Liste damit bei Weitem nicht.
Bundeskanzlerin Merkel will die Sicherheit der deutschen Atomkraftwerke überprüfen lassen. Die Kernenergie sei aber weiter als Brückentechnologie verantwortbar, sagte sie. In Deutschland wurden Rufe nach einem Stopp der Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke laut.
Deutschlandradio · Aktuell · 12.3.2011
Die grüne Spitzenpolitikerin Renate Künast sieht durch die Katastrophe im japanischen AKW Fukushima die Laufzeitverlängerung der deutschen Atomkraftwerke abermals in Frage gestellt: Die schwarze-gelbe Koalition habe eine "falsche Entscheidung" getroffen.
Nach der Explosion im japanischen Atomkraftwerk Fukushima ist weiter unklar, ob es in dem Reaktor zu einer Kernschmelze gekommen ist. Der japanische Ministerpräsident Naoto Kann äußerte sich besorgt über die Lage. Von einer Kernschmelze sprach er jedoch nicht.
Nach dem schweren Erdbeben in Japan brennt das Atomkraftwerk Onagawa. Laut Vermutung von Sven Dokter, Pressesprecher der Gesellschaft für Reaktorsicherheit in Köln, könnte es zu "geringeren Freisetzungen von radioaktiven Stoffen kommen".
Das Kernkraftwerk Biblis in Südhessen ist seit weit über 30 Jahren am Netz. Obwohl sein Zustand nicht besonders gut ist, sollen auch diese beiden Blöcke weiter laufen. Die umliegende Bevölkerung hat Angst - und klagt.
"Wir können auf 100 Prozent erneuerbare Energien umstellen", sagt der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Rainer Baake. Voraussetzung sei, die Weichen richtig zu stellen. Eine Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken passe aber auf keinen Fall.
Eine genaue Schätzung der Kosten für die Sanierung der einsturzgefährdeten Atomanlage Asse ist schwierig, meint Susanne Schrammar. Die sichere Umverpackung der atomaren Abfälle und die erneute Zwischenlagerung ist ein weltweit bisher einmaliges Projekt.
Lorenz Caffier (CDU) ist nicht erfreut über die Einlagerung von Brennstäben im Zwischenlager Lubmin - und noch weniger über die Kosten des Polizeieinsatzes um den Castor zu schützen. Gerüchte über eine Wegtrage-Gebühr von Blockierern seien ihm neu.
Ministerpräsident David McAllister (CDU) hat die besondere Verantwortung Niedersachsens bei der Atommüll-Endlagerung betont. Bei der Asse sieht er den "Beginn eines Diskussionsprozesses". Für Gorleben will er ein ergebnisoffenes und "transparentes Verfahren" unter Einbeziehung der Betroffenen.
Am Donnerstagabend machten NDR-Reporter bekannt, dass rund um das marode niedersächsische Atommüll-Endlager Asse die Blutkrebsraten bei Männern mehr als doppelt so hoch ausfallen als sonst in Niedersachsen und dass sich das Auftreten von Schilddrüsenkrebs bei Frauen seit 2002 verdreifacht habe.
Soweit Bundespräsident Christian Wulff das Gesetz zur Verlängerung der AKW-Laufzeiten unterzeichnet, kann es Anfang 2011 in Kraft treten. Denn im Bundesrat fand sich in der heutigen Sitzung keine Mehrheit, um den Vermittlungsausschuss anzurufen.
Der Vorsitzende des Bundes der Energieverbraucher, Aribert Peters, hat angesichts der steigenden Strompreise einen Anbieterwechsel empfohlen. Die Verbraucher seien bereit, für erneuerbare Energien zu zahlen - aber "nicht mehr als unbedingt notwendig".
Die Suche nach einem atomaren Endlager: Die Schweiz favorisiert aufgrund der Gesteinsstruktur einen Standort an der Grenze zu Baden-Württemberg. Das "Ländle" hingegen sieht das auf der deutschen Seite ganz anders. Aus Sicht von Umweltschützern ist dies ein unhaltbarer Widerspruch.
Bei der Suche nach einem geeigneten Endlager für den Atommüll glaubt der Geologe und Geschäftsführer der Beratungsgesellschaft Intac, Jürgen Kreusch, nicht mehr an Gorleben. Besonders ausschlaggebend sei, dass es keine Bürgerbeteiligung gegeben habe.
Nach Ansicht des Greenpeace-Atomexperten Tobias Münchmeyer ist Deutschland und nicht Russland für den Atommüll aus der Kernforschungsanlage Rossendorf verantwortlich, der nach dem Willen der Bundesregierung nach Majak in Russland gebracht werden soll.
Mit welcher Methodik werden die Kosten ermittelt, die durch die Blockaden und Demonstrationen anfallen? Statistikerin Katharina Schüller gibt Auskunft.
Die Atomkraftgegner haben in den vergangenen Tagen mit Sitzprotesten und Gleisblockaden Ausdauer gezeigt: Die Castorüberführung nach Gorleben dauerte länger als alle derartigen Transporte zuvor. Nun setzt sich die Debatte um ein mögliches Endlager Gorleben fort.
Zwar habe bei der Frage der Endlagerung von radioaktivem Materiel "Salzgestein schon sehr viele Vorteile gegenüber Ton und Granitgestein". Die FDP-Politikerin Angelika Brunkhorst versicherte jedoch, dass Gorleben kein Endlagerstandort werde, sollten Zweifel an der Eignung des Salzstocks zu Tage treten.
Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" plant die Bundesregierung, 951 bestrahlte Brennelemente nach Russland zu schicken, die dort auch endgelagert werden sollen. Dies sei "völlig unverantwortlich", sagt Rainer Baake, Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe.
In der Debatte um ein atomares Endlager hat der Fraktionvorsitzende der Grünen im Bundestag, Jürgen Trittin, Umweltminister Norbert Röttgen der Lüge bezichtigt. Röttgen gebe vor, das Zwischenlager in Gorleben ergebnisoffen zu prüfen. Davon könne aber keine Rede sein.
Polizisten, die selbst gern demonstrieren würden, strahlende Container, eine Regierung, die offenbar vorhat "ihr" Endlager durchzusetzen: "Feuchtgebiete"-Autorin Charlotte Roche spart nicht mit Vorwürfen und hat die Demonstrantin in sich entdeckt.
Entlang der Strecke des Castor-Transports nach Gorleben hat es weitere Blockade-Aktionen gegeben. Im Wendland, wo der Zug mit dem Atommüll im Laufe des Tages erwartet wird, ging die Polizei mit Reizgas und Schlagstöcken gegen Demonstranten vor.
Im Sommer hat Schweden eine Wende in der Atompolitik eingeleitet und sich von dem Ausstieg aus der Atomenergie wieder verabschiedet. Grundsätzlich ist der Bau neuer Meiler wieder erlaubt. Voraussetzung ist, dass dafür ein älteres Atomkraftwerk vom Netz geht.
Noch besitzt Polen kein Kernkraftwerk, die Weichen für Atomstrom sind aber bereits gesellt. Im Jahr 2022 soll das erste Atomkraftwerk ans Netz gehen. Die Frage, wo der radioaktive Abfall gelagert werden soll, wird dabei ausgeblendet.
In den elf Castorbehältern, die jetzt nach Gorleben kommen, ist nicht zwangsläufig deutscher Atommüll. In La Hague werden auch Brennelemente aus Japan, Italien, Belgien und der Schweiz verarbeitet - und die enthalten mehr Plutonium als deutsche Elemente.
Morgen wird das umstrittene Energiekonzept der Bundesregierung verabschiedet. Es soll den Weg ins Zeitalter der erneuerbaren Energien ebnen. Heute gab es letzte Appelle - und die waren nicht nur gegen längere Atomlaufzeiten gerichtet.
Nicht nur die Laufzeitverlängerung für Atommeiler stößt Umweltverbänden beim Energiekonzept der Bundesregierung bitter auf. Sie warnen auch, dass die Sicherheitsanforderungen für Kernkraftwerke im neuen Atomgesetz gefährlich aufgeweicht würden.
Arbeitsplätze, Gewerbesteuer: Am Atomkraftwerkstandort Neckarwestheim kann man mit einer Laufzeitverlängerung gut leben, ein neues Zwischenlager will der Ort aber nicht.
Das Bundeskabinett hat heute das umstrittene Energiekonzept mit längeren Atomlaufzeiten verabschiedet. Die Meiler sollen im Schnitt zwölf Jahre länger am Netz bleiben. Die Opposition hat erneut Widerstand angekündigt.
Niedersachsen hat grünes Licht für die Wiederaufnahme der wissenschaftlichen Erkundung in Gorleben gegeben. Es soll geklärt werden, ob der Salzstock sich als Endlager für radioaktiven Abfall eignet. Opposition und Atomkraftgegner laufen Sturm und kündigen Proteste an.
Europas Atomland Nummer eins geht mit schlechtem Beispiel voran: Frankreich entsorgt einen Teil seines strahlenden Mülls einfach im Meer. Über ein viereinhalb Kilometer langes Rohr bei der Wiederaufbereitungsanlage in La Hague.
Die Regierung Berlusconi treibt den Bau von neuen Kernkraftwerken voran. Ungeklärt ist bislang jedoch die Frage des Standorts - und auch ein Atomendlager ist nicht in Sicht.
Das Energiekonzept der Bundesregierung reduziert den Wettbewerb, bemängelt Hermann Albers, Präsident des Bundesverbandes WindEnergie. Die vier großen Energiekonzerne werden gestützt, obwohl schon in etwa zehn Jahren jede zweite Kilowattstunde Strom aus erneuerbaren Energien kommen könnte.
Wer vor 30 Jahren nach Brokdorf zog, um sich im Strahl der Wasserwerfer waschen zu lassen, hatte Robert Jungks Buch "Der Atomstaat" in der Tasche. Und auch heute noch lohnt sich ein Blick in diesen Klassiker der politischen Literatur.
Nach zehnjähriger Pause soll der Salzstock Gorleben ab Anfang Oktober weiter erkundet werden. Die Frage ist nach wie vor, ob er sich als Endlager für Atommüll eignet. Der Geologe Klaus Duphorn warnt vor Gasvorkommen und möglicher Explosionsgefahr.
Gouverneur Arnold Schwarzenegger hat den Ausbau der erneuerbaren Energien rasant voran getrieben. Bis 2020 soll ein Drittel des Energieverbrauchs aus erneuerbaren Energien kommen.
Sie wollen die Berliner Innenstadt lahmlegen und rufen zu einer "Umzingelung des Regierungsviertels" auf: Am heutigen Samstag wird eine der größten Anti-Atom-Demonstrationen des Jahres erwartetet, mit bis zu 50.000 Teilnehmern. Sie soll der Auftakt für einen "heißen Herbst" der Kernkraftgegner sein
Deutschlandradio Kultur · Im Gespräch · 18.9.2010
Mehrere zehntausend Menschen haben im Berliner Regierungsviertel gegen die Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken demonstriert.
Einen Langzeitsicherheitsnachweis für die Endlagerung von Atommüll ist faktisch nicht zu bringen, sagt Mathias Edler von Greenpeace. Das tiefengeologische Verbuddeln radioaktiver Abfälle ist daher nur ein Versuch - im schlechtesten Fall auf Kosten der Bevölkerung.
Deutschlandradio Kultur · Thema · 15.9.2010
Durch die Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke wächst der Berg des radioaktiven Atommülls. Als Endlager ist seit 1977 der Salzstock von Gorleben im Gespräch - er wäre durchaus ein geeigneter Standort, meint Professor Klaus-Jürgen Röhlig vom Institut für Endlagerforschung in Clausthal.
Für die Vorsitzende der Bundestagsfraktion der Grünen, Renate Künast, ist die Absprache der Regierung zur Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken eine "Knebelung für nachfolgende Regierungen".
Befürworter der atomaren Stromerzeugung sehen in dem Atomausstieg Deutschlands eine internationale Isolation. Weltweit gibt es eine Renaissance der Kernkraft. So sind rund um den Globus 441 Atomkraftwerke in Betrieb, 45 werden gebaut und 60 geplant.
Eine "ergebnisoffene" Eignungsprüfung des möglichen Atommüll-Endlagers Gorleben fordert der niedersächsische CDU-Fraktionschef Björn Thümler. Man sollte "weitere Standorte in Erwägung" ziehen.
Die Verlängerung der AKW-Laufzeiten lässt es sinnvoll erscheinen, wenn einige Anlagen technisch nachgerüstet würden. Ob dies auch tatsächlich passiert, ist eine andere Frage.
Jahrtausende sollte es die giftige Fracht sicher bergen. Doch schon nach 40 Jahren ist das ehemalige Salzbergwerk Asse bei Wolfenbüttel reif für die Räumung: Wasser ist in die Lagerkammern eingedrungen, die entstandene Lauge ist radioaktiv verseucht.
Dank umfangreicher Subventionen ist Atomstrom in der Produktion unübertroffen billig. Diese Geldquelle soll für die Betreiber länger sprudeln, so dass ältere Anlagen länger laufen sollen. An den normalen Stromverbraucher wird jedoch keine Preissenkung weitergegeben.
Die Frage sei, warum nur AKW-Betreiber mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Tisch säßen, wenn es um ein Energiekonzept fürs ganze Land gehe, sagt LobbyControl-Vorstandsmitglied Heidi Klein.
Der Ausstieg aus dem Atomausstieg scheint besiegelt. Doch was bedeuten die verlängerten Laufzeiten der AKWs für deren Sicherheit? Stefan Kurth vom Öko-Institut in Darmstadt gibt zu bedenken, dass die älteren Anlagen bereits über 30 Jahre alt sind.
Weltweit leiden Zigtausende Menschen unter den Folgen des Uranabbaus. In Deutschland weiß das kaum jemand. Hier streiten viele nur über Verlängerung von Laufzeiten für Atomkraftwerke, Atommüll und Brennelementsteuer.
Nachdem sich die schwarz-gelbe Regierung auf eine Verlängerung der Laufzeiten für Kernkraftwerke geeinigt hat, haben kommunale Energieversorger Angst um ihre Existenz. Sie gehen von 4,5 Milliarden Euro Schaden aus.
Eine knappe Mehrheit im Bundesrat geht davon aus, dass die Bundesregierung die Verlängerung der Atommeilerlaufzeiten gar nicht ohne die Länderkammer beschließen darf. Ein Fall für das Bundesverfassungsgericht.
Sicher und kostengünstig: Wolfgang Böhmer befürwortet den Beschluss, Atomkraftwerke länger am Netz zu lassen. Durch die Laufzeitverlängerung baut er auf Investitionen in die Stromnetze seines Bundeslandes.
Sollte der Bundesrat bei der Laufzeitverlängerung nicht einbezogen werden, wollen mehrere Bundesländer vor dem Bundesverfassungsgericht klagen. Die Opposition sieht den Atomkompromiss als "Mogelpackung".
Längere Atomlaufzeiten laufen auf mehr Risiko und mehr Atommüll, auf weniger Wettbewerb und eine Zementierung der Verhältnisse auf dem Strommarkt hinaus, kommentiert Theo Geers.
Der FDP-Politiker Rainer Brüderle verteidigt die Einigung der Koalition über verlängerte Laufzeiten. Er sieht in der Kernkraft eine Brückentechnologie auf dem Weg ins Zeitalter der regenerativen Energien.
Die Bundesregierung will im Herbst 2010 ein neues Gesamtkonzept zur Energiepolitik vorstellen. Schon jetzt streiten sich Vertreter aller Parteien, auch innerhalb der Regierungsfraktionen, um die künftige Nutzung der Kernenergie.
Der Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer (Bündnis 90/Die Grünen) findet es falsch, den gesellschaftlichen Konflikt um die Atomkraft wieder aufzubrechen. Das Mitglied des Umweltausschusses sieht - trotz vieler Ankündigungen - auch weltweit keine Renaissance der Atomkraft.
FDP-Generalsekretär Christian Lindner hat den Atomkompromiss gegen Kritik aus der Opposition verteidigt. Über 50 Prozent der Zusatzgewinne der Energiekonzerne würden abgeschöpft.
Bei der Erzeugung von Atomkraft ist Frankreich in Europa der Champion. Ebenso federführend möchte das Land bei der Entsorgung des radioaktiven Mülls sein. Das erklärte Ziel der französischen Politik: für sämtliche radioaktive Abfälle eine sichere Endlagerung zu entwickeln.
Vor zehn Jahren hat die damalige rot-grüne Bundesregierung für den Ausstieg aus der Atomenergie gestimmt. Dieser Entschluss steht nun in der schwarz-gelben Regierung zur Debatte. Dabei herrscht Uneinigkeit in der Koalition.
Die Argumente pro und kontra zur Atomkraft sind ausgetauscht, die jeweiligen Verfechter drehen sich in diesem Zusammenhang die Ergebnisse des Energiegutachtens passend - und vergleichen dabei Äpfel mit Birnen.
Die Energie-Wirtschaft steht am Scheideweg, erneuerbare Energien stehen gegen Atomkraft. Der Boom der Windräder droht zu enden, wenn längere Laufzeiten für Kernkraftwerke beschlossen werden.
Die Ergebnisse des Untersuchungsausschusses Gorleben könnten das Vorhaben von CDU und FDP ins Wanken bringen, den Erkundungsstopp für Gorleben aufzuheben. Denn es gibt Hinweise, dass die frühere Entscheidung für Gorleben als mögliches Atommüllendlager manipuliert war.
Die Debatte um eine Verlängerung der Laufzeit von Atomkraftwerken geht weiter. Doch ist dem Weltklima der sehr geringe CO2-Ausstoß der Kernkraft wirklich nützlich?
Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) will das Atommülllager Asse II räumen. 126.000 Fässer mit radioaktivem Abfall sollen in nur zehn Jahren an die Oberfläche geholt werden - ein Mammutprojekt ohne Vorbild.
Strom aus Atom liegt im Trend, weltweit. Mehr als 50 Länder wollen derzeit neu in die Technologie einsteigen, darunter auch Entwicklungsländer wie Vietnam oder politisch instabile Staaten wie der Sudan oder Nigeria.
Die Energieversorgung der Welt befindet sich in einer Übergangsphase. Industriestaaten wie Deutschland und Großbritannien müssen ihren Kraftwerkspark modernisieren, Länder wie Indien oder China überhaupt erst einmal einen aufbauen: Wie kann das klimaverträglich geschehen?
Plutonium ist der Traum des Physikers, aber der Albtraum des Ingenieurs, heißt es. Plutonium, Rohstoff der Nagasaki-Bombe, gilt als eines der wirksamsten Gifte der Welt, seine Halbwertzeit beträgt 24.000 Jahre. Heute lagert es zu Hunderten Tonnen in vielen Staaten der Erde, unter anderem in russischen und US-amerikanischen Nuklearsprengköpfen.
Strom aus Atom liegt im Trend, weltweit. Mehr als 50 Länder wollen derzeit neu in die Technologie einsteigen, darunter auch Entwicklungsländer wie Vietnam oder politisch instabile Staaten wie der Sudan oder Nigeria. Das einzige Atomkraftwerk Afrikas steht in Südafrika. Das Land am Kap entwickelt einen neuen Reaktor, mit dem es Atomstrom in alle Welt bringen will.
Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) will das Atommülllager Asse II räumen. 126.000 Fässer mit radioaktivem Abfall sollen in nur zehn Jahren an die Oberfläche geholt werden - ein Mammutprojekt ohne Vorbild.
Die Energieversorgung der Welt befindet sich in einer Übergangsphase. Industriestaaten wie Deutschland und Großbritannien müssen ihren Kraftwerkspark modernisieren, Länder wie Indien oder China überhaupt erst einmal einen aufbauen: Wie kann das klimaverträglich geschehen? Wissenschaft im Brennpunkt fragt nach.
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