Um Windenergie von der Küste ins Binnenland zu transportieren, müssen Stromleitungen in Richtung der südlichen Ballungszentren gelegt werden. Jetzt wird gestritten, ob die Kabel ober- und unterirdisch verlegt werden.
Wer trägt den Löwenanteil der Kosten für die Energiewende? Es sind Privathaushalte, Kleinunternehmer und mittelständische Firmen, urteilt die Umweltorganisation Greenpeace.
Der Geschäftsführer des Bundesverbands Erneuerbare Energie, Harald Uphoff, fordert eine Umorganisation des Strommarktes, um mehr Energie aus Solar- oder Windkraft zu integrieren. Es müsse mehr Anreize geben, diese bedarfsgerecht zu produzieren.
Die staatliche Förderung der Solarenergie sei in den vergangenen drei Jahren bereits halbiert worden, betont Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer beim Bundesverband Solarwirtschaft. Weitere Einschnitte, wie sie die Bundesregierung jetzt plane, seien nicht mehr verkraftbar.
Der Aufbau leistungsfähiger Offshore-Windparks kommt nur langsam voran, trotz gestiegener Vergütungssätze im Erneuerbare-Energien-Gesetz, trotz milliardenschwerer Anschubhilfen durch die KfW. Der Netzanschluss verzögere sich, lautet eine Klage. Doch es gibt auch noch andere Bremsklötze.
Trotz klirrender Kälte sind Deutschlands Stromnetze auch nach diversen AKW-Stilllegungen stabil. Deutschland exportiert sogar Strom: Das schöne Wetter und die vielen neuen Solaranlagen machen es möglich. Doch der Streit um die richtige Förderungsform der Sonnenenergie dauert an.
Durch das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) hat die Windenergie mächtig Aufwind bekommen. Die Zahl der Neuinstallationen von Windanlagen ist erstmals seit zehn Jahren wieder gestiegen und die Leistungfähigkeit dieser hat sich zudem deutlich verbessert.
Dass sich im Voralpenland in naher Zukunft Windräder drehen sollen, ist zahlreichen Bürgerinitiativen ein Dorn im Auge. Die oberbayerischen Windkraftgegner haben sich jetzt zusammengeschlossen, um eine Aufklärungs- und Protestoffensive zu starten.
Nach Ansicht des Hauptgeschäftsführers des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU), Hans-Joachim Reck, müsse die Energiewende "politisch flankiert und begleitet werden". Er kritisiert die Vielfalt der institutionellen Zuständigkeiten.
In der Nord- und Ostsee entstehen immer mehr Windkraftanlagen. Für die Wartung werden Spezialisten benötigt, die zumindest eins nicht sein dürfen: seekrank. Hart im Nehmen müssen auch die Arbeiter sein, die auf den Ölplattformen in der Nordsee arbeiten.
Anstatt auf ein brauchbares globales Abkommen zum Klimaschutz zu warten, fangen einige Umweltbewusste lieber bei sich vor der Haustür an, die Welt zu verändern. So wie auf der dänischen Insel Samsö. Dort wird der gesamte Energieverbrauch aus regenerativen Energien gewonnen.
Der Ökonom und "Berufsvisionär" Jeremy Rifkin formuliert in seinem neuen Buch eine Blaupause für den Umbau zu einer Epoche ohne Atomstrom und ohne Kohle. Es geht darum, die erneuerbaren Energien mit der Technologie des Internets zu verbinden.
Als ein Vorbild für das Großprojekt Desertec, das verschiedene regenerative Quellen zur Stromproduktion nutzen will, gilt ein Solarthermie-Kraftwerk südlich von Kairo. Über Parabolspiegel wird dort Sonnenlicht eingefangen, mithilfe eines Wärmetauschverfahrens und Dampf erzeugt man Strom.
Rheinland-Pfalz will Windräder künftig verstärkt auf Bergkuppen in Wäldern aufstellen lassen. Bei den Umweltministern der anderen Bundesländer ist diese Idee umstritten, doch auch in Rheinland-Pfalz selbst wehren sich Umweltschützer und haben die Initiative "Sturm im Wald" gegründet.
Strom aus der Wüste für Afrika und Europa – das ist der Plan von Desertec, einem internationalen Wirtschafskonsortium. In Ägypten findet eine Konferenz statt, die sich mit den Chancen für das Projekt befasst. Dabei geht um Solarenergie, die Region bietet aber auch Standorte für Windkraft.
Für Energie aus Sonnen- und Windstrom, aber auch für Biogas gibt es nach Angaben des Bundesverbands Erneuerbare Energien immer bessere Speicher. Am Strommarkt jedoch bereitet die Integration des Ökostroms noch Probleme - ein Thema für die Jahreskonferenz Erneuerbare Energien in Berlin.
Um Anbauflächen für Biokraftstoffe zu gewinnen, werde Wald abgeholzt oder Grünland umgebrochen, kritisiert der EU-Parlamentarier Jo Leinen. Dies habe negative Auswirkungen auf den Klimaschutz. Leinen fordert, vermehrt Abfälle aus Forst und Landwirtschaft in Energie umzuwandeln.
Bereits bestehende Windparks lassen sich aufrüsten. Repowering lautet der Fachbegriff, bei dem ältere und kleinere Anlagen durch neue und oft höhere ersetzt werden. Allerdings kommt dabei die Frage auf: Wohin mit dem Altanlagen?
Seit Anfang der Woche findet in Kassel der Fachkongress für Solarenergie statt. Natürlich geht es in erste Linie um Sonnekraft und wie sie genutzt werden kann. Außerdem zeigen neue Entwicklungen, welche Potenziale in der Technik stecken und was in Zukunft möglich sein wird.
Agrotreibstoffe gelten als die Sprit-Alternative der Zukunft. Allerdings ist ihre Herstellung nicht so umwelt- und menschenfreundlich, wie allgemein angenommen. So ist die Produktion von Sojaöl für den Biosprit trotz Zertifizierungssiegels mehr als umstritten.
Für überschüssig produzierten Strom aus erneuerbaren Energien braucht man Speicher. Für wind- und sonnenarme Zeiten und Gegenden sozusagen. Norwegen bietet dafür ideale Voraussetzungen und wird bereits als "Super-Batterie" Europas gehandelt.
Der Aufstieg der Erneuerbaren Energien in Deutschland ist eine Erfolgsgeschichte, ihr Anteil an der Stromversorgung nähert sich mit Riesenschritten der 20 Prozent-Marke. Hohe Investitionen in diesem Bereich sind die Folge. Japan sucht nach der Katastrophe von Fukushima dringend nach neuen Energiequellen - und will jetzt auch auf diesen Weg setzen.
Die Bundesregierung fördert massiv Windräder vor den Küsten. Doch die bringen neue Umweltprobleme mit sich. Eines der großen Probleme ist der Schallschutz in der Bauzeit: Die Rammschläge sind extrem laut und für Schweinswale sogar lebensgefährlich.
Unabhängig von steigenden Ölpreisen und monopolistischen Stromriesen. Ein Traum für jeden Stromabnehmer. Eine Gemeinde in Oberbayern setzt auf ein Bürgermodell, um eigene Geothermie-Projekte zu fördern. Doch das Vorhaben läuft nur langsam an.
Sowohl Parabolrinnen- als auch Fresnel-Kollektoren fokussieren direkt einfallendes Sonnenlicht auf linienförmige Absorber, in denen eine Flüssigkeit erhitzt wird. Aber was wäre, wenn man stattdessen alle Strahlung an einem einzigen Punkt bündeln würde? Genau das ist das Prinzip von Solarturm-Kraftwerken.
Das im Bau befindliche 30-Megawatt-Kraftwerk Puerto Errado 2 beim andalusischen Städtchen Calasparra ist ein sogenanntes Fresnel-Kraftwerk. Jene Technologie setzt auf kostengünstige Spiegelstrukturen und solare Direktverdampfung.
Das 50-Megawatt-Kraftwerk Andasol-3 in der spanischen Hochebene von Guadix wird derzeit in Betrieb genommen. Im Oktober soll es ans Netz gehen. Gemeinsam mit den baugleichen Kraftwerken Andasol-1 und Andasol-2 wäre der Komplex dann das derzeit weltweit größte Solarthermiekraftwerk.
Um Alternativen zur Kernenergie zu haben, will die Bundesregierung vor allem die erneuerbaren Energieträger weiter ausbauen. Allen voran die Windenergie. Für die Branche ist das ein zusätzlicher Garant für gefüllte Auftragsbücher.
Die bevorstehende Neufassung des Erneuerbaren Energien Gesetzes sieht vor, dass Fotovoltaik-Anlagen in bestimmten Naturschutzgebieten nicht mehr vergütet werden sollen. Umweltschützer kritisieren dies: etwa in der Döberitzer Heide vor den Toren Berlins.
Die Akzeptanz von Ökostrom könnte bei den Kunden sicherlich gesteigert werden, wenn die Anbieter ihnen garantieren, dass jener Strom aus den Windturbinen kommt, die man hierzulande gerade baut. Doch genau das, also eine werbewirksame Deklaration á la "Ökostrom aus deutschen Landen" – das darf nicht sein.
Der Zeitrahmen für den Atomausstieg und den Wechsel auf erneuerbare Energien muss gestrafft werden, forderten der Bundesverband Windenergie und der Umweltverband BUND in einer gemeinsamen Pressekonferenz. Beide Organisationen haben Vorschläge, wie sich die Energiewende beschleunigen ließe. Die Bundesregierung sieht vor, dass bis 2020 rund 35 Prozent des Stroms aus regenerativen Energien kommen sollen, derzeit liegt er bei 17 Prozent.
Nach Ansicht des Alterspräsidenten des Deutschen Bundestages und ehemaligen Bundesforschungsministers, Heinz Riesenhuber (CDU), ist das Rekordtempo, in dem die Gesetze zur Energiewende beschlossen werden sollen, alternativlos.
Die großen Flächen in Mecklenburg-Vorpommern interessieren auch ausländische Investoren. Agri.capital aus Münster und ihre luxemburgische Holding wollen Geld mit erneuerbaren Energien verdienen und setzen auf Biogasanlagen.
Das dreimonatige Atommoratorium in Deutschland endet morgen. Klar ist, dass Deutschland aus der Kernenergie aussteigen wird. Bereits heute gibt es aber schon Unternehmen, die ihren Strom aus Biomasse, Sonne, Wasserkraft, Erdwärme oder auch Gas-Kraftwerken gewinnen.
15 Prozent des europäischen Strombedarfs könnten die geplanten Solaranlagen des Projekts Desertec in der nordafrikanischen Wüste decken, sagt Paul van Son, Geschäftsführer des Konsortiums. Die Unruhen in der Region hätten auf das langfristig angelegte Vorhaben keine Auswirkungen.
Der Ausstieg aus der Kernkraft bedeutet einen schnelleren Ausbau bei der Nutzung der erneuerbaren Energiequellen. Das sollte auch die Solarbranche freuen, doch manche Fachleute auf der Messe Intersolar in München plagt die Sorge, die Fotovoltaik könnte hinter der Windkraft zurückfallen.
Die Zukunft gehört den erneuerbaren Energien. Alternative Träume früherer Jahre werden konservativ-liberale Regierungspolitik. Stehen wir vor einer industriellen Revolution oder einer wirtschaftspolitischen Wende?
Die Bundesregierung hat den Weg für die Energiewende freigemacht. Bei der praktischen Umsetzung werden kleine und mittlere Unternehmen eine wichtige Rolle spielen, denn der Umstieg auf erneuerbare Energien kann nur dezentral erfolgen, sagt der Bundesverband Erneuerbare Energien.
Deutschlandradio Kultur · Thema · 6.6.2011
Die Bewohner in Feldheim verfügen über ein eigenes Stromnetz. Die Biogasanlage hat die Agrargenossenschaft im Ort errichtet. Statt Öl und Erdgas sorgen Schweine und Felder für die notwendige Wärme.
Laut Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler ist ein beschleunigter Ausbau des Stromnetzes erforderlich, um den schnellen Einstieg in die erneuerbaren Energien zu ermöglichen. Damit soll die Bezahlbarkeit von Energie gesichert werden.
Bevor die deutschen Kernkraftwerke in gut zehn Jahren abgeschaltet werden, brauchen wir ein leistungsfähigeres Stromnetz sowie neue Kohle- und Gaskraftwerke. Auch beim Energiegipfel im Kanzleramt werden die Weichen dafür gestellt.
Die Bundesregierung will den Ausbau der erneuerbaren Energien ohne Zustimmung des Bundesrates vorantreiben, doch die Bundesländer wollen mitreden. Auch Niedersachsens Ministerpräsident hat sehr konkrete Vorstellungen - vor allem, was die Windenergie betrifft.
Wenn der Atomausstieg mit dem Neubau von Kohlekraftwerke kompensiert würde, dann wäre das ein Desaster, konstatiert Christoph Bals, Klimaexperte bei Germanwatch. Deutschlands selbst gesetzten Klimaziele in Form des Zwei-Grad-Limits könnten dann nicht erreicht werden.
Das letzte Atomkraftwerk soll in Deutschland 2022 vom Netz. Das wäre auch so gewesen, wäre man beim rot-grünen Ausstiegsbeschluss geblieben. Wenn es nun gelingt, den Ausbau der erneuerbaren Energien voranzutreiben, dann hat sich die Fehlentscheidung vom Herbst gelohnt.
Es ist auf den ersten Blick ein befremdlicher Gedanke, einen laufenden Automotor im Keller zu haben. Doch genau so funktionieren Blockheizkraftwerke, kurz BHKW. Gas befeuert einen sogenannten Stirling-Motor. Mit dessen Kraft werden Strom und Wärme erzeugt.
General Electric ha einen neuen Kraftwerkstypen vorgestellt: ein Gas-und Dampfkraftwerk. In einem System, das auf erneuerbaren Energien basiert, soll es eine Lösung bieten für das Problem, dass Strom aus Sonne oder Wind nicht rund um die Uhr gleichmäßig zur Verfügung steht.
Die Energiewende der Bundesregierung soll den Ausbau erneuerbarer Energien vorantreiben. Hoffnungsträger soll unter anderem die Windkraft sein. Die Firma Rotor Energy ist Spezialist für die Reparatur von Rotorblättern und steht trotz luftiger Einsatzgebiete auf sicherem Fundament.
Die Energiewende spielt auch für die Geldanlage eine Rolle. Spezielle Fonds setzen auf den Ausbau der erneuerbaren Energien. Die Stiftung Warentest hat sich diese Finanzprodukte genauer angeschaut.
Hinter der Idee des Mini-Kraftwerks steckt die Firma Lichtblick, die das Ganze mit VW umsetzt. "Scharmstrom" nennt der Ökostrom-Anbieter das Projekt, mit dem in Zukunft eine Strommenge angeboten werden soll, die der von zwei Atomkraftwerken entspricht.
Der BUND erwarte von der neuen Landesregierung eine wesentliche Stärkung des Umweltschutzes, sagt Klaus-Peter Gussfeld, zuständig in Baden-Württemberg für Verkehrspolitik und Raumordnung. Man erhoffe sich außerdem die größtmögliche Senkung der klimaschädlichen CO2-Emissionen.
Der thüringische Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD) hat der schwarz-gelben Bundesregierung vorgeworfen, Deutschland beim Ausbau der erneuerbaren Energien um Jahre zurückgeworfen zu haben.
Wir brauchen ordentliche, faire, glaubwürdige, breit angelegte Stresstests, betont Herbert Reul, Vorsitzender des Ausschusses für Industrie, Forschung und Energie des Europäischen Parlaments. Verabredungen müssten europaweit einheitlich gelten. Wichtig sei auch, die Bürger über die Konsequenzen aus dem Atomausstieg zu informieren.
Stadtwerke München wollen in den nächsten Jahren alle Privatkunden und bis 2025 die gesamte Stadt mit Ökostrom versorgen. Das Geothermie-Kraftwerk Sauerlach ist dabei eines der Projekte, mit denen die Stadtwerke derzeit den Stromschalter umlegen.
Der Deutsche Bundestag hat ökologische Vorbildfunktion. Seit einigen Jahren produziert der Bundestag den Strom, den er benötigt, weitgehend selbst: für Heizung und Klimaanlage komplett, für den restlichen Betrieb wird etwa die Hälfte der benötigten Energie dazu gekauft.
Horst Schmidt-Böcking ist Kernphysiker. Zusammen mit seinem Saarbrücker Kollegen Gerhard Luther will er eine neue Idee zur Energiespeicherung mithilfe einer Hohlkugel am Meeresboden umsetzen.
Die kleine Gemeinde mit 12.000 Einwohnern hat sich schon vor vielen Jahren für die erneuerbaren Energien starkgemacht. Seit 1994 die Windräder stehen, wird hier Ökostrom erzeugt.
Es knirscht in der rot-grünen Landesregierung von NRW. Während die SPD-nahen Gewerkschaften subventionsfreie Kohlebergwerke über 2018 hinaus fordern, hat für die Grünen der Klimaschutz oberste Priorität. Herzstück soll das neue Klimaschutzgesetz sein. Dessen Verabschiedung steht freilich noch in den Sternen.
Vor knapp zwei Jahren entschied die damalige schwarz-grüne Koalition, einen neuen kommunalen Stromversorger zu gründen. Hamburg Energie stellt seinen grünen Strom zum Teil auf der ehemaligen Giftmülldeponie Georgswerder her.
Seit 2007 dürfen in der Main-Metropole alle öffentlichen Gebäude nur noch im Passivhaus-Standard errichtet werden. Die Klima schonende Bauweise ist so perfekt wärmegedämmt, dass sie fast ohne Heizenergie auskommt - wie in der Grundschule im Stadtteil Riedberg.
Viele Kommunen und Kreise setzen schon länger auf alternative Strom- und Wärme-Erzeugung oder planen die Umstellung. Die Deutschlandradio-Korrespondenten in den Bundesländern berichten zwei Wochen lang in der "Ortszeit" über beispielhafte Projekte.
Bis 2020 könne jede zweite Kilowattstunde der erneuerbaren Energien aus Windenergie stammen, sagt Hermann Albers, Präsident des Bundesverbandes Windenergie. Und: "Es wird bei weitem nicht so teuer, wie es heute in den Raum gestellt wird."
Deutschlandfunk · Interview · 15.4.2011
Atomkraft ade, aber wann und wie? Heute ist Energiegipfel in Berlin: Windeenergie und der Ausbau von Stromtrassen sollen die Nuklearkraft ablösen - doch das wird empfindlich teuer für die Bürger, sagt Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP).
Deutschlandradio · Aktuell · 15.4.2011
Für den rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck (SPD) relativieren sich die hohen Kosten des Atomausstiegs: Kernenergie sei angesichts der Aufwendungen für die Endlagerung von Atommüll ein Zuschussgeschäft. Insofern könnten erneuerbare Energien zur Kostendämpfung beitragen.
Deutschlandradio Kultur · Interview · 15.4.2011
Ganz festlegen will er sich nicht, doch "teurer wird es schon", sagt Rainer Brüderle (FDP) über die geplante schnellere Einführung erneuerbarer Energien.
Wie kann die Wende zu erneuerbaren Energien schneller bewältigt werden? Um diese Frage wird es am Freitag beim Energiegipfel der Ministerpräsidenten um Kanzlerin Angela Merkel gehen. Kosten, Netze und Speicherungsmölichkeiten werden eine Rolle spielen.
Die "Stromrebellen", 650 Bürger, gründeten 1994 die Elektrizitätswerke Schönau und beliefern über 100.000 Haushalte in ganz Deutschland mit Strom. Preiswürdig, fanden die Stifter des Umweltpreises "Goldman Environmental Prize" - heute ist Übergabe in San Francisco.
Auch der Wissenschaftliche Beirat Globale Umweltveränderungen greift das Fukushima-Katastrophe auf. Die Hauptaussage im aktuellen Gutachten des Beratergremiums: Wir brauchen einen kompletten Wandel in der Energiepolitik und zwar weltweit.
Nach Ansicht von Björn Klusmann, Geschäftsführer des Bundesverbandes Erneuerbare Energie, wird die Steigerung des Anteils erneuerbarer Energien am Energiemix keinen Einfluss auf die Endverbraucherpreise haben.
In Deutschland tobt die Debatte um den Ausbau des Hochspannungsstromnetzes. In Ostdeutschland droht spätestens im Frühjahr wieder das Stromnetz zu kollabieren. Der Grund: Die zahlreichen Windkraftanlagen pumpen große Mengen Strom in das Leitungsnetz - zu große Mengen.
Die Umweltverbände sind für einen Ausbau der Stromnetze, um erneuerbare Energien besser integrieren zu können, betont Carsten Wachholz vom Naturschutzbund Deutschland. Ein Beschleunigungsgesetz schränke die Klage- und Beteiligungsrechte jedoch noch weiter ein.
Im Marktanreizprogramm für Wärme aus umweltverträglichen Energien werden die Fördersätze erhöht. Wer sein Haus mit moderner Wärmetechnologie umrüsten will, kann derzeit mit einer ordentlichen Finanzspritze vom Staat rechnen.
Anders als man gemeinhin glaubt, sind die Niederländer keineswegs führend, sondern bloß europäisches Mittelmaß. Seit dem letzten Regierungswechsel ist man sogar aus der Förderung erneuerbarer Energien ausgestiegen.
Viele Deutsche wollen nicht warten, bis die Atommeiler still stehen, sie wollen ihren Atomausstieg selber machen. Die Frage ist nur: Gibt es eigentlich genug Ökostrom für alle?
Deutschlandfunk · Umwelt und Verbraucher · 21.3.2011
Seit der Katastrophe im Kernkraftwerk Fukushima melden die Anbieter von Strom aus regenerativen Energiequellen ein stark gestiegenes Interesse an ihren Produkten. Was ist beim Umstieg auf Ökostrom zu beachten?
Der französische Politiker und Mitglied des Komitees zur Ausarbeitung einer nationalen Energie-Forschungsstrategie, Serge Poignant, ist besorgt über Japan und will erneuerbare Energien fördern: Doch die Kernkraft sei, realistisch betrachtet, zurzeit nicht verzichtbar.
Die Norweger nutzen für ihre Stromversorgung fast ausschließlich Wasserkraft. Doch für die Versorgung einer Ölraffinerie wurde an der Westküste ein Gaskraftwerk gebaut. Umweltschützer konnten Regierung und Betreiber die Zusage abringen, dort die Lagerung von Kohlendioxid zu erproben.
Der 3. März ist alljährlich der Tag des Artenschutzes. Der wird durchaus ernst genommen: Der Ausbau der erneuerbaren Energien vor der Insel Sylt wird jetzt gestoppt, um eine seltene Vogelart zu schützen.
Immer mehr Landwirte bauen Pflanzen an, um daraus "Futter" für die Biogasanlage zu erzeugen. Das Bundesamt für Naturschutz hat nun darüber diskutiert, wie der großflächige Anbau von Energiepflanzen sowie Windräder und Photovoltaik-Anlagen in die Landschaft passen.
Der Ausbau von Leitungsnetzen und Speichersystemen gilt als größte Herausforderung beim Übergang ins Zeitalter der regenerativen Stromversorgung. Gleichzeitig kämpfen Bürgerinitiativen gegen Hochspannungsleitungen vor ihrer Haustür.
Bürgerproteste gegen Windparks und Biogasanlagen, der schleppende Ausbau der Energienetze sowie steigende statt sinkend Strompreise ab dem 1. Januar 2011 - der Weg in eine grüne Zukunft gestaltet sich in Deutschland schwierig.
Windkraft und Sonnenenergie liefern nur dann Strom, wenn der Wind weht beziehungsweise die Sonne scheint. Forscher suchen deshalb nach anderen klimafreundlichen Energiequellen, die ununterbrochen Strom liefern. Eine Alternative ist das Osmosekraftwerk.
In Mexiko, Gastgeberland der Weltklimakonferenz, schießt seit vier Jahren ein Windpark nach dem nächsten aus dem Boden. Doch so sauber wie das Image der Windenergie läuft das Geschäft auf der Landenge zwischen Golf und Pazifik nicht.
In Deutschland sind sie erfolgreich, die blau schimmernden Solarzellen für die Stromerzeugung. Doch gerade weil die Photovoltaik auf dem Vormarsch ist, kämpfen die großen Energieversorgungsunternehmen vehement dagegen.
Sogenannte organische Solarzellen bestehen größtenteils aus Plastik und lassen sich günstiger herstellen als die Originale. Der Nachteil: Sie verwandeln Licht deutlich ineffizienter in Strom als gängige Silizium-Solarzellen. Das wollen Forscher jetzt ändern.
Wellen, Strömungen und Gezeiten enthalten soviel Energie, dass sie den Stromverbrauch der Menschheit gleich mehrfach decken könnten. Soweit die Theorie. Tatsächlich erwies es sich als schwierig, das Meer zu zähmen, die Branche hatte in den letzten Jahrzehnten mit schweren Rückschlägen zu kämpfen.
Während die Bundesregierung die vier großen Stromkonzerne mit längeren Atomlaufzeiten beglückt, geht man woanders längst und ganz bewusst andere Wege. Die Stadtwerke München wollen, dass ab 2025 aus ihren Steckdosen 100 Prozent Ökostrom fließt.
Man habe nichts gegen den Ausbau der Windenergie, versichert Peter Gosslar, Sprecher der Bürgerinitiative Bad Gandersheim-Kreiensen. Mit den Protesten wehre man sich aber gegen Freileitungen. Für die Umwelt, den Tourismus und die Gesundheit sei eine Verlegung unter der Erde wichtig.
Die Einspeisevergütungen für Solarstrom wurden am 1. Juli gesenkt, am 1. Januar soll das noch einmal geschehen - Solaranlagen lohnen sich also immer weniger. Das drückt auf die Nachfrage. Doch die Solarstromer lassen sich nicht beirren: Sie sehen sich weiter auf dem Weg, eine bedeutende Säule der Energieversorgung zu werden.
Windkraftanlagen sind sichtbar groß geworden: drei Megawatt Leistung, 100 Meter Höhe sind Standard. Daneben blüht aber ein Markt für sogenannte Kleinwindkraftanlagen: Unter 20 Meter hoch richten sie sich an umweltbewusste Käufer, die vielleicht schon ein Solardach auf dem Eigenheim haben. Doch was leisten die kleinen Räder wirklich?
In der Windenergie arbeiten bundesweit etwa 100.000 Menschen. Vor allem im Offshore-Bereich, also bei Windanlagen im Meer, entstehen neue Berufsfelder. Spezialisten sind jedoch schwer zu finden. Universitäten entwickeln erst nach und nach neue Studiengänge sowie Weiterbildungsangebote.
Fehmarn ist nicht nur eine Ferieninsel, sondern auch ein Windenergie-Standort. 80 Windkraftanlagen stehen dort und liefern umweltfreundlichen Strom.
900 Einwohner zählt das beschauliche Städtchen im Harz. In punkto Strom ist es autark und vorbildlich grün: Die Dardesheimer decken ihren Energiebedarf allein aus Sonne, Wind, Wasser und Biomasse.
Das Energiekonzept der Bundesregierung reduziert den Wettbewerb, bemängelt Hermann Albers, Präsident des Bundesverbandes WindEnergie. Die vier großen Energiekonzerne werden gestützt, obwohl schon in etwa zehn Jahren jede zweite Kilowattstunde Strom aus erneuerbaren Energien kommen könnte.
Noch vor rund 15 Jahren konnte man Je nach Bedarf die Stromproduktion in Kohle-, Atom- oder Gaskraftwerken rauf- oder runterregulieren. Mit dem zunehmenden Anteil erneuerbarer Energie ist es komplizierter geworden, denn Wind und Sonne liefern nicht beständig.
Alles redet von der Atomkraft und von dem Konflikt mit der Windenergie. Bleibt alles so, wie es ist, wird es auch so kommen. Dann werden die Atommeiler den Ausbau der Windanlagen blockieren.
Sie könnten auf Autoscheiben pappen oder in Kleidung eingenäht werden und zum Beispiel Handys mit Strom versorgen. Biegsame Solarzellen aus elektrisch leitfähigem Plastik. Physiker arbeiten daran, dass diese Technik in 15 Jahren eingesetzt werden kann.
E.ON-Vorstandsmitglied Klaus-Dieter Maubach hat eine Subventionierung des Atomstroms in Deutschland bestritten. Er betonte zudem, dass der Atomenergiekompromiss zwischen Regierung und Energiekonzernen nicht den Ausbau der Erneuerbaren Energien bremse.
"Atomkraft - Schluss jetzt!" - unter diesem Motto rufen Umweltverbände, SPD, Grüne und Linke an diesem Samstag in Berlin zu Protesten gegen die schwarz-gelbe Atompolitik auf. Umweltverbände werden auch dafür, den Atomausstieg ganz marktwirtschaftlich zu vollziehen: durch einen Wechsel des Stromversorgers.
Solange die Netze und Speicher nicht ausgebaut werden, solange konkurriert der Atomstrom mit dem Ökostrom um die knappen Leitungskapazitäten. Aktuell behindert der Atomstrom die Erneuerbaren also schon. Langfristig führt dagegen am Ökostrom kein Weg vorbei.
Noch nie zuvor habe es ein Programm gegeben, das so anspruchsvoll, klimaverträglich und effizient sei, sagt Bundesumweltminister Norbert Röttgen über den Energiekompromiss.
Die Bundeswehr überwacht den deutschen Luftraum - und stört dadurch so manche Windkraftanlage. Investitionen in mehreren Windparks liegen zurzeit auf Eis, weil die Bundeswehr befürchtet, dass Windräder die Radar-Überwachung stören könnten.
Der Übergang ins Zeitalter der regenerativen Energien sei anspruchsvoll und nicht konfliktfrei, meint Katharina Reiche, Staatssekretärin im Bundesumweltministerium. Sie pocht dabei auf das Gemeinwohl - dazu gehörten Preisstabilität und Versorgungssicherheit.
Die Bundesregierung will im Herbst 2010 ein neues Gesamtkonzept zur Energiepolitik vorstellen. Schon jetzt streiten sich Vertreter aller Parteien, auch innerhalb der Regierungsfraktionen, um die künftige Nutzung der Kernenergie. Werden die Laufzeiten der Kraftwerke verlängert? Wenn ja, um wie viele Jahre? Und welche Meiler müssen vom Netz?
Die Europäische Union sieht für den Energieverbrauch in zehn Jahren vor, dass ein Fünftel durch erneuerbare Energien abgedeckt ist. Neben Wind und Wasserkraft soll Holz zu einem wichtigen Energielieferant im Bereich der erneuerbaren Energien werden.
Die Energie-Wirtschaft steht am Scheideweg, erneuerbare Energien stehen gegen Atomkraft. Der Boom der Windräder dürfte im Juli enden, wenn Berlin an der Absicht festhält, längere Laufzeiten für Kernkraftwerke zu beschließen.
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