Japan habe die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft verdient gewonnen, meint der frühere Bundesliga-Spieler Jens Nowotny. "Wie sie gestern wieder gefightet haben, wie sie gelaufen sind, das war wirklich von ganz allererster Güte", sagt er über das Finale.
Der Medienrummel bei dieser Frauenfußball-WM sei enorm gewesen, sagt die ehemalige Nationalspielerin Doris Fitschen. Ob das schlechte Abschneiden der deutschen Mannschaft darauf zurückzuführen sei, "das ist schwer zu sagen".
Die Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen in Deutschland hat nicht alle Hardcore-Anhänger des Männersports zu Fans gemacht. Auch nicht den Kritiker Jürgen Roth. Der bekennende Feind dieses Sports zieht Bilanz.
Unter dem Titel "11 Freundinnen" wird es auch einen Film über die Frauen-Fußball-Weltmeisterschaft 2011 geben. Die Ansprachen der Bundestrainerin in der Kabine seien besser gewesen, als die von Jürgen Klinsmann 2006, verrät die Filmemacherin Sung Hyung Cho.
Beobachter der WM 2011 registrieren nahezu einen Quantensprung, den der Frauenfußball nach vorn gemacht habe. Die Entwicklung sei erfreulich, sagt Helmut Kosmehl, "aber es geht noch immer nicht schnell genug angesichts des riesigen Potenzials von jungen talentierten Mädchen und Frauen".
Seit Monaten geistert eine gewaltige Zahl durch die Öffentlichkeit. Gut eine Million Frauen und Mädchen spielen in Deutschland Fußball, sagte die Statistiken, und dieser Wert gilt als das wichtigste Indiz für die wachsende Bedeutung des Frauenfußballs. Doch viele dieser Sportlerinnen sind in Wahrheit in ganz anderen Sportarten aktiv.
"Fair trade" steht für fairen Handel von Waren, die aus Entwicklungsländern in Industrieländer exportiert werden. Faire Preise, Umweltschutz-Standards, sozialverträgliche Arbeitsbedingungen und Gleichberechtigung von Frauen. Die Praxis sieht allerdings häufig anders aus. So auch bei adidas.
In Deutschland dürfte das Zuschauerinteresse an der Frauen-WM nach dem Aus im Viertelfinale abflachen - aber wie sieht es in anderen Ländern aus. In Ländern wie Japan, deren Team eher überraschend ins Halbfinale eingezogen ist? Oder in den USA?
Shamila Kohestani hat die Fußball-Nationalmannschaft der Frauen in Afghanistan gegründet. Im eigenen Land ist sie dafür heftig angefeindet worden. Doch für Shamila und viele afghanische Frauen haben sich durch den Fußball Türen geöffnet.
Die fest eingeplante Fete muss ausfallen. Und zwar nicht nur die Feier nach dem WM-Finale, Mittelfeldspielerin Simone Laudehr wollte am Dienstag doch eigentlich mit dem ganzen Team ihren Geburtstag feiern. Stattdessen feiere sie jetzt mit der Familie, das gebe ihr Kraft, stammelte sie kurz vor der Abreise heute Morgen aus dem Teamquartier.
Im Schatten der WM beginnen die Frauenbundesligisten mit ihrer Saisonvorbereitung, was von dem Weltturnier übrig bleiben wird, ist noch ungewiss.
Der Traum vom Titel bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land ist für die deutsche Frauennationalmannschaft geplatzt. Gestern verlor das DFB-Team gegen die Japanerinnen, die sich in der Verlängerung mit dem 0:1 den Einzug ins Halbfinale sicherten.
Rund 400.000 muslimische Mädchen leben in Deutschland, die meisten haben türkische Wurzeln. In Sportvereinen aber sind sie kaum vertreten. Laut einer Studie der Technischen Universität Dortmund ist von den 15-jährigen Türkinnen nur jede fünfte Mitglied in einem Sportklub. Kann die Fußball-WM einen Wandel auslösen?
Nach knapp 74.000 Menschen in Berlin zum Auftakt, 48.000 Zuschauern in Frankfurt und zuletzt 45.687 in Mönchengladbach, passen in das Wolfsburger WM-Stadion zum deutschen Viertelfinale nur knapp 26.000 Zuschauer - doch die geringe Zahl könnte auch ein Vorteil sein.
Bei der Frauen-WM stehen die Trainerinnen im Mittelpunkt, doch Wege in den Männerfußball finden selbst die besten Fußball-Lehrerinnen bisher nicht.
Deutschlandfunk · Sport · 7.7.2011
Das gab es noch nie: eine Frauenfußball-WM als mediales Großereignis. Drei Wochen lang, vom 26. Juni bis zum 17. Juli, wird die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Deutschland 2011 das beherrschende Sportereignis sein. Auch dradio.de überträgt die Spiele der deutschen Nationalmannschaft.
In Berlin fand gerade eine alternative Fußball-WM statt. Sieben Teams aus Entwicklungs- und Krisenregionen konnten in Kreuzberg Klischees über ihre Heimat beseitigen. Der Titel des Turniers: Discover Football, Entdecke den Fußball.
Faires Spiel, ein Publikum, das vielfach aus Familien bestehe und nicht zehn Minuten vor Abpfiff den Heimweg antrete - das unterscheide den Frauenfußball vom Männerfußball, sagt Claudia Roth. Die Grünen-Chefin hat den 4:2-Sieg der deutschen Elf gegen Frankreich gestern im Stadion miterlebt.
Pünktlich zur Fußball-WM der Frauen hat der Wissenschaftsverlag be.bra die erste sporthistorische Untersuchung zur Geschichte des Frauenfußballs in Deutschland vorgelegt. In der Bundesrepublik war er verboten, in der DDR wurde er gefördert.
Fairer, mannschaftlicher, ästhetisch reizvoller - lobt Günter Grass den Frauenfußball. Vom Männerfußball hingegen hält der Schriftsteller nicht viel. Der sei "eine moderne Form hochdotierter Sklaverei".
Parallel zur Frauenfußball WM findet in Berlin-Kreuzberg das Festival "Discover Football" statt. Dabei sind ein Team eines Waisenhauses aus Ruanda, ein Slum Soccer Team aus Indien, eines aus dem westafrikanischen Togo. Denn es geht hier um mehr als um Tore und den Turniersieg.
Siebenfacher Europameister, zweifacher Weltmeister: Die deutschen Fußballfrauen brauchen sich nicht hinter den Männern zu verstecken. Dennoch werden sie immer wieder mit ihnen verglichen. Kann die Frauenfußball-WM 2011eine Wende bewirken?
Nach Ansicht von Carsten Ramelow, FIFA WM-Botschafter der Stadt Leverkusen, haben sich die deutschen Frauen im Spiel gegen Nigeria "sehr, sehr schwer getan". Aber "letztendlich war doch dieser Sieg auch verdient".
Eine winzig kleine Fruchtfliege an der Universität Würzburg prophezeit uns, dass die deutschen Damen heute Abend gegen Nigeria nur ein Unentschieden schaffen. Entschuldigung: Seit wann verstehen Fruchtliegen etwas von Fußball? Dieser WM-Tipp ist wirklich eine Wissenschaft für sich.
Für viele ist Fußball nach wie vor ein reiner Männersport. Erst langsam wächst das Bewusstsein, dass es sich beim Frauenfußball um eine gänzlich andere Sportart handelt. Die kickenden Damen selbst müssen immer noch mit Vorurteilen kämpfen.
Fürs erste Spiel eine sehr gute Leistung, beurteilt die Fußballtrainerin Martina Voss-Tecklenburg die Partie Deutschland gegen Kanada. Die Austragung der Weltmeisterschaft im eigenen Land sei eine Chance, den Frauenfußball in die Welt hinauszutragen.
Gerade bei Männern sei noch nicht so richtig angekommen, dass Fußball auch für Frauen eine wunderbare Sportart sei, sagt ARD-Fußball-Kommentator Tomas Bartels. Das sei auch der Grund, warum so viel verglichen werde.
Drei Wochen lang dauert die Frauenfußball-Weltmeisterschaft in Deutschland. Einer, der viele Spiele sehen wird, ist Philip D. Murphy. Der US-Botschafter in Deutschland ist ein großer Fußball-Fan und selbst Besitzer eines Frauenfußball-Profiteams in den USA: Ihm gehören 75 Prozent des Sky Blue FC aus New Jersey.
Die ehemalige Fußballspielerin Bärbel Wohlleben findet, dass sich der Frauenfußball stark verändert hat. Heute kickten heute "Glamour Girls" auf dem Platz, während Fußballerinnen früher als "Mannweiber" verspottet worden seien.
Es liegt in der Natur der Fortsetzung: Einzigartigkeit, Elan und Überraschungsmomente fehlen beim nächsten Aufguss. Von daher erweisen all diejenigen, die jetzt von der Frauen-Fußball-WM "ein zweites Sommermärchen" erwarten, der DFB-Elf um Bundestrainerin Silvia Neid einen großen Bärendienst.
"Mannweiber" wurden sie vor über 50 Jahren noch genannt. und gspielt haben sie oft unbemerkt - die Frauenfußballerinnen. Denn bis 1970 war der Sport für Frauen offiziell verboten. Heute strahlen die deutschen Spielerinnen bei der WM im eigenen Land von den Plakaten. Manch einer beäugt diese Entwicklung aber auch schon kritisch. Eine Chronik.
Tanja Walther-Ahrens findet, dass das WM-Motto "20Elf von seiner schönsten Seite" ungünstig gewählt ist. Dadurch, dass Frauen in der Kampagne "besonders sexy dargestellt" würden, gehe viel von dem Sport verloren, für den sie sich schon seit den 70er-Jahren begeistert habe.
Kann die Frauenfußball-WM in Deutschland für einen Durchbruch der Disziplin in einem Land sorgen, dessen liebstes Kind der Männerfußball ist? Meike Schulz, Redakteurin beim Magazin "11 Freundinnen", und "Kicker"-Herausgeber Rainer Holzschuh, sind sich da nicht so einig, wie bei ihrem Tipp, dass Deutschland Weltmeisterin wird.
Der Frauenfußballverein FSV Basdorf spielt in der brandenburgischen Landesliga. Katharina Hamberger war für den Länderreport vor Ort und sich angeschaut, mit wie viel Spaß und Energie die Damen auf den Platz gehen.
Um Aufmerksamkeit für die Frauenfußball-WM zu erzeugen, setzten die Macher auf das bewährte Prinzip "Sex sells", sagt der Medienexperte Norbert Bolz. Schließlich gehe es um sehr viel Geld.
Die Chefredakteurin des Frauenfußballmagazins "FF" und Trainerin, Martina Voss-Tecklenburg, hält das deutsche Team für einen der Favoriten bei der FIFA Frauen-WM - auch wenn fünf, sechs andere Nationen "absolut das Potenzial haben, Weltmeisterinnen zu werden".
Kolumbien, Schweden und die USA - das sind die drei Vorrundengegner der Nordkoreanerinnen in der Gruppe C. Die nordkoreanische Auswahl gehört zu den stärksten Mannschaften in Asien. Bislang wurde sie dreimal Asienmeister. Für die Weltmeisterschaft konnten sie sich jetzt bereits zum vierten Mal qualifizieren.
Heute spielen Mädchen und Frauen wie selbstverständlich Fußball. Der DFB zählt über eine Million weibliche Mitglieder und die Frauenfußball-Nationalelf als siebenfacher Europameister und zweifacher Weltmeister ist in aller Munde.
Discover Football - Entdecke den Fußball. Dieses Motto haben sich Spielerinnen aus Berlin auf die Fahnen geschrieben. Ende Juni, zeitgleich mit der Frauen-WM, veranstalten sie ein internationales Turnier in Kreuzberg. Sieben Teams reisen aus aller Welt an.
Damit die WM 2011 kein Zuschussgeschäft wird, müssen trotz professioneller Planung seitens des DFB und einheitlicher TOP-Sponsoren der Fifa, 27 Millionen Tickets verkauft werden. Und wie ist der Frauenfußball auch nach dem WM-Hype dauerhaft an den Mann zu bringen?
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Schmalspurbahn in Lettland
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Ilko-Sascha Kowalczuk: 17. Juni 1953, Roger Engelmann: DDR im Blick der Stasi
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Absolventenporträt - Die Harfenistin Marina Tsaytler vom 15.06.2013
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