Zwar sinken langsam die Pegelstände in den vom Hochwasser betroffenen Gebieten - aber das nächste Hochwasser kommt bestimmt. Meteorologen und andere Klimaforscher suchen fieberhaft nach Wegen, künftige Extremwetterereignisse unter Kontrolle zu bringen.
Deutschlandradio Kultur · Wissenschaft und Technik · 15.6.2013
Das Hochwasser werde sich ins kollektive Gedächtnis einprägen und dazu führen, Eigennutz für die Gemeinschaft zurückzustellen, erklärt der Therapeut Stephan Grünewald. Viele Menschen verspürten angesichts der Überschwemmungen den Wunsch, anderen zu helfen.
Vielerorts haben die Aufräumarbeiten begonnen, aber Normalität herrscht in den Hochwassergebieten noch lange nicht. "Umwelt und Verbraucher" widmet sich in einer Sonderausgabe den Folgen des Hochwassers. Experten beantworten auch Ihre Fragen - mailen Sie uns!
Die Flüsse sollen wieder mehr Raum bekommen, fordern Naturschutzverbände seit Jahren unisono. Im Notfall müssen Bauern enteignet werden, tönte jetzt auch Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer. Die Landwirte sehen sich als Opfer.
Nach der Flutwelle kommt die Fluthilfe: Bund und Länder haben sich auf einen nationalen Aufbaufonds verständigt. Zu gleichen Teilen will man ein Volumen von etwa acht Milliarden Euro bereitstellen. Der Hilfsfonds für Betroffene soll bis zum 5. Juli stehen.
Nach der Flutwelle kommt die Fluthilfe: Bund und Länder haben sich auf einen nationalen Aufbaufonds verständigt. Zu gleichen Teilen will man ein Volumen von etwa acht Milliarden Euro bereitstellen. Der Hilfsfonds für Betroffene soll bis zum 5. Juli stehen.
Statt immer höhere Deiche zu bauen, müsste mehr dafür getan werden, "dass das Wasser mehr Platz hat", sagt Winfried Lücking vom BUND. Er kritisiert, dass die Länder sich nicht ausreichend koordiniert hätten, um das neue Hochwasserschutzgesetz von 2005 umzusetzen.
Versicherer schätzen, dass die Kosten des Hochwassers in Ost- und Süddeutschland höher liegen als bei der Jahrhundertflut an Elbe und Oder vor elf Jahren. Regierung und Opposition signalisieren umfassende finanzielle Hilfe.
Während Elbanrainer mit Bangen auf die Pegelstände blicken, interessieren sich Gewässerforscher für eine andere Größe. Für sie ist der sogenannte Abfluss entscheidend zur Hochwasservorhersage. Doch nur zwei Boote sind derzeit auf der Elbe für Abflussmessungen im Einsatz.
Die betroffenen Katastrophengebiete leiden anders als 2002 an einer Kombination von Frühjahrs- und Sommer-Hochwasser, sagt Hans Moser von der Bundesanstalt für Gewässerkunde. Viele technische Maßnahmen funktionierten, es gäbe kaum Deichbrüche und auch die internationale Zusammenarbeit bewähre sich.
Brauner Schlamm in den Häusern, Sperrmüll auf den Straßen, vollgelaufene Keller: In der Stadt Döbeln hinterlässt die tobende Mulde ein Bild der Verwüstung. Die Anwohner wollen in dieses Chaos jetzt wieder Ordnung bringen - und trotzen den Hochwasserschäden mit Optimismus.
Einstellung der Binnenschifffahrt auf vielen Flüssen, überflutete Felder und ausbleibende Touristen in der Gastronomie aufgrund des schlechten Wetters: Das aktuelle Hochwasser in Süd- und Ostdeutschland könnte für die Volkswirtschaft enorme finanzielle Folgen haben.
Naturkatastrophen sind die Stunde der Regierung, meint Michael Spreng, der schon Edmund Stoiber als Wahlkampfberater zur Seite stand. Mit dem Besuch der Hochwassergebiete und dem Versprechen für rasche, unbürokratische Hilfe habe Angela Merkel das getan, was sie tun müsse. Nun profitiere sie davon im Wahlkampf.
Solidarität, Spenden und Nachbarschaftshilfe unter anderem daran erinnert sich Georg Milbradt (CDU), der ehemalige Ministerpräsident von Sachsen beim Thema Elbe-Flut. Hochwasser könnten auch in Zukunft nicht vermieden, die Schäden aber verringert werden.
Nach jedem Hochwasser werden Pläne geschmiedet: Deiche ins Hinterland verlegen, Überschwemmungsflächen schaffen, damit sich das Hochwasser ausbreiten kann und weniger Schaden anrichtet. Doch umgesetzt wird fast keiner dieser Pläne, kommentiert Claudia van Laak. "Wir müssen den Flüssen ihren Raum lassen, sie holen ihn sich sonst zurück,
Für zahlreiche Wildtiere haben die Überschwemmungen im Osten Deutschlands überwiegend negative Folgen. Till Hopf, Artenschutzexperte beim Naturschutzbund Deutschland (NABU), erklärt, warum ein paar wenige Arten aber auch davon profitieren könnten.
Nur langjährige Messreihen können Aufschluss geben, ob der Klimawandel mit dem Hochwasser zusammenhänge, sagt Thomas Deutschländer. Gründe für die Fluten in Ostdeutschland seien unter anderem ein nasser Mai und ein selten vorkommendes Tief über Mitteleuropa.
Deutsche Flüsse seien in ein Korsett gezwungen und hätten nicht mehr den Raum, den sie brauchten, sagt Roland Gramling von der Umweltorganisation WWF. Um Hochwasser zu vermeiden, müssten künftig mehr Überflutungsflächen zur Verfügung gestellt werden.
Im Sommer 2002 versanken vor allem der Osten Deutschlands, Österreich, Polen und Tschechien im Hochwasser. Allein in Sachsen-Anhalt brachen 17 Deiche. Zehn Jahre sind seither vergangen. Aus der Flutkatastrophe haben Behörden und Politiker gelernt und es nicht nur bei Aufräumarbeiten belassen.
In Stuttgart, Mainz und Düsseldorf regieren rot-grüne Landesregierungen. Gute Zeiten für nachhaltigen Hochwasserschutz am Rhein - könnte man meinen. Doch die Umweltorganisation BUND und andere Umweltverbände werfen den Landesregierungen am Rhein Tatenlosigkeit vor.
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