Hochrangige Vertreter aus mehr als 100 Ländern haben in Japan darüber beraten, welche Lehren sich aus der Reaktorkatastrophe von Fukushima ziehen lassen. Die Wissenschaftsjournalistin Dagmar Röhrlich hat die Veranstaltung verfolgt und erläutert im Gespräch die Ergebnisse.
Ein Mission der Internationalen Atomenergieagentur hat die Stresstests bewertet, denen sich die japanischen Atomkraftwerke unterziehen mussten. Die Fachleute raten dem Land zum Einsatz neuerer, international akzeptierter Sicherheitsstandards.
Die Exportnation Japan hat zum ersten Mal seit 31 Jahren ein Handelsdefizit hat. Grund sind vor allem teure Energieimporte. Denn noch immer sind von den 54 Atomreaktoren im Land fast alle vom Netz. Sie werden Stresstests unterworfen, die dann zusätzlich Spezialisten der Internationalen Atomenergiebehörde überprüfen.
Vernichtend bewertet ein nun veröffentlichter Zwischenbericht das Verhalten das Atomkonzerns Tepco während des Unglücks von Fukushima. Doch während die neue japanische Regierung jetzt eine Verstaatlichung des Atomriesen anstrebt, wehrt sich das Unternehmen gegen einen solchen Schritt.
Der Zustand des havarierten Atommeilers sei schwer zu beurteilen, meint der Strahlenschutzexperte Wolfgang Weiss. Er lobt die Evakuierung nach der Katastrophe, kritisiert jedoch, dass die Sicherheitszone rund um das AKW nicht groß genug gewählt worden sei.
Deutschlandradio Kultur · Interview · 17.12.2011
Zumindest die akute Phase der Atomkatastrophe sei mit der Kaltabschaltung des Kraftwerks vorbei, hat Japans Regierung verkündet - ziemlich genau ein Dreivierteljahr nach Erdbeben und Tsunami. Ob der Reaktor wirklich unter Kontrolle ist, ist umstritten.
Vor neun Monaten nahm die Atomkatastrophe von Fukushima ihren Lauf. Ungeachtet dessen will Japan seine Kernkraftwerkstechnologie weiter exportieren. Im eigenen Land kämpft die Bevölkerung derweil mit den Folgen des GAUS.
Gleich zwei Forschergruppen haben nun die Verbreitung von Radioaktivität infolge des Super-GAUs von Fukushima untersucht. Wissenschaftsjournalistin Dagmar Röhrlich erläutert im Interview mit Uli Blumenthal die Details.
Nach den jüngsten Meldungen aus der im Frühjahr havarierten Atomanlage hält der Atomexperte Christian Küppers weitere Kettenreaktionen für denkbar. Die jetzt mitgeteilten Messwerte würden auf eine erneute Kernspaltung hindeuten.
Bundespräsident Christian Wulff ist bei seinem Staatsbesuch in Japan in die Katastrophenregion von Fukushima gefahren. Zu den großen Sorgen der Japaner gehört die Radioaktivität. Die Angst der Menschen vor verseuchter Nahrung oder Orten mit erhöhter Radioaktivität ist groß.
Radioaktivität hat aus der japanischen Region Fukushima einen verlassenen Landstrich gemacht. Für die ehemaligen Bewohner dürfte es jedoch eine gute Nachricht sein, was derzeit auf einer Konferenz in Fukushima Stadt präsentiert wird: ein Verfahren zur Dekontamination verstrahlter Böden.
Auch ein halbes Jahr nach dem Reaktorunglück in Fukushima sind die Probleme enorm. Die Lage im und rund um das Atomkraftwerk ist längst noch nicht unter Kontrolle. Während Spezialeinheiten die hohe Strahlung bekämpfen, fürchtet sich die Bevölkerung vor verstrahltem Tee, Obst und Gemüse.
Vor einem halben Jahr am 11. März erschütterte eine dreifache Katastrophe den Nordosten Japans: ein Erdbeben, ein Tsunami und in der Folge die Havarie im AKW Fukushima. Heute sieht man entlang der Küste noch immer die Zerstörung.
In den ersten Wochen nach der Katastrophe im Kernkraftwerk Fukushima wurden die Meere kaum beachtet - alle Bemühungen konzentrierten sich auf die außer Kontrolle geratenen Reaktoren. Dabei wurde auch der Ozean radioaktiv belastet. Inzwischen hat sich das kontaminierte Wasser jedoch verdünnt.
80.000 Menschen mussten wegen der Nuklearkatastrophe von Fukushima ihre Heimat verlassen. Weil in den Evakuierungszonen alles stillsteht, wächst die Zahl der Arbeitslosen. Die Evakuierten fühlen sich hilflos und das Misstrauen gegenüber Behörden und der Regierung steigt.
Vor fünf Monaten bebte in Japan die Erde. Infolge des dadurch entstandenen Tsunamis wurde die größte Atomkatastrophe ausgelöst, die die Menschheit seit Tschernobyl erlebt hat. Wissenschaftsredakteurin Dagmar Röhrlich berichtet von den Aufräumarbeiten in Fukushima.
Weil durch die Abschaltung der Atomkraftwerke nach der Katastrophe von Fukushima der Strom knapp geworden ist, bemühen sich die Menschen in Japan um sparsame Energieverwendung - und dabei werden auch liebgewonnene Gewohnheiten über den Haufen geworfen.
Tepco, der Betreiber des havarierten Atomkraftwerks Fukushima, kündigte nach dem Unglück an, bis zum 17. Juli sollten die Reaktoren wieder stabil gekühlt werden können. Seitdem schuften in den zerstörten Meilern Ingenieure, Techniker und Arbeiter, um die Reaktoren wieder unter Kontrolle zu bekommen.
In Fukushima wurde der Großteil der radioaktiven Stoffe aufs Meer hinausgeweht, nur ein Teil ging aber auch über der Hauptinsel Honshu nieder. Welche Folgen das für Natur und Menschen haben wird, können die Experten im Moment nur abschätzen.
Der Reaktorunfall in Fukushima hat anscheinend eine Kehrtwende der japanischen Regierung ausgelöst. Premierminister Naoto Kan kündigte an, dass das Land ohne Atomenergie auskommen solle - sah allerdings wohlweislich davon ab, einen Termin dafür zu nennen. Japan ist in der Stromproduktion ganz auf sich allein gestellt.
Besonders im Bereich der Photovoltaik habe Japan großes Potenzial, sagt Holger Techert vom Institut der Deutschen Wirtschaft. Kurzfristig könne der Strombedarf des Landes bei einem Atomausstieg aber noch nicht vollständig gedeckt werden.
Der Beauftrage des Auswärtigen Amts für die Japan-Hilfe, Hans-Joachim Daerr, will das krisengeschüttelte Land beim Umbau der Energieversorgung auf regenerative Energien unterstützen. Deutschland habe Japan schon immer Austausch, Beratung und Hilfe angeboten.
Den größten Teil des radioaktiven Fallouts nach den Fukushima-GAUs trug der Wind aufs Meer hinaus. Doch die wenigen Tage, in denen er aufs Land blies, haben gereicht, einige Gebiete auf Jahrzehnte unbewohnbar zu machen. In einer großen Messaktion verschaffen sich die Forscher derzeit einen genauen Überblick.
Nach dem Reaktorunglück von Fukushima mussten innerhalb von 24 Stunden 200.000 Menschen die 20-Kilometer-Zone um das Kernkraftwerk verlassen. Viele können vielleicht niemals mehr in ihr altes Zuhause zurück - eine oftmals extreme psychische Belastung.
Was Wasser in einem Kernkraftwerk anrichten kann, zeigt das Beispiel Fukushima auf eindringliche Weise. Nach dem Unglück in Japan läuft eine sehr grundlegende Debatte über die Lehren aus der Vierfach-Havarie - und die rüttelt an den Grundlagen bestehender Sicherheitskonzepte.
Vier Monate nach der Kernschmelze geht die Krisenbewältigung in Fukushima weiter - und noch sind weit mehr Probleme offen als gelöst.
Nach der Katastrophe in Fukushima harren im Nordosten Japansl immer noch viele Menschen in Notunterkünften aus. Jetzt prüfen die Behörden, ob ein Teil der Evakuierten nach Hause zurückkehren kann. Derweil droht Energieriese Tepco, Betreiber von Fukushima, eine teilweise Verstaatlichung.
Die in Rekordzeit errichtete Wasseraufbereitungsanlage im japanischen Katastrophen-AKW Fukushima ist erneut abgeschaltet worden. Wann sie endlich dauerhaft funktionieren wird, darüber kann man "eigentlich nur spekulieren", meint Wissenschaftsredakteurin Dagmar Röhrlich.
Auf der Sondertagung der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA wird über verbindliche Tests für Atomkraftwerke gestritten. Eine Einigung sei nicht abzusehen, sagt Wissenschaftsredakteurin Dagmar Röhrlich. Nur über eins herrsche weitgehend Einvernehmen: Reaktorsicherheit sei Ländersache.
Rund 80 Prozent der Japaner sind inzwischen gegen die Atomenergie, das ergab eine Zeitungsumfrage. Dennoch will die Regierung zur Inspektion stillgelegte Reaktoren wieder hochfahren. In den Ruinen von Fukushima gibt es unterdessen neue Probleme.
Angesichts einer "unheiligen Front von mächtigen, kapitalstarken Wirtschaftsinteressen" seien die Anti-Atomdemonstrationen in Japan am vergangenen Wochenende als Erfolg zu werten, sagt Jürgen Trittin.
In Japan sind gut 60 Prozent der 54 Atomkraftwerke derzeit vom Netz. Haushalte und Industrie müssen Energie einsparen, damit ausreichend Kapazitäten für Klimaanlagen und energieintensive Betriebe zur Verfügung stehen. In Betrieben gibt es eine gelockerte Kleiderordnung, Ventilatoren ersetzten Klimaanlagen.
In den Reaktordruckbehältern des AKW Fukushima hat offenbar schon wenige Stunden nach dem Unglück die Kernschmelze eingesetzt - viel früher als ursprünglich angenommen. Die Wissenschaftsjournalistin Dagmar Röhrlich erläutert, woher diese plötzliche Erkenntnis kommt.
Auch zweieinhalb Monate nach der Havarie des Atomkraftwerks in Fukushima versuchen Techniker und Arbeiter nach wie vor, die Lage zu stabilisieren. Die Wissenschaftsjournalistin Dagmar Röhrlich erläutert die aktuelle Situation in Japan im Interview.
Der Schriftsteller Adolf Muschg ist seit Jahrzehnten eng mit Japan verbunden. Seine Frau stammt aus Japan, sein Sohn lebt in Tokio. Muschg ist mit seiner Frau in den von Tsunami und Reaktorkatastrophe betroffenen Norden Japans gereist und berichtet von seinen Eindrücken.
Die Welt müsse sich auf weitere Atomkatastrophen wie in Tschernobyl und Fukushima einstellen, sagte gestern UN-Generalsekretär Ban Ki Moon auf der Konferenz zum 25. Jahrestag des Reaktorunglücks von Tschernobyl.
Den Zeitplan der japanischen Regierung, Fukushima innerhalb von neun Monaten unter Kontrolle zu haben, ist in den Augen von Wissenschaftsredakteur Arndt Reuning sehr ambitioniert. Der Vergleich mit Tschernobyl und Harrisburg zeige, dass man immer deutlich mehr Zeit als geplant benötigt habe.
Welche gesundheitlichen Folgen der Reaktorunfall in Japan haben wird, lässt sich im Moment noch schwer abschätzen. Denn selbst für Tschernobyl ist diese Frage noch nicht endgültig geklärt.
Thomas Breuer von Greenpeace Deutschland, fordert von Japan den Notstand für die gesamte Provinz Fukushima auszurufen. Er habe den Eindruck, so Breuer, dass Japan den Reaktorunfall herunterspiele.
Der japanische Kraftwerksbetreiber Tepco will die Atomkrise im AKW Fukushima bis Jahresende in den Griff bekommen. US-Außenministerin Hillary Clinton sagte Japan unterdessen weitere Unterstützung zu.
Ausgerechnet in Japan ist der Albtraum einer Atomkatastrophe geschehen: Ein Land, dessen technische Errungenschaften in fast jedem Haushalt zu finden sind. Die Katastrophe offenbart eine politische Kultur, die offensichtlich von sturer Behördenmentalität geprägt ist.
Die Gegend um Fukushima wieder bewohnbar zu machen, sei möglich, sagt Wissenschaftsjournalist Arndt Reuning. Doch der Aufwand ist immens hoch und an manchen Stellen ließen die gemessenen Strahlenwerte kein alltägliches Leben mehr zu.
Nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima befürchtet der Atomkritiker Mycle Schneider, dass die japanische Regierung nach dem Ausrufen der höchsten Gefahrenstufe das Katastrophenmanagement nicht alleine in den Griff bekommt.
In der EU gelten neue Grenzwerte für strahlenbelastete Lebensmittel aus Japan - doch Sönke Gäthke beruhigt: Nur 0,1 Prozent unseres importierten Essens kommt dorther.
Wiissenschaftsredakteur Arndt Reuning relativiert die Einstufung des Fukushima-Unfalls auf Stufe Sieben der INES-Skala. Das sei zwar die gleiche wie in Tschernobyl - dennoch muss hier differenziert werden.
Französische und norwegische Forscher simulieren, wie sich radioaktives Abwasser aus dem Atomkraftwerk Fukushima vor der japanischen Ostküste ausbreitet. Und das mit einer bemerkenswerten räumlichen Auflösung: bis auf 600 Meter genau.
Japan hat den Störfall im Atomkraftwerk Fukushima auf die höchste Gefahrenstufe Sieben heraufgesetzt. Das AKW hat demnach amtlich dem größten anzunehmenden Unfall, einem GAU, nicht standgehalten.
Seit dem 11. März kommt die Erde in Japan nicht zur Ruhe. Ständig erschüttern Nachbeben die Region und auch die Aktivität von zwölf Vulkanen hat sich erhöht. Inzwischen sind das Beben und seine Folgen näher analysiert worden.
Eigentlich hätten die ersten Tonnen der radioaktiven Wasser von Fukushima schon abgepumpt sein sollen. Aufgrund eines erneuten Nachbebens verzögerte sich die Maßnahme jedoch. Zudem sind die Mengen des verseuchten Wassers gewaltig.
Nach dem erneuten Beben in Japan fiel zeitweise die Kühlung der Reaktoren im havarierten Kernkraftwerk Fukushima aus. Problematisch sei weiterhin der Umgang mit dem hoch radioaktiv verseuchten Wasser in den Kellergewölben des AKWs, sagt Sönke Gäthke.
Ein Erdbeben der Stärke 7,1 ereignete sich in Japan. Dieses Mal traf es direkt die Region rund um Fukushima. Die Tsunami-Welle fiel allerdings glimpflich aus, ebenso die Auswirkung auf die havarierten Atomkraftwerke.
Ein Arbeiter aus der japanischen Atomruine Fukushima 1 ist ins Krankenhaus gebracht worden. Der Mann habe über Übelkeit geklagt, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo am Sonntag. Welche Folgen kann Radioaktivität für den menschlichen Körper haben?
Nach dem Erdbeben der Stärke 7,4 im Nordosten Japans habe es laut Aussage der Atomaufsicht keine Schäden an den Atomkraftwerken gegeben. In zwei Anlagen sei der Strom ausgefallen und im AKW Onagawa habe man ein Wasserleck entdeckt.
Ob die Einleitung leicht radioaktiven Wassers aus Fukushima ins Meer unbedenklich sei, könne man noch nicht sagen, so der Wissenschaftler Günter Kanisch. Er verweist auf die Erfahrungen mit der britischen Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield.
Tak Kohyama ist Dolmetscher der Reporterin Silke Ballweg, die für uns aus Japan berichtet. Zum Abschluss der Reihe "Die verwundete Nation" lässt er uns Deutsche ins Innere der japanischen Seele blicken: Eine Gefühlswelt, die ganz anders - und doch unserer so ähnlich ist.
Die japanische Zentralbank will den Banken in der Katastrophenregion im Nordosten Japans mit Milliardenkrediten helfen. Unterdessen versucht man im Atomkraftwerk Fukushima weiter, die Lage zu stabilisieren.
Auf Erdbeben ist man in der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt Japans, NHK, so gut vorbereitet wie bei keinem anderen Programm der Welt. Doch das Beben vom 11. März war und ist eine besondere Herausforderung für NHK und seinen Nachrichtenchef Yoshihiko Shimizu.
Die Arbeiter im japanischen Atomkraftwerk Fukushima haben einen Riss abgedichtet, aus dem radioaktiv verseuchtes Wasser direkt ins Meer geflossen ist. Das wichtigste Problem ist aber immer noch nicht gelöst: Wie sollen die beschädigten Reaktoren dauerhaft gekühlt werden?
Die Tschernobyl-Expertin der Ärzteorganisation IPPNW, Angelika Claußen, weist auf die Langzeitfolgen der radioaktiven Strahlung nach dem Atomunfall von Tschernobyl 1986 hin. "Es treten auch vermehrt Nicht-Krebserkrankungen auf und das ist eben das Neue", sagte Claußen.
Mitarbeitern der Betreiberfirma Tepco ist es gelungen, eine undichte Stelle am AKW Fukushima abzudichten, aus der hochradioaktiv verseuchtes Wasser in den Pazifik floss. Unabhängig davon wird weiterhin schwach radioaktiv verseuchtes Wasser ins Meer gepumpt.
1200 Kühe stehen bei Minoru Nomura im Stall. Zusammen produzieren die Tiere 12.000 Liter Milch jeden Tag. Doch seit dem Unfall im Atomkraftwerk darf Nomura seine Milch nicht mehr verkaufen - im Gegenteil: Er ist gezwungen, sie zu vernichten.
In der Stadt Ishioka steht seit einigen Wochen ein Passivhaus nach deutschem Standard. Die Architektin Miwa Mori hat das Energiesparhaus realisiert. Sie ist auf dem Gebiet des energiesparenden Bauens in Japan eine Pionierin.
Die japanische Regierung hat die Bevölkerung darauf vorbereitet, dass es noch Monate dauern könnte, bis die Situation im havarierten Atomkraftwerk Fukushima unter Kontrolle ist.
Als neueste Maßnahme im Kampf gegen den Super-GAU will Tepco, die Betreiberfirma des AKWs Fukushima, rund 12.000 Tonnen radioaktiv verseuchtes Wasser ins Meer einleiten, sagt Arndt Reuning aus der DLF-Forschungsredaktion.
Wie die meisten Japaner fühlt sich die 26-jährige Yasuko Onuma gleich mehreren Glaubensrichtungen zugehörig. Sie sieht sich als Shintoistin und als Buddhistin zugleich, und sie hat kein Problem damit, die verschiedenen Praktiken miteinander zu kombinieren.
Das Leck, aus dem radioaktiv verseuchtes Wasser ins Meer tritt, konnte mit Hilfe chemischer Bindemittel bisher nicht gestoppt werden. Nach einem neuen Plan soll das havarierte AKW mit einer Hülle versiegelt werden.
Spätestens seitdem gewiss ist, dass durch einen Riss im Reaktorblock II in Fukushima in großem Maße radioaktive Stoffe ins Meer gelangen, reiche die Bezeichnung GAU nicht mehr aus, sagt Wissenschaftsredakteur Ralf Krauter.
Die japanische Regierung geht davon aus, dass noch monatelang Radioaktivität aus dem Atomkraftwerk Fukushima entweichen könnte. Ein langer Kampf gegen die Atomkrise sei nicht zu vermeiden, sagte Regierungssprecher Edano.
Tsukiji ist der größte Fischmarkt der Welt. Doch die aktuelle Krise rund um Fukushima macht auch hier nicht Halt: Es kommen viel weniger Kunden.
Die Heldentaten der Atom-Arbeiter in Fukushima erklärt manch ein Feuilletonist gern mit der japanischen Religion. Wichtiger als Buddhismus und Shinto seien dafür jedoch weltliche Ehrbegriffe und der Konfuzianismus, sagt der Japanologe Bernhard Scheid.
Die Lage im Atomkraftwerk Fukushima nimmt immer bedrohlichere Formen an. Am zweiten Reaktorblock ist in einer Betonwand ein Riss festgestellt worden, durch den hochradiokatives Wasser austritt. Die festgestellte Strahlung ist laut Greenpeace lebensgefährlich.
Drei Wochen nach dem schweren Erdbeben und dem verheerenden Tsunami sind in Japan noch immer viele Menschen obdachlos, Tausende werden vermisst. In Bonn sammeln Studierende und Professoren Spenden für Japan - als Anreiz verschenken sie Origami-Kraniche.
Mit 65 steht Gastronom Shigeru Maeda vor einem Neuanfang. Mit 2000 anderen Evakuierten ist der derzeit in einer Sportarena untergebracht und lebt von den Spenden der freiwilligen Helfer. Die Solidarität der Bevölkerung ist riesig, doch Maeda weiß nicht, wie es weitergehen soll.
Wissenschaftsjournalist Sönke Gäthke sagt im Deutschlandfunk, dass noch völlig offen sei, wie sich die Radioaktivität auf das Grundwasser auswirke. Zwar sei nach Angaben der Betreiberfirma Tepco das Kraftwerk auf einer wasserundurchlässigen Schicht gebaut, dennoch wisse man nicht, wohin das Wasser aus dem Reaktor abfließ
Zu Anti-Atomkraft-Demos kommen in Japan jetzt 1200 statt 30 Menschen. Das ist schon ein Erfolg für Masako Sawai, die seit 20 Jahren für das Citizen's Nuclear Information Center in Tokio arbeitet. Wenn die Aktivistin nach Deutschland reist, besucht sie Wackersdorf und Gorleben.
"Es gibt einfach zwei völlig verschiedene Realitäten in diesem Land", sagt der deutsche Filmemacher Werner Penzel über die Situation in Japan mit Hinblick auf die AKW-Katastrophe. Er und seine Frau haben in ihrem Haus auf der japanischen Insel Awajishima Flüchtlinge aus Tokio aufgenommen. Bei ihm könnten die Kinder draußen spielen. Ihn umgebe Kinderlachen.
Großflächiger evakuieren, mehr Schutz für die Bevölkerung: Greenpeace kritisiert die japanischen Behörden. Die Konzentration von radioaktivem Jod 131 im Meerwasser vor Fukushima liegt derweil 3355-fach über Normal.
Im Flugzeug nach Tokio begegnet Silke Ballweg einem jungen Japaner, der in England an seiner Doktorarbeit geschrieben hat, als der Tsunami losbrach. Er kennt die Gegend rund um Fukushima - und weinte, als er die ersten Bilder der Katastrophe sah.
Nach der unmittelbaren Krisenbewältigung in Japan bestehe die Chance, dass künftig Bürgerinitiativen stärker an der Politik partizipieren könnten, hofft der Japanologe Reinhard Zöllner. Bislang hätten nur bestimmte Familien die Hebel der Macht bedient.
Die Brennstäbe dreier von sechs Reaktoren am AKW Fukushima sind beschädigt. Zudem ist offenbar auch die Schutzhülle nicht mehr komplett dicht. Was dies genau bedeutet, erläutert Wissenschaftsjournalistin Dagmar Röhrlich im Gespräch mit Uli Blumenthal.
Wochen- und monatelang bleibt in Fukushima die Gefahr einer Kernschmelze gegeben, sagt Michael Sailer, Mitglied der Reaktorsicherheitskommission der Bundesregierung. Mit anderen Worten: Das Kernkraftwerk ist kaum noch kontrollierbar.
Bei Katastrophen kommen Faktoren zusammen, die alleine genommen noch beherrschbar wären, aber in ihrem Zusammenspiel bedrohlich werden. Dies hat Charles Perrow vor über 25 Jahren am Beispiel des Atomkraftwerkes in Harrisburg beschrieben - man könnte seinen "Leitfaden für die nächste Katastrophe" auch auf Fukushima anwenden.
In den Reaktoren von Fukushima lagern Hunderte Kilogramm Plutonium. Plutonium sei deshalb so gefährlich, weil es ein Alphastrahler sei, erklärt Wissenschaftsredakteur Ralf Krauter. Grund zur Hoffnung aber gebe, dass Plutonium einen sehr hohen Schmelzpunkt habe und nicht so schnell in die Nahrungskette gelange.
Edmund Lengfelder hält die Rettungsversuche für das Kernkraftwerk Fukushima für ein "hilfloses Unterfangen". Man müsse das AKW ähnlich wie in Tschernobyl abdichten - und die Sperrzone auf 50 Kilometer ausweiten.
Neue Schreckensmeldungen aus Japan: Die radioaktive Strahlung in Block 2 des havarierten Atomkraftwerks Fukushima liegt nach Angaben des Betreibers zehn Millionen mal höher als der Normalwert.
Auch zwei Wochen nach der Erdbebenkatastrophe in Japan leben die Menschen nordöstlich von Tokyo noch immer in Notunterkünften und warten auf Lebensmittel, Wasser und Strom. .
Wie die japanische Atomsicherheitsbehörde mitteilte, liegt die Konzentration von radioaktivem Jod 131 im Meerwasser vor Fukushima inzwischen um das Tausendfache über dem zulässigen Höchstwert.
Wissenschaftsjournalist Sönke Gäthke sagt, dass am Block 3 des havarierten Kernkraftwerks in Fukushima Brennelemente beschädigt sein könnten und man gehe davon aus, dass es zu einer Kernschmelze gekommen sei.
Das Erstaunen über den "gelassenen" Umgang mit der Katastrophe kränkt die Japaner. Das sei eine Verallgemeinerung und Fehlinterpretation. Japanologe Wolfgang Seifert erklärt, was genau mit der deutschen Berichterstattung nicht stimmt .
Der Druckbehälter im Reaktor 3 des havarierten japanischen Atomskraftwerks Fukushima sei möglicherweise beschädigt, teilten Atombehörde und AKW-Betreiber am Vormittag mit. Deshalb wurden die Arbeiten gestoppt.
Am ehesten hält Heyo Eckel japanische Kinder und Jugendliche von der Aufnahme radioaktiven Jods in Lebensmitteln für gefährdet. Die Werte seien noch im Grenzbereich, könnten aber steigen - wenn es regnet.
Hat große Beben vom 11. März auch Auswirkungen auf die Bebengefahr vor Tokio? In der größten Stadt der Welt gilt ein schweres Beben als überfällig, seit 25 Jahren bereiten sich die Japaner auf dieses sogenannte Tokai-Beben vor.
Nach Einschätzung von Edmund Lengfelder ist die Gefahr derzeit gering, dass infolge des Atomunfalls in Japan radioaktiv verseuchte Lebensmittel nach Deutschland gelangen. Ob es weitergehende Gefährdungen gebe, könne man erst beurteilen, "wenn man solide Messwerte" hat.
Der Präsident der Gesellschaft für Strahlenschutz, Sebastian Pflugbeil, sieht die Situation am japanischen Atomkraftwerk Fukushima keineswegs als entschärft an. Die in der Umgebung des Kernkraftwerkes gemessene radioaktive Strahlung sei vergleichbar mit der nach der Katastrophe von Tschernobyl.
Japanische Höflichkeit im Zeichen der Katastrophe: Tepco bittet um Entschuldigung für die Mühe, die die Lage im Kernkraftwerk Fukushima den Menschen bereite. Deren künftige Rückkehr in das geräumte Gebiet ist unsicher.
Richtig stabilisiert hat sich die Lage in den havarierten Atommeilern im japanischen Fukushima offenbar noch nicht. Heute früh traten aus dem Reaktorblock 3 erneut graue Rauchwolken aus, kurz darauf wurde eine weitere über Block 2 gesichtet.
Sören Kliem, Leiter der Abteilung Störfallanalyse im Helmholtz-Zentrum Dresden glaubt, dass in Fukushima das Schlimmste überstanden ist. Ganz sicher ist er angesichts der unklaren Informationslage aber nicht.
Die Lage Atomkraftwerk Fukushima bleibt – ja wie eigentlich? Stabil? Katastrophal? Oder stabil katastrophal? Wie schwer das einzuschätzen ist, zeigte sich wieder einmal heute Morgen.
Die Stromversorgung der Reaktorblöcke in Fukushima I sei relativ stabil und der Super-GAU offenbar vorerst verhindert worden, resümiert Hans-Josef Allelein. Als "wirkliche Helden" bezeichnet der Professor für Reaktorsicherheit und -technik die freiwilligen Helfer.
Gemeinsinn, lebenslanges Lernen und eine Überlebenskultur der Mäßigung - die drei Säulen des Konfuzianismus, entstanden 500 vor Christus, sind bis heute Grundlage japanischen Handelns, sagt Manfred Osten. Handeln, das nur ein Ziel kennt: die Chaosüberwindung.
Seit den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki habe sich eine Strömung zeitgenössischer japanischer Kunst entwickelt, die sich thematisch auf subtile Art und Weise mit Bedrohungsszenarien beschäftigt, sagt Andreas Platthaus.
Aus Japan hört man zur Zeit von 50 heldenhaften Männern, die versuchen die Atomkatastrophe einzudämmen. Von den mehr als 16.000 Todesopfern der Tsunamiwelle allerdings wenig. Anmerkungen von Burkhard Müller-Ullrich zum Zahlen-Zynismus.
Am havarierten Kernkraftwerk Fukushima-1 gehen die Bemühungen weiter, die Reaktoren unter Kontrolle zu bekommen.
Schon 2005 sprach Malte Jaspersen mit einem japanischen Wissenschaftler, der eine Kombination von Nuklear- und Erdbebenkatastrophe vorhersagte. Vorwürfe müssten nun alle treffen: die Regierung, die Bürokratie, die Atomindustrie.
Die nukleare Katastrophe in Japan besorgt die südostasiatischen Nachbarländer - sie planen verstärkte Lebensmittelkontrollen für Importe aus Japan. Wie reagiert die Bevölkerung auf die nukleare Katastrophe?
250 Tonnen Reaktorbrennstoff lagern im Abklingbecken des Blocks 4 im AKW-Fukushima. Im Abklingbecken des Blocks 3 befinden sich weitere 90 Tonnen. Die jetzt produzierte Hitze kann Monate anhalten - bis hin zum GAU.
Wissenschaftsjournalist Sönke Gäthke nennt die Zeitnot das größte Problem, um die Reaktorkatastrophe in Japan einzudämmen. Ferner geht er auf ein mögliches kerntechnisches Regelwerk in Deutschland ein, das neue Grundsätze für die Atomkraftwerke festsetzen könnte.
Angesichts der unglaublich schwierigen Situation in Fukushima hat Beate Kallenbach-Herbert vom Öko-Institut Darmstadt Verständnis für die teils hilflos anmutenden Rettungsversuche am Reaktor geäußert. Die Menschen setzten dort ihr Leben aufs Spiel.
Gebannt schaut die ganze Welt auf die fünfzig Arbeiter, die unter extremsten Bedingungen die Reaktoren kühlen oder irgendwie wieder mit Strom versorgen sollen. Und die Welt fragt sich: Wer sind diese Helden in Schutzanzügen, die natürlich wissen, dass dies ein Himmelfahrtskommando ist.
Deutschlandfunk · Kommentar · 17.3.2011
Die Internationale Atomenergiebehörde hat bekannt gegeben, wie viele Menschen direkt oder indirekt durch den Atomunfall in Fukushima 1 verletzt wurden. Es ist eine Chronik der ersten Opfer.
Es sei nicht machbar, den Großraum Tokio mit 35 Millionen Menschen zu evakuieren, schätzt Gerold Reichenbach, Vorsitzender des Deutschen Komitees Katastrophenvorsorge, den Fall der Fälle im japanischen Katastrophengebiet ein.
Im Atomkraftwerk Fukushima wird ein Austritt großer Mengen radioaktiven Materials nach Einschätzung von Experten immer wahrscheinlicher. Die Versuche, die Reaktoren mit Wasser zu kühlen, werden immer verzweifelter.
Im Atomkraftwerk Fukushima hat ein neuer Versuch begonnen, die Anlage aus der Luft zu kühlen. Mehrere Armeehubschrauber warfen Wasser ab. Auch Wasserwerfer wurden in Stellung gebracht. Hoffnung setzt man auch auf eine Stromleitung, die gelegt werden soll.
Seit dem Atomunfall in Japan ist der Roman „Die Wolke“ wieder in den Bestsellerlisten zu finden. "Eigentlich ist es logisch, dass sich jetzt wieder viele an dieses Buch erinnert fühlen", sagt dazu die Autorin Gudrun Pausewang.
Die japanische Bevölkerung reagiert auf die Katastrophenserie dem Augenschein nach mit großer Ruhe und Disziplin. Im Inneren seien die Japaner dennoch sehr betroffen, sie kommunizierten das aber anders, sagt Folker Streib, Ex-Generalmanager der Commerzbank in Japan.
Dass der Stromkonzern Tepco jahrelang Pannen an Atomkraftwerken vertuscht hat, liegt für Unternehmensberater Jochen Legewie auch an der japanischen Unternehmensphilosophie. Anders als im Westen werde in Japan die Verantwortung auf das Unternehmen geschoben, sodass "keine Einzelnen eine klare Verantwortung tragen".
In Japan stehen die Versorgungslage und der Wiederaufbau der Infrastruktur eher im Fokus des öffentlichen Interesses, als die Situation in den Atomkraftwerken, sagt die Geschäftsführerin der deutsch-japanischen Gesellschaft in Düsseldorf, Pia Tomoko Meid.
Wenn es um die Strahlenbelastung geht, die nach der Beschädigung der Atomkraftwerke in Japan zu verzeichnen ist, dann wird diese in Sievert angegeben. Was bedeuten die aktuellen Zahlen für die Gesundheit der Menschen, die ihr ausgesetzt sind.
In Japan ist die Notstromversorgung in Fukushima 1 teilweise oder ganz ausgefallen - die Brennstabelemente können nicht mehr gekühlt werden. Meerwasser soll helfen. In Deutschland werden jetzt auch die Notstromversorgungen der AKW geprüft - aus gutem Grund.
Ehe es in Japan zu einer grundsätzlichen Debatte über die Kernenergie komme, müsse der GAU tatsächlich passieren. Das sagt Wilhelm Vosse, Professor für Politikwissenschaft an der International Christian University in Tokio. Das Land habe bei der Stromerzeugung einfach keine Alternativen.
Die Bilder von der drohenden atomaren Katastrophe in Japan erzeugen nach Ansicht des Risikoforschers Jörg Bergmann von der Uni Bielefeld durch ihre ewigen Wiederholungen im Fernsehen eine Taubheit beim Zuschauer.
Im japanischen Atomkraftwerk Fukushima I ist es zu einer neuen Wasserstoff-Explosion gekommen. Da die Kühlsysteme in den Blöcken 1 bis 3 nicht mehr funktionieren, droht in allen drei Blöcken eine Kernschmelze. Im Reaktorblock 2 könnte die Kernschmelze bereits begonnen haben.
Nach dem schweren Erdbeben in Japan werden immer noch tausende Menschen vermisst. Helfer aus dem Ausland versuchen sich ein Bild von der Lage zu verschaffen.
In zwei Blöcken des japanischen Kernkraftwerks Fukushima Dai'ichi wird eine Kernschmelze befürchtet. Lesen Sie im folgenden, was darunter zu verstehen ist.
Nach dem Erdbeben in Japan ist weiter unklar, wie groß die Gefahr einer atomaren Katastrophe ist. In mehreren Reaktoren gibt es Probleme mit den Kühlsystemen.
In großen Teilen Japans hat am Freitag die Erde gebebt, das Epizentrum lag 400 Kilometer von Tokio entfernt. Der Erdstoß löste eine Tsunamiwelle aus. Die Zahl der Toten könnte laut Behördenangabe über Tausend liegen.
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Schmalspurbahn in Lettland
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Ilko-Sascha Kowalczuk: 17. Juni 1953, Roger Engelmann: DDR im Blick der Stasi
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Absolventenporträt - Die Harfenistin Marina Tsaytler vom 15.06.2013
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