Der neue Papst trifft erste Entscheidungen zum Umbau der römischen Machtzentrale: Ein internationales Beratergremium aus acht Kardinälen soll den Einfluss der Italiener in der Kurie einschränken.
Die Kurie unterstützt den Papst bei der Leitung der Kirche. Die Kongregationen kümmern sich um vielfältige Aufgaben von der Liturgie über die Heiligsprechungen bis zu den religiösen Orden. Ihr Chef ist der Kardinalstaatssekretär - den Papst Franziskus vermutlich bald austauschen wird.
Die Geschichte der römischen Kurie reicht 1600 Jahre zurück. Heutzutage ist sie bei Romanautoren immer wieder ein Thema, das zu Verschwörungstheorien inspiriert. Dabei ist die Curia romana an sich gar nichts Geheimnisvolles.
Die Freundschaft zwischen Jorge Bergoglio und Abraham Skorka, dem Rektor des lateinamerikanischen Rabbiner-Seminars, lässt Fortschritt für das Gespräch der katholischen Kirche mit dem Judentum erwarten.
Die Erwartungen an Franziskus sind hoch: Gerade der Dialog mit den reformatorischen Kirchen braucht frische Akzente. Ökumenisch engagierte Christen in Deutschland hoffen, dass das katholische Kirchenoberhaupt den Protestanten unbefangener gegenüber tritt als Benedikt XVI.
Am Ende seines Lebens schrieb Franziskus von Assisi, die Begegnung mit Aussätzigen sei für ihn ein Schlüsselerlebnis gewesen. Manche Historiker sehen darin den eigentlichen Grund, warum er seinen früheren Lebensstil aufgegeben habe. Doch in Berichten von Zeitgenossen wird deutlich, dass man von einem längeren Prozess der inneren Verwandlung ausgehen muss.
Nach seiner Wahl zum Papst hat sich Jorge Mario Bergoglio für den Papstnamen Franziskus entschieden. Franziskus von Assisi gehört zu den populärsten Heiligen der römisch-katholischen Kirche und wird auch in den anderen christlichen Konfessionen als eine der bedeutendsten Gestalten des Christentums verehrt.
"Eine Papstwahl ist ein schlechthin unverfügbares Ereignis", beschreibt der Publizist Alexander Kissler den Grund, warum die Papstwahl einen so großen Reiz auf die Menschen ausübt. "Niemand kann bestimmen, wann ein Konklave stattfindet." Und am Ende steht nur das blanke Ergebnis und nicht der Weg dorthin.
Auf den neuen Papst richten sich viele Erwartungen. Mit seiner Namenswahl hat Franziskus wohl bewusst ein Zeichen gesetzt, das mit seinem Ruf äußerster Bescheidenheit übereinstimmt, meint Willi Steul. Ob er dem ungeheuren Anspruch seines Amtes gewachsen ist, wird sich allerdings noch zeigen.
Auf Franziskus warten große Aufgaben, nicht weniger als die Reform der Kurie muss er stemmen. Aber dass sich das Konklave für ihn entschieden hat, ist ehrenwert. Und es zeigt das Bedürfnis der Kardinäle nach einer heilen Kirche. Franziskus muss sich nun bewähren - und das wird nicht leicht.
Der Vatikan hat die Kritik am Verhalten des neuen Papstes Franziskus während der Zeit der Militärdiktatur in seiner Heimat zurückgewiesen. Medien hatten berichtet, er habe sich nicht genügend für zwei inhaftierte Mitbrüder eingesetzt. Im Gegenteil, heißt es in Rom, der Argentinier habe vielen geholfen.
Der Militärdiktatur in Argentinien fielen in den 70er- und 80er-Jahren Tausende Menschen zum Opfer. Dennoch hat die Mehrzahl der katholischen Bischöfe das Regime unterstützt - zu diesem Schluss kommt der Historiker Stephan Ruderer in seiner Forschung.
Papst Franziskus solle wieder Ordnung in die Kurie bringen, sagt Pater Klaus Mertes, Jesuit und Leiter des Kollegs St. Blasien. Dass der neue Pontifex "von außen" kommt, könne hierbei von Vorteil sein. Außerdem müssen vor allem den Opfern des Missbrauchsskandals zugehört werden.
In der Wahl des Jesuiten Jorge Mario Bergoglio zum Papst erkennt der Sozialethiker Friedhelm Hengsbach einen Bruch mit dem unabhängigen Charakter der Orden. Deren Mitglieder dürften sich nicht in die "verkrustete" Hierarchie einer "Männerkirche" einbinden lassen.
Nur drei der 66 Bischöfe Argentiniens hätten sich 1976 klar gegen das neue Militärregime ausgesprochen, erklärt Thomas Fischer. Dass Papst Franziskus, damals oberster Jesuit im Land, die Diktatur unterstützt haben soll, sei nicht belegt, so der Professor für die Geschichte Lateinamerikas.
Er hatte ein Sabbatjahr: Jorge Mario Bergoglio kam Mitte der 80er-Jahre aus Argentinien nach Frankfurt am Main. An der dortigen Jesuitenhochschule St. Georgen dachte er über ein Dissertationsthema nach. Eine Spurensuche.
Mit seiner Bescheidenheit und tiefen Gottesverbundenheit werde Papst Franziskus Impulse setzen, sagt der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck. Eine Hauptaufgabe sei, die Kirchen vor Ort wirklich ernst zu nehmen.
Von Benedikt XVI. sei ein "Pontifikat von theologischer Enge" betrieben worden, kritisiert der Sprecher der Reformbewegung "Wir sind Kirche", Christian Weisner. Er hoffe, dass sich das mit dem Jesuiten Franziskus ändert - "denn die Jesuiten sind eigentlich ein aufgeschlossener Orden".
Freude, aber keine Euphorie - das ist die erste Reaktion vieler Menschen im katholischen Mainz angesichts des neuen Papstes aus Argentinien. Im liberal geführten Erzbistum läuteten die Domglocken deshalb wie gewohnt nur zur vollen Stunde.
Für den Philosophen und Politikwissenschaftler Otto Kallscheuer ist mit Jorge Mario Bergoglio ein Gegenbild zu dessen Vorgänger Papst Benedikt XVI. gewählt worden. Ob Franziskus aber die Durchsetzungskraft für grundlegenden Reformen habe, sei fraglich.
Dass die Kardinäle sich so schnell auf einen neuen Papst geeinigt hätten, sei ein Zeichen für den Reformwillen der katholischen Kirche, findet der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück. Ein Signal sei auch, dass die Kirche nicht mehr so europazentriert sei.
Trotz seiner 76 Jahre traue er Papst Franziskus ebenso viel Dynamik und Arbeitskraft zu wie einem Jüngeren, meint Robert Zollitsch, Erzbischof von Freiburg und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Auch erhofft er sich von Franziskus, der in Deutschland studiert hat, ein Verständnis für die Fragen der Ortskirchen.
"Das erste Mal in der Geschichte haben wir einen lateinamerikanischen Papst, einen südamerikanischen Papst und einen Papst, dessen Muttersprache Spanisch ist." Der Begeisterung von Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos haben sich viele Gratulanten aus der ganzen Welt angeschlossen.
Die Grünen-Politikern Katrin Göring-Eckardt zeigt sich überrascht über das Ergebnis des Konklaves. Von Papst Franziskus und der gesamten katholischen Kirche wünscht sie sich eine engere Zusammenarbeit mit den Protestanten.
Der Leiter des deutschsprachigen Programms von Radio Vatikan, Pater Bernd Hagenkord, hat die Wahl des neuen Papstes nicht nur mit Begeisterung aufgenommen. "Wir freuen uns natürlich, dass ein Ordensmitbruder Papst geworden ist, aber die Rolle haben wir eigentlich nie für uns gesehen", sagte er. Für den Jesuitenorden sei das etwas völlig Neues.
Mit Jorge Mario Bergoglio aus Argentinien hatte fast keiner gerechnet. Der Erzbischof von Buenos Aires wurde im fünften Wahlgang zum Papst gewählt. In seiner Heimat Argentinien prangerte er Korruption und soziale Ungerechtigkeit an. Kritiker werfen ihm aber auch eine zu große Nähe zur Militärdiktatur der 70er und 80er Jahre vor.
Dass nicht alle Welt Wunder von einem neuen Papst erwartet, wünscht sich Wolfgang Thierse (SPD), Vizepräsident des Bundestages und Mitglied im Zentralrat der Katholiken ist. Eine so alte Institution wie die Kirche "lässt sich nur sehr langsam verändern", so Thierse.
Auf das "Geschäft" mit Symbolen "versteht sich die Kirche besser als jede andere Institution", sagt der Literaturwissenschaftler Jochen Hörsich. Die alten visuellen Zeichen und Rituale bei der Papstwahl seien Ausdruck der Offenbarung, der "nackten Wahrheit".
"Die Namensgebung ist natürlich ein starkes Signal", meint Stephan Ackermann, Bischof von Trier, denn Franziskus habe in einer kritischen Zeit der Kirche gelebt. Die Tatsache, dass er sich mit seinem Namen nicht in die Reihe mit anderen Päpsten stelle, sei eine Besonderheit.
Die Papstwahl beeindruckt mit ihren Ritualen und Regeln nicht nur Gläubige. Das Warten auf den weißen Rauch fasziniert auch Filmschaffende wie den Regisseur Christoph Schrewe. In seinem Film "Das Konklave" inszenierte er die Papstwahl von Pius II. im Jahr 1458.
Unter dem Pontifikat von Benedikt XVI. hat sich gezeigt, wie fragil die Beziehungen der katholischen Kirche zum Islam und zum Judentum sind. Die Regensburger Rede Benedikts führte zu Unruhen in der islamischen, die Rehabilitierung des Holocaustleugners Williamson zu Protesten in der jüdischen Welt.
Wenn nach der Konklave in Rom der weiße Rauch aufsteigt, dann könnte der neue Papst Odilo Scherer heißen. Der brasilianische Erzbischof hat - wie sein Nachname verrät - deutsche Wurzeln. Seine Familie kam aus dem saarländischen Theley nach Sao Paulo.
Wer wird Nachfolger Benedikts XVI.? Wer wählt den neuen Papst - und wie? Und wer sind die aussichtsreichsten Kandidaten? Hier gibt es die Fakten und Kandidaten.
Das künftige Kirchenoberhaupt steht vor einer existenziellen Frage für die Katholiken: Wie hält es die Kirche mit der Autonomie des Individuums? Der neue Papst muss klären, wie der Vatikan zu modernen Lebensentwürfen steht.
Das neue Kirchenoberhaupt könne nur mit einem Team die nötige grundlegende Reform der Kirche mit angehen, sagt der Theologieprofessor Hubert Wolf. Der neue Papst müsse kritisch schauen, welche Aufgaben er selbst schaffe, und den Rest abgeben.
Benachteiligung von Frauen, Priestermangel, unzeitgemäße Sexualmoral: Viele Katholiken sind unzufrieden mit dem Zustand ihrer Kirche. Doch Reformen bleiben bislang aus.
Wer macht das Rennen? Ein pastoraler Deutsch-Brasilianer, ein intellektueller Kanadier oder der telegene Kulturminister im Vatikan? Die Vorbereitungen für die Wahl eines neuen Papstes laufen auf Hochtouren. Wir stellen die fünf aussichtsreichsten Kandidaten vor.
Es gab peinliche Pannen, Bestechung und sogar Todesfälle: Bei der Papstwahl kam es in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder zu kuriosen oder gefährlichen Begebenheiten. Ein Blick zurück auf die Geschichte des Konklaves.
Welche Eigenschaften sollte der neue Papst besitzen? Und wie muss sich die Kirche in Zukunft verändern? Ein Gespräch mit dem Vorsitzenden des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend, Dirk Tänzler.
Am 12. März beginnt in Rom die Wahl des neuen Papstes. 115 Kardinäle stimmen darüber ab, wer die Nachfolge von Benedikt XVI. antreten wird. Ob ein Papst aus Lateinamerika oder Afrika: Klar ist, es braucht eine starke Führungspersönlichkeit, um die katholische Kirche aus der Krise zu führen.
Das Warten hat ein Ende: Am 12. März beginnen die Kardinäle mit der Wahl des neuen Papstes. Der Vatikan rechnet damit, dass bis Ostern ein Nachfolger für Benedikt XVI. feststeht.
Die Welt wird sich noch wundern, wie selbstverständlich dieser Ex-Papst genau das tut, was er angekündigt hat: aus den Augen der Öffentlichkeit verschwinden, lesen und schreiben, beten, spazieren gehen, auf den Tod warten, kommentiert Jan Ross von der "Zeit".
Rita Waschbüsch vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken und Vorsitzende von Donum Vitae. bewundert den Mut von Benedikt XVI., als Papst zurückzutreten. Die Entscheidung sei kirchengeschichtlich bedeutend und zugleich "ein Stück der Entmystifizierung dieses Amtes".
Sieben Jahre, zehn Monate und neun Tage war Benedikt XVI. Papst der 265. Petrusnachfolger der Kirchengeschichte. Mehr als 30 Jahre hat Joseph Ratzinger die Geschicke der katholischen Weltkirche geprägt, als Theologe, Bischof, Leiter der Glaubenskongregation und schließlich als Kirchenoberhaupt. Was ist ihm gelungen, wo liegen Versäumnisse?
Nikolaus Schneider, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), zeigt sich enttäuscht darüber, dass Papst Benedikt wenig zur ökumenischen Annäherung beigetragen und stattdessen die reformierten Kirchen teilweise brüskiert habe. Trotzdem respektiere er die Gelehrsamkeit des scheidenden Pontifex.
Julia Klöckner wünscht von der katholischen Kirche nach Papst Benedikt XVI. eine stärkere Öffnung in gesellschaftlichen Fragen. Die rheinland-pfälzische CDU-Chefin sprach sich für eine stärkere Mitsprache von Frauen und einen neuen Umgang mit Homosexualität aus.
Papst Benedikt XVI. sei einer der großen Theologen auf dem Stuhl Petri gewesen, sagt Robert Zollitsch, Erzbischof von Freiburg und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Er verteidigt die Aufhebung der Exkommunikation von Mitgliedern der Pius-Bruderschaft, dem Papst sei dabei ein "bedauerlicher Fehler" unterlaufen.
Viel Zeit haben die Kardinäle nicht, die das Konklave zur Papstwahl bilden: Spätestens zwischen dem 15. und dem 20. Tag nach dem Rücktritt des Papstes am Monatsende muss das neue Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche gefunden sein - ein Posten mit Macht und Einfluss, um den im Vatikan hart gerungen wird.
Am 28. Februar legt Papst Benedikt XVI. sein Amt nieder. Die anfängliche Begeisterung nach seiner Wahl im April 2005 wich im Laufe des achtjährigen Pontifikats der Ernüchterung. Nicht nur Kirchenkritiker halten den Rücktritt für seine bedeutendste Reform.
Das Konklave zur Wahl eines neuen Papstes ist nicht mehr zeitgemäß, sagt Helmut Schüller, Mitbegründer der Pfarrer-Initiative in Österreich, die unter anderem für die Zulassung von Frauen zum Priesteramt eintritt. Das ganze System müsse reformiert werden. Außerdem glaubt er, Benedikt XVI. sei nicht nur aus Altersgründen zurückgetreten.
Der aus dem Amt des Papstes scheidende Joseph Ratzinger war nicht mehr und nicht weniger als Leiter einer Weltkirche, und dies nach dem Verständnis des Zweiten Vatikanums als "Erster unter Gleichen". Das Papstamt sollte in unserer Zeit nicht als überirdisch, magisch und unangreifbar gelten, kommentiert Philipp Gessler.
Papst Benedikt XVI. hat sich im Vatikan vor Tausenden Menschen zu den Motiven seines angekündigten Rücktritts geäußert. Es sei ihm klar geworden, dass er nicht mehr in der Lage sei, "das Petrusamt mit der erforderlichen Kraft auszuüben", sagte er. Zu Ostern soll der Nachfolger feststehen.
Nach der überraschenden Rücktrittsankündigung von Papst Benedikt XVI. spekulieren Vertreter der katholischen Kirche aus der ganzen Welt über die Frage, wer sein Nachfolger werden könnte. Zu Ostern soll sein Name feststehen. Doch bis zum 28. Februar, dem Tag, an dem sein Pontifikat offiziell endet, wird Benedikt XVI. sein Amt weiter wie gewohnt ausüben.
Welche Folgen hat der angekündigte Rücktritt des Papstes für die katholische Kirche? Darüber diskutiert Tag für Tag mit Dr. Wolfgang Kessler, Chefredakteur der christlichen Zeitschrift "Publik Forum", Professor Michael Rutz, lange Jahre Chefredakteur des "Rheinischer Merkur" sowie Thomas Migge, Deutschlandradio-Kulturkorrespondent in Rom.
Nach dem angekündigten Rücktritt von Benedikt XVI. sei davon auszugehen, dass ein neuer Papst sein Amt anders ausüben werde als sein Vorgänger, sagt der Theologe Otto Hermann Pesch. Einfach nur die Tradition hochzuhalten, reiche nicht. Wichtig sei eine stärkere Einbindung der Bischöfe bei Entscheidungen.
Benedikt VXI. gehört zu den Menschen, für die gespielt wird, was sie sich wünschen. Mozart zum Beispiel, denn dessen Musik liebt der scheidende Papst. Doch wer Benedikt VXI. wirklich zum Weinen bringen wollte, musste ihm Musik aus der Heimat mitbringen.
Der Schweizer Theologe Hans Küng anerkennt Papst Benedikt VXI. als großen Theologen. "Die Schwäche liegt ja nicht bei seinen intellektuellen Fähigkeiten, sondern seine Leadership-Qualitäten", sagt er. Er habe nicht regiert, das sei auch in der Kurie bekannt gewesen.
Dass der deutsche Papst Benedikt seinen Freund, den polnischen Papst Johannes Paul II., bis zum Tod begleitet hat, haben ihm viele Polen hoch angerechnet. Er wird auch wegen seines Besuchs in Auschwitz geachtet.
Der Bischof von Trier, Stephan Ackermann, nimmt den scheidenden Papst Benedikt vor dem Vorwurf in Schutz, er habe sich nicht genügend mit dem Missbrauchsskandal der katholischen Kirche auseinandergesetzt. Papst Benedikt sei jemand, der dazu eine klare Position bezogen hätte, aber auch eine menschliche Anteilnahme spüren lassen habe.
"Ich finde es sehr wichtig, dass das Charisma der Frauen in unserer Kirche stärker zur Geltung kommt", wünscht sich Stefan Vesper, Generalsekretär des Zentralkomitees deutscher Katholiken, eine Weiterentwicklung unter einem neuen Papst. Er hoffe, "dass die Kirche in eine neue Phase ihrer Zeit geht und dadurch sich auch wandelt."
Das Schicksal seines Vorgängers, Johannes Paul II., dürfte Benedikt zu seinem jetzigen Schritt entscheidend motiviert haben, meint Matthias Gierth. Denn als engster Vertrauter des polnischen Papstes erlebte er das Leiden und Sterben Johannes Paul II. aus nächster Nähe mit.
Wegen seiner konservativen Ansichten umstritten, wurde Papst Benedikt XVI. als gelehrter Theologe geschätzt auch von Papstkritikern. Der evangelische Theologe Friedrich Wilhelm Graf meint, der Papst habe dem Katholizismus ein "intellektuelles, schärferes Profil gegeben.
Papst Benedikt XVI wird sein Amt niederlegen. Als Termin wurde der 28. Februar genannt. Das teilte der Papst selbst in Rom mit. Der 85-Jährige habe nicht mehr die Kraft, die römisch-katholische Kirche zu führen.
Deutschlandradio · Aktuell · 11.2.2013
Seinen Rücktritt verkündete Benedikt laut Radio Vatikan mit folgenden Worten:
Papst Benedikt XVI. wurde während seiner Amtszeit immer wieder kritisiert - nicht zuletzt wegen seines Umgangs mit der umstrittenen Pius-Bruderschaft. Der CSU-Bundestagsabgeordnete Norbert Geis findet die Kritik am Papst "kleinkariert". Der Rücktritt sei ein "Verlust" für die Kirche und Deutschland.
Für Pfarrer Josef Kaiser aus Marktl, Benedikt XVI. Geburtsstadt, ist der Papst ein Brückenbauer. Er habe immer das Gespräch mit anderen Gruppierungen in der Kirche gesucht. So werde er auch in die Geschichte eingehen, sagt er.
In der Münchner Frauenkirche erhielt Benedikt der XVI. am 28. Mai 1977 die Bischofswürde. Heute zündeten dort Gläubige Kerzen für ihn an und beteten für ihn. Die einen sprechen von "Erleichterung" über diesen Schritt, andere machte seine Rücktrittsankündigung betroffen.
Der angekündigte Rücktritt von Papst Benedikt XVI. hat bei vielen Politikern und Geistlichen für Bestürzung und Bedauern gesorgt. Doch auch Kritiker meldeten sich zu Wort.
Deutschlandradio · Aktuell · 11.2.2013
Günther Wassilowsky, Kirchenhistoriker an der Katholisch-Theologischen Privatuniversität Linz, wertet den Rücktritt von Papst Benedikt als Zeichen eines modernen Amtsverständnisses. Dies passe zum Selbstverständnis von Benedikt, der sich vor allem als Diener der Kirche gesehen habe.
Genau um 11:47 Uhr kam die erste Meldung über den Rücktritt von Papst Benedikt. Matthias Gierth, Leiter der Redaktion "Religion und Gesellschaft" beim Deutschlandfunk beschreibt, dass der Papst immer wieder selbst auf die Möglichkeit eines Rücktritts hingewiesen hat.
Papst Benedikt XVI. tritt am 28. Februar zurück, frühestens zwei Wochen später kann sein Nachfolger gewählt werden. Bis Ostern werde der neue Papst aber feststehen, versicherte Vatikansprecher Federico Lombardi.
Er gilt in der katholischen Kirche als Nachfolger des Apostels Petrus: Der Papst ist das Oberhaupt der katholischen Kirche und zugleich Staatsoberhaupt des Vatikanstaats in Rom. In einer dreiteiligen Gesprächsreihe mit dem Theologen Otto Hermann Pesch blickt "Tag für Tag" zurück auf die Geschichte des Papsttums.
Mit Benedikt XVI. seien die inneren Probleme der Kirche nicht gelöst worden, sagt der Buchautor Marco Politi. Auch die Rolle des Heiligen Stuhles auf internationaler Ebene sei nicht so stark, wie sie zur Zeit von Papst Johannes Paul II. gewesen war.
In seinem Buch kritisiert der Vatikan-Kenner und Journalist Marco Politi Papst Benedikt XVI. harsch. Zwar sei er ein brillanter Theologe, als Führungspersönlichkeit einer weltumspannenden Glaubensgemeinschaft aber versage er.
Das Oberhaupt der katholischen Kirche hat in der Christmette im Petersdom die zunehmende Ich-Bezogenheit der Menschen angeprangert. Die Menschen seien so von sich eingenommen, dass kein Platz mehr für Kinder, Arme und Fremde sei. Der Münchener Kardinal Marx rief die Gläubigen auf, dem Kinderwunsch mehr Priorität einzuräumen.
Das Urteil im "Vatileaks"-Prozess ist gefallen: Der angeklagte Ex-Kammerdiener des Papstes, Paolo Gabriele, wurde wegen Diebstahls zu eineinhalb Jahr Haft verurteilt. Noch ist unklar, ob er tatsächlich ins Gefängnis muss.
Der dritte Band der von Papst Benedikt verfassten Trilogie "Jesus von Nazareth" soll den Gläubigen zur Vertiefung dienen, gibt aber auch Nicht-Gläubigen einen gut lesbaren Einblick in die Welt des Christentums.
Der Vatikanexperte Marco Politi hat Papst Benedikt XVI. zu seinem Geburtstag ein gespaltenes Zeugnis ausgestellt. Der Papst sei zwar ein Intellektueller mit besonderen geistigen Fähigkeiten, habe aber "eigentlich nur Beziehungen mit seinem Stab der Mitarbeiter im Vatikan".
In einer Rede vor dem Bundestag hat Papst Benedikt XVI. die Politik zu mehr Verantwortung für Gleichheit und Frieden aufgerufen. Die Rede im Rahmen des viertägigen Staatsbesuches hatte im Vorfeld für hitzige Diskussionen gesorgt. Zahlreiche Abgeordnete erschienen nicht im Parlament.
Am Montag findet der Berufungsprozess des Piusbruder-Bischofs Richard Williamson statt. Dieser hatte im Jahr 2008 in einem Fernsehinterview den Holocaust geleugnet und die Existenz von Gaskammern infrage gestellt.
In seinem in Rom veröffentlichten Hirtenbrief hat Papst Benedikt XVI. den jahrzehntelangen Missbrauch von Kindern innerhalb der katholischen Kirche in Irland "aufrichtig bedauert". Zu den Fällen in Deutschland äußerte er sich nicht.
Sind wir noch Papst? Fünf Jahre nach der Wahl Razingers zum Papst sagen 73 Prozent der an einer "Spiegel"-Umfrage beteiligten Deutschen: Nein, Benedikt XVI. geht nicht angemessen mit den Missbrauchsfällen um. Und die Kirchenaustritte häufen sich.
Papst Benedikt XVI. hat sich tief betroffen über den Missbrauchsskandal an katholischen Einrichtungen in Deutschland gezeigt. Das erklärte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, nach einer Audienz im Vatikan.
Papst Benedikt XVI. hat die Holocaust-Gedenkstätte Jad Vashem in Jerusalem besucht und der rund sechs Millionen ermordeten Juden gedacht. Die Leiden der Opfer dürften niemals geleugnet, in Misskredit gebracht oder vergessen werden, sagte das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche. Antisemitismus müsse entschlossen bekämpft werden.
Papst Benedikt XVI. hat in Australien den sexuellen Missbrauch von Kindern durch katholische Geistliche verurteilt. Diese Vergehen stellten einen schweren Vertrauensbruch dar und verdienten eine deutliche Verurteilung, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche vor Geistlichen in Sydney.
Bei seiner ersten Auslandsreise ist Benedikt XVI. in Köln von tausenden begeisterten Jugendlichen aus aller Welt empfangen worden. Nach seiner Ankunft auf dem Köln-Bonner Flughafen begrüßte der Papst von einem Rheinschiff aus die Teilnehmer des 20. katholischen Weltjugendtages.
Papst Benedikt XVI. ist auf dem Petersplatz in Rom mit einem feierlichen Gottesdienst in sein Amt eingeführt worden. Als Zeichen der päpstlichen Würde empfing er den Fischerring und das Pallium. In seiner mehrfach von Applaus unterbrochenen Predigt verurteilte Benedikt der Sechzehnte Armut, Ungerechtigkeit, Hass und Gewalt in der Welt. Einen besonderen Gruß richtete der neue Papst an die Vertreter des Judentums, mit denen die Katholiken durch ein gemeinsames Erbe verbunden seien.
In seiner ersten programmatischen Rede hat Papst Benedikt XVI. Ökumene und Dialog in den Mittelpunkt seines Amtes gesetzt. Die Wiederherstellung der Einheit aller Christen betrachte er als "vorrangige Aufgabe". Er wolle sich dem mit aller Energie widmen, bekräftigte Benedikt XVI. am Ende seiner ersten Messe als Papst in der Sixtinischen Kapelle in Rom.
Das Konklave in Rom hat einen neuen Papst gewählt. Über der Sixtinischen Kapelle stieg am Dienstag kurz vor 18 Uhr weißer Rauch auf, das Zeichen für eine erfolgreiche Wahl. 115 Kardinäle einigten sich überraschend schnell, innerhalb von nur zwei Tagen, auf den neuen Pontifex. Gewählt wurde der deutsche Kardinal Ratzinger.
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