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PRESSESCHAU
 

Samstag, 18. Mai 2013 12:50 Uhr

Die Kommentatoren befassen sich mit der Lage in Syrien und hier vor allem mit der Haltung der internationalen Staatengemeinschaft zu einem Eingriff in den Bürgerkrieg. Den Anfang macht aber das neue Sicherheitsabkommen der Textilindustrie über die Arbeitsbedingungen in Bangladesch. Die spanische Zeitung EL PAIS kritisiert, dass vor allem US-Unternehmen diesen Schritt nicht gehen wollten:

"Eine konzertierte globale Aktion wäre effektiver gewesen. Experten sehen in dem Abkommen trotzdem einen wichtigen Schritt. Überdies hat die Regierung in Bangladesch inzwischen die Mindestlöhne erhöht und die Beschränkungen für Gewerkschaften aufgehoben. Die Textilindustrie hat einen wesentlichen Beitrag zur Bekämpfung der Armut in dem Land geleistet. Aber als Nächstes muss die Regierung auch dafür sorgen, dass die Wirtschaft stärker diversifiziert wird - jetzt bietet sich dafür eine große Chance",

mahnt die Zeitung EL PAIS aus Madrid.

 

"Diese Vereinbarung greift viel weiter als alle vorherigen",

notiert die amerikanische Zeitung USA TODAY zum neuen Sicherheitspakt westlicher Kleidungshersteller.

"Sie zeigt die Verantwortung westlicher Unternehmen viel direkter auf, was diese wiederum dazu zwingen dürfte, bessere Arbeitsbedingungen von ihren Vertragsfirmen zu verlangen. US-Unternehmen beteiligen sich aber nur peinlich langsam. Ihr Verhalten beschmutzt den Wert ihrer Marken. Vielleicht sollten ihre Produkte einen Warnhinweis tragen: 'Die Herstellung dieses Kleidungsstücks könnte zum Tod eines Arbeiters geführt haben.' Das Verhalten dieser Unternehmen ist so dumm wie tragisch. Warum verdienen sie sich nicht das Recht auf ein anderes Label? 'Wir unterstützen sichere Arbeitsbedingungen in Bangladesch.' Unternehmen sollten Wert darauf legen, Leben zu retten, nicht zu nehmen",

verlangt die Zeitung USA TODAY aus Arlington.

 

"Es ist durchaus möglich, dass der Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch auch dazu führt, dass das wirtschaftliche System in Europa eine Wende erfährt",

mutmaßt die Zeitung DIARIO DE MALLORCA aus Palma de Mallorca.

"Über 1.100 Arbeiter kamen bei dem Unglück ums Leben, und seit Jahrzehnten hält das Großkapital in Asien Arbeiter mehr oder minder wie Sklaven - mit miserablen Löhnen, ohne jede soziale Absicherung und unter katastrophalen Arbeitsbedingungen. Diese Ausbeutung ist allein der Gier geschuldet. Europäische und andere Industrieländer haben die Menschen bisher im Stich gelassen, allen ethischen Prinzipien zum Trotz",

klagt die spanische Zeitung DIARIO DE MALLORCA.

 

Die polnische Zeitung GAZETA WYBORCZA beschäftigt sich mit der Haltung der internationalen Staatengemeinschaft zum Bürgerkrieg in Syrien:

"Das Engagement ist auf den ersten Blick imponierend. Die Russen sprechen mit den Amerikanern, die Amerikaner mit den Briten, die Deutschen mit den Russen, und die Russen mit den Israelis. Die Amerikaner bitten die Russen, dem syrischen Diktator keine neuen Raketen mehr zu liefern. Die Russen wiederum tadeln die Israelis für die eigenmächtige Bombardierung von Zielen bei Damaskus. Und Amerikaner und Briten schwören sich feierlich, bei der Unterstützung der syrischen Opposition zusammenzuarbeiten - auch wenn die Art der Hilfe noch nicht näher definiert ist. All das ist für die Katz. Die Diplomaten rotieren, um ein Ende des Krieges herbeizuführen. Doch letztlich rührt niemand auch nur einen Finger, um die sich gegenseitig niedermetzelnden Syrer zu stoppen. Während die Debatten in einer Endlosschleife hängen, setzt sich der Horror fort: Präsident Assad bombardiert Schulen, Krankenhäuser und Bäckereien - und immer mehr deutet darauf hin, dass er auch das Nervengas Sarin einsetzt",

kritisiert die GAZETA WYBORCZA aus Warschau.

 

In der serbischen Tageszeitung POLITIKA heißt es:

"Das Problem ist, dass es inzwischen eine ganze Reihe von ganz unterschiedlichen und teilweise entgegengesetzten diplomatischen Überlegungen zum Thema Syrien gibt. Immer umstrittener wird auch die Frage von Waffenlieferungen an die Aufständischen - und zwar vor allem deswegen, weil inzwischen bekannt geworden ist, dass unter ihnen mehrere Al-Kaida-Gruppierungen kämpfen. Allein vor diesem Hintergrund dürfte auch die amerikanisch-russische Initiative für eine internationalen Konferenz über Syrien keine besonders großen Aussichten auf Erfolg haben",

stellt die Tageszeitung POLITIKA aus Belgrad fest.

 

Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG findet Russlands Syrien-Politik scheinheilig:

"Moskau hat mit den Raketenlieferungen klargemacht, dass es weiter am syrischen Diktator festhält. Diesen dürfte die Lieferung in seiner Überzeugung noch bestärken, dass er früher oder später siegreich aus dem Bürgerkrieg hervorgehen werde. Es fragt sich umso mehr, welchen Nutzen die von Moskau propagierte Syrien-Konferenz noch haben könnte",

schreibt die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG.

 

Auch die ARAB NEWS aus Dschidda zweifeln dem Sinn einer Friedenskonferenz mit der Assad-Regierung als Gesprächspartner:

"Die Friedenskonferenz ist in Wahrheit eine russisch-iranische Initiative mit dem Ziel, die Welt zu überzeugen, Assad für mindestens ein Jahr weiterregieren zu lassen, wenn nicht sogar auf Lebenszeit. Aber die wahre Gefahr für die syrische Revolution geht von den Revolutionären selbst aus - aufgrund der Streitigkeiten innerhalb der Opposition. Auch die neue Syrien-Resolution der Vereinten Nationen beklagt, dass die Opposition kopflos ist und mutmaßt, dass sie nicht besser ist als das aktuelle Regime. Dieses Bild wird auch vom Assad-Regime propagiert und durch gefälschte Videos verbreitet. Darum muss die Opposition endlich eine Führung wählen, die eine Einheit repräsentiert",

verlangen die ARAB NEWS aus Saudi-Arabien.

 

"In absehbarer Zeit wird niemand mehr Kontrolle über das gesamte Land ausüben können",

ist der österreichische STANDARD sicher.

"Gerade deshalb haben sich Russland und die USA darauf verständigen können, dass ein vielleicht letzter Versuch für eine diplomatische Lösung nötig ist. Das würde eine Einbeziehung des Assad-Regimes und seiner Verbündeten in eine Übergangszeit bedeuten. Damit kann sich aber ein Teil der internationalen Gemeinschaft und vor allem aus guten Gründen der Großteil der Opposition nicht abfinden. Und während man sich nicht entscheiden kann, läuft die Zeit ab, in der man irgendetwas beeinflussen konnte."

Das war DER STANDARD aus Wien.

 

Auch die türkische Zeitung ZAMAN beklagt die Unentschlossenheit der internationalen Gemeinschaft:

"Der amerikanische Präsident Obama hat bei seinem Besuch in der Türkei betont, dass Assad seinen Hut nehmen müsse. Jetzt müssen auf Worte Taten folgen. Es darf dabei nicht nur um den Sturz Assads gehen, sondern auch um die Zeit danach. Wie diese aussehen soll, ist aber noch nicht klar. Deswegen hat niemand es eilig. Aber den Preis dieser abwartenden Haltung werden das syrische Volk und die Türkei zahlen müssen",

betont die Zeitung ZAMAN aus Istanbul.

 

Die chinesische Zeitung WENHUI BAO nimmt die jüngste Syrien-Resolution der Vereinten Nationen kopfschüttelnd auf:

"Den internationalen Medienberichten zufolge nimmt die Brutalität der Gewalt auch seitens syrischer Oppositionsgruppen ständig zu. Warum wird diese auf der UNO-Vollversammlung nicht mehrheitlich verurteilt? Warum richten sich die Sanktionen stets nur auf die syrische Regierung? Hinter dem Assad-Regmine stehen nur Russland und der Iran, während die Staaten hinter der Opposition Assad sowohl in ihrem Einfluss als auch wirtschaftlich überlegen sind. Dass sich die UNO einfach auf die Seite des Stärkeren stellen, das ist weder objektiv noch gerecht. Man darf sich nicht von einer fehlgeleiteten Mehrheitsmeinung täuschen lassen."

Mit diesem Kommentar der Zeitung WENHUI BAO aus Schanghai endet die internationale Presseschau.

 
 
 

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