Dabei ist deutlich geworden, dass nicht alle Gesellschafter eine Zusammenführung der beiden Orchester Deutsches Symphonieorchester Berlin und Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin befürworten können.
Es besteht jedoch Einigkeit darüber, dass Gespräche über eine Zukunftssicherung der roc berlin fortgeführt werden müssen.
Im Folgenden finden Sie ein Interview mit Dr. Willi Steul, Intendant des Deutschlandradios, zur Diskussion um die roc berlin und ihre Ensembles.
Frage: Herr Dr. Steul, die Erregung ist groß, die Zeitungen sind voll: Wollen Sie wirklich die beiden Orchester zusammen legen?
Steul: Erst einmal, das will ich ausdrücklich und nachdrücklich betonen: mein oberstes Ziel ist alleine und ausschließlich die Sicherung der Zukunft. Künstlerisch und finanziell. In dieser Reihenfolge. Aber das Künstlerische kann sich ohne die solide und auf Dauer gesicherte wirtschaftliche Basis nicht sorgenfrei entfalten.
Frage: Aber Sie haben doch am vergangenen Freitag den Vorschlag einer Fusion öffentlich gemacht?
Steul: Nein, nicht ich, das hat zuerst ein namenloser Indiskretin getan. Das hat ein Journalist ohne weitere Recherche bei mir online gestellt, und dann musste ich selbst handeln. Es war anders verabredet und geplant, selbstverständlich hätte ich zuvor auch mit den Musikern gesprochen, das schuldet man ihnen, und erst danach hätten wir den Plan zur Diskussion in die Öffentlichkeit gebracht oder auch nicht.
Frage: Aber Ihr Vorschlag ist nun in der Welt.
Steul: Ja, er wurde auch in der Gesellschafterversammlung diskutiert, und das kann ich nur begrüßen. Den Sturm der Debatte muss man aushalten, selbst wenn Kommentare in der Presse persönlich diffamierend sind. Die roc berlin war im Frühjahr pleite. Mein Vorgänger Ernst Elitz und für den Bund Staatsminister Bernd Neumann haben eine Etat-Erhöhung zugesagt. Der Regierende Bürgermeister Wowereit bringt seine versprochene Erhöhung an diesem Donnerstag ins Abgeordnetenhaus ein. Insgesamt immerhin 6 Mio Euro, da kann man den Vorwurf des "Kaputtsparens" wahrlich nicht erheben. Wir nehmen als Deutschlandradio unseren Kulturauftrag sehr, sehr ernst. Wir, Bund, Berlin und rbb ziehen das Geld aber auch nicht auf Flaschen, selbst wenn Kollegen aus den Feuilletons das glauben.
Frage: Dann ist aber doch ROC GmbH derzeit wirtschaftlich gesichert?
Steul: Aber nur bis 2012. Dann beginnt das Elend der Debatte wieder und damit die Unsicherheit. Die derzeitigen und auch künftigen Finanzprobleme des Bundes und von Berlin liegen auf der Hand. Sie entwickeln sich dramatischer, als die Öffentlichkeit bereit ist zu sehen. Deutschlandradio und rbb haben eine schärfer werdende Debatte über Rundfunkgebühren zu erwarten. Dabei haben wir alle die Pflicht, die Zukunft gerade auch für die Kultur zu sichern. Der Hauptgesellschafter Deutschlandradio hat deshalb auch den Auftrag erhalten, Optionen für eine Zukunftssicherung der roc berlin zu erarbeiten. Ich habe mich nicht danach gedrängt, aber meinen Auftrag erfüllt und als eine der Optionen - ich betone: eine der Optionen - würde eine Zusammenführung der Orchester die Zukunft sichern. Wirtschaftlich. Dass dies künstlerisch schwierig ist, da brauche ich keine Nachhilfe, um mir das zu erklären. Was zum Beispiel am 5.12. sowohl die Süddeutsche Zeitung als auch die FAZ zur unterschiedlichen Handschrift beider Orchester und zu ihrer herausragenden Qualität geschrieben haben, da kann ich nur jedes Wort unterschreiben.
Frage: Was ist denn die Position der übrigen Gesellschafter?
Steul: Wir haben sie in einer Presse-Erklärung zusammen gefasst. Die Gesellschafter sind sich alle einig, dass dringender Veränderungsbedarf besteht, um die Zukunft zu sichern. Und sie bedanken sich bei mir ausdrücklich für die vorgelegten Optionen, das geschah ja auch in ihrem Auftrag. Aber nicht alle Gesellschafter können eine Zusammenführung der Orchester befürworten. Mit einer solchen Zustimmung habe ich gestern auch nicht gerechnet. Der Regierende Bürgermeister muss doch am Donnerstag um seinen Kulturetat bangen, wenn er der Zusammenführung zustimmen würde. Aber wir müssen die Zukunft gestalten. In der jetzigen Struktur ist dies auf Dauer nicht möglich. Wie die zukunftsfähige Lösung aussieht, diese Diskussion ist jetzt in Gang kommen, daher bin ich da gar nicht unglücklich.
Frage: Und wie geht es weiter?
Steul: Mal sehen. Es gibt nicht nur eine Option, es gibt auch noch andere. Entscheidend ist doch, dass Lösungen wirklich ernsthaft verfolgt werden. Das habe ich fest vor. Und da nehme ich auch gerne die zugegeben undankbare Rolle eines Minenhundes auf mich. Aber die Suche nach tragfähigen Lösungen auch im Interesse des Deutschlandradios darf nicht wie in früheren Phasen wieder aufgegeben werden. Wir würden uns versündigen! Wollen wir den absehbaren Mangel verwalten oder müssen wir nicht vielmehr gestalten? Ich bin der Allererste, der rundherum glücklich ist, wenn sowohl das DSO als auch das RSB als dann aber auch solide finanzierte, erstklassige Orchester auf Dauer und zukunftsfähig erhalten bleiben. Die Chöre standen und stehen bei notwendigen strukturellen Sicherungen ohnehin nicht in der Diskussion.
Der neue Rundfunkbeitrag ist da. Für alle Bürger gilt: eine Wohnung - ein Beitrag mehr
Deutschlandfunk
Seit 10:05 Uhr
Gottesdienst
Nächste Sendung: 11:00 Uhr
Nachrichten
Deutschlandradio Kultur
Seit 10:45 Uhr
Musik
Nächste Sendung: 11:00 Uhr
Nachrichten
DRadio Wissen
Seit 09:05 Uhr
Interpretationen
Nächste Sendung: 11:00 Uhr
Nachrichten
Beiträge zum Nachhören
Deutschlandfunk
"Ökonomie des glücklichen Lebens" Teil 1: Yanis Varoufakis
Sendezeit: 16.06.2013, 09:30
Deutschlandradio Kultur
Angstbeißer und Dompteure am Pult - die Beziehung Dirigent und Orchester
Sendezeit: 16.06.2013, 10:05
DRadio Wissen
Absolventenporträt - Die Harfenistin Marina Tsaytler vom 15.06.2013
Sendezeit: 15.06.2013, 15:05
dradio-Recorder
im Beta-Test: