Das Hörspiel "Mörder" von Agnieszka Lessmann (Regie: Christine Nagel, Produktion: DLF/SWR 2011) ist Hörspiel des Monats Oktober 2011.
Die Begründung der Jury:
"Mörder" wählt eine ungewohnte, paradox konstruierte, kindlich-naive Perspektive auf den Schrecken der Geschichte: auf die Verfolgung und Vernichtung der Juden durch das nationalsozialistische Deutschland, aber auch auf die antisemitische Drohkulisse, die der Realsozialismus in Polen braucht, um seine Herrschaft zu stabilisieren. - Das, was dabei unausgesprochen bleibt, gefiltert durch die Wahrnehmung eines Kindes, wird als tatsächliche Grausamkeit vorstellbar. Es sind Andeutungen, bestimmte Redeweisen der Eltern, merkwürdige Personen, verbogene, ungerade Lebensläufe, durch die sich der Antisemitismus vermittelt - Agnieszka Lessmann setzt die dramaturgischen Mittel sparsam, aber sehr genau ein. Trotzdem ist "Mörder" fast schon heiter, wird es doch aus der Sicht eines Mädchens erzählt, das nicht eingeschüchtert ist, sondern mit der Kindern eigenen bewundernswerten Hartnäckigkeit und Furchtlosigkeit die Welt sich erobert. "Mörder"ist auch Ausdruck einer souveränen, dabei immer gewitzten Selbstbehauptung. Die sechsjährige Aga muss 1968 ihr Heimatland Polen verlassen und flieht mit ihren Eltern über den Umweg Israel nach Deutschland. Dort landet die Familie in Frankfurt, einem Wohnhaus der jüdischen Gemeinde. Die Erzählung ist gelassen, undramatisch - gerade weil die Umstände so dermaßen aufgeladen sind. "Mörder" zeigt, wie Agas Eltern und ihre polnische Großmutter ihr ein unbeschwertes Leben ermöglichen wollen und dies den nach wie vor nicht angstfreien, immer noch von Ausgrenzung geprägten Umständen abtrotzen. "Mörder" zeigt aber auch, wie Aga das Heft selbst in die Hand nimmt und mit Hilfe des damals beliebten Fernsehkommissars Erik Ode sich daran macht, das Rätsel aufzuklären, wo die Mörder in jenem "Land der Mörder", von dem ihre Eltern sprechen, geblieben sind.
Agnieszka Lessmanns Stück ist doppelbödig: Man möchte den kleinen Abenteuern Agas folgen und glaubt auch für einen Moment, dass es die typischen Abenteuer einer Sechsjährigen sind. Das stimmt ja auch - und es stimmt nicht. Unter der Oberfläche einer linear erzählten, einfachen Geschichte entfaltet Lessmann eine ungeheure Spannung, die einen immer wieder bewusst macht, dass hier nichts ein Kinderspiel ist.
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