Im Gegensatz zu den beiden anderen Vorgängern des Deutschlandradio entstand der Deutschlandsender Kultur (DS Kultur) erst nach dem Fall der Mauer. Während RIAS und DLF wesentlich durch die Zeit der Teilung geprägt waren, wurde DS Kultur im Sommer 1990 ins Leben gerufen.
Hervorgegangen ist er aus den Programmen Radio DDR II und Deutschlandsender. DS Kultur sollte als Reformsender des demokratischen Umbruchs den staatlich gelenkten Rundfunk der DDR ablösen. Am 16. Juni 1990 nahm der DS Kultur mit Sitz in Berlin seinen Betrieb auf. Gegründet wurde das Programm auch mit Unterstützung des "Runden Tisches", eines quasi-parlamentarischen Gremiums, das sich aus alten und neuen politischen Kräften ostdeutscher Provenienz zusammensetzte.
Das Programm von DS Kultur war national angelegt und sollte ebenfalls die Integration von Ost- und Westdeutschland fördern. Allerdings war der Sender fast ausschließlich im Bereich der neuen Bundesländer zu empfangen, da er die Frequenzen seiner beiden ostdeutschen Vorgänger nutzte.
Gemäß dem Einigungsvertrag vom 3. Oktober 1990 sollte jedoch der gesamte Staatsrundfunk der DDR, also auch DS Kultur, aufgelöst werden. Mit Unterstützung des "Runden Tisches" und eines eigens dafür gegründeten Kuratoriums gelang es aber, den Fortbestand des erst drei Monate alten Programms DS Kultur zu sichern.
Der DS Kultur sendete ein 24-Stunden-Vollprogramm mit starkem Kulturakzent. Der Schwerpunkt lag auf Literatur-, Bildungs-, und Wissenschaftssendungen, Hörspielen, Dokumentationen und Reportagen, aber auch auf Musiksendungen bei denen Rock- und Popmusik zu hören waren. Hintergrundberichte und Features standen in ihrer Gewichtung höher als die tagesaktuelle Berichterstattung. Besonders der osteuropäischen Kunst und Kultur wurde ein großes Feld eingeräumt. Zudem oblag dem DS Kultur die organisatorische und künstlerische Verantwortung des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin und des Rundfunkchors Berlin.
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