Ohne eine Erhöhung der GEZ-Gebühren muss das Deutschlandradio spätestens 2013 seinen Anteil an der Rundfunkorchester- und Chöre GmbH notgedrungen reduzieren, rechnet Intendant Willi Steul vor - präsentiert aber auch eine finanzierbare Lösung zum Erhalt der "wunderbaren Klangkörper".
Karin Fischer: Willi Steul, der Intendant des Deutschlandradios, gilt als "böser Weihnachtsmann", seit er ankündigte, dass der Sender, der einer der Gesellschafter der Berliner Orchester- und Chöre GmbH, kurz ROC, ist, ab 2013 weniger Geld für die Klangkörper aufbringen kann. Organisatorische Veränderungen bei der ROC stehen schon seit über einem Jahr auf der Tagesordnung, doch die von Steul vorgeschlagene Fusion der Orchester wurde damals abgelehnt. Heute nun erklärt der Berliner Kulturstaatssekretär André Schmitz in der "Berliner Morgenpost", die ROC GmbH sei gut aufgestellt, alle vier Klangkörper sollen erhalten bleiben, und er kenne die Einsparankündigungen des Deutschlandradio-Intendanten bislang nur aus der Zeitung. Anlass für uns, ein paar klärende Worte dazu zu verlieren. Herr Steul, ohne gar zu weit auszuholen: Dass die Rundfunkanstalten sparen müssen, weil es trotz der Umstellung von der Geräteabgabe zur Haushaltsabgabe ab 2013 keine Erhöhung der Gebühr geben wird, das pfeifen die Spatzen von den Dächern. Inwiefern hat das mit der ROC zu tun?
Willi Steul: Ja, das hat sofort direkt mit der ROC zu tun. Ich will es Ihnen mal ganz simpel erklären. Deutschlandradio erhält einen Batzen X, das sind ungefähr 190 Millionen, für seine Programme Deutschlandfunk, Deutschlandradio Kultur und DRadio Wissen. Und dann erhalten wir einen Betrag Y für die Aufgaben in der ROC GmbH, also bei den Orchestern und Chören, wo wir 40 Prozent Gesellschafteranteil haben. Wir entnehmen jetzt bis zum Jahr 2012, sozusagen aus der Rundfunk-, aus der Radio-, aus der Programmtasche entnehmen wir zusätzlich noch einmal 2,4 Millionen und subventionieren damit über den Anteil hinaus, der eigentlich vorgesehen ist in unserem Rundfunkgebührenanteil, finanzieren wir die Orchester, und zwar bis Ende 2012. Wenn nun, wie vorgesehen ist, in der neuen Gebühren-, in der Haushaltsabgabe es in den Jahren 2013 und 2014 auch keine Gebührenanpassung geben wird, weil es soll bei diesen 17,98 Euro bleiben, dann haben wir bereits für das Programm Probleme, dies zu finanzieren. Und deshalb - und das haben wir von Anfang an, vor eineinhalb Jahren schon gesagt - sind wir gezwungen, den Anteil ab 2013 wieder auf das zu reduzieren, was wir in dem Gebührenanteil für die Orchester bekommen. Das wissen alle unter den Gesellschaftern, Herr Schmitz - es wundert mich ein bisschen, dass er nun sagt, er kennt meine Vorschläge erst aus der Zeitung - Herr Schmitz gehört zu den Gesellschaftern, er vertritt das Land Berlin, die einen 25-Prozent-Anteil an der GmbH haben. Die haben mich sozusagen und Deutschlandradio vor eineinhalb Jahren beauftragt, nach Lösungen zu suchen, wie wir das Ganze wirtschaftlicher organisieren können. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir nur mit organisatorisch strukturellen Veränderungen die Zukunft wirklich sichern können, und ich kann Ihnen versichern - und vor allen Dingen auch unseren Hörerinnen und Hörern -, wir haben das größte Interesse, dass diese vier wunderbaren Klangkörper - das DSO und das RSB, die Orchester und auch der Rundfunkchor und auch der RIAS Kammerchor, glänzende Ensembles -, dass die erhalten bleiben.
Fischer: Die Organisation der ROC GmbH ist für die Öffentlichkeit ja nicht so wirklich wichtig und auch im Übrigen sehr schwer zu durchschauen, das haben Ihre Ausführungen schon belegt. Es ist ein Kind der Einheit, wenn man so will, und ein künstlerisch überaus erfolgreiches. Wenn man nun an den Strukturen arbeiten muss, wo genau dann?
Steul: Das ist ja das Drama, dass wir es hier mit Ensembles zu tun haben, die wunderbar sind, die auch eine Entwicklung gemacht haben. Sie gehören zu den wirklich guten Ensembles in dieser Republik. Der RIAS Kammerchor gehört zu den zehn europaweit oder sogar weltbesten - das war jetzt eine Untersuchung einer wichtigen Zeitung - Chören, die wir haben. Man darf die Augen nicht vor der Realität verschließen, und Kultur muss finanzierbar sein. Und wir müssen das so organisieren, dass wir es auch wirtschaftlich führen können. Und alleine das ist mein Ziel, alleine das ist mein Ziel - und da habe ich auch übrigens Leidenschaft.
Fischer: Nun schwebt der Vorschlag im Raum, dass die einzelnen Organisationseinheiten sozusagen von den einzelnen Gesellschaftern übernommen werden. Was kann dabei Gutes rauskommen?
Steul: Ich gebe Ihnen das mal am Beispiel eines Orchesters. Nehmen wir Deutschlandradio - wir würden ein Orchester in der Verantwortung an uns binden, dann würden wir mit diesem Geld, was wir in diese heutige ROC GmbH tun, wären dann auch verantwortlich für die Einhaltung des Budgets von diesem Teil. Und der Bund und Berlin können andere Teile von der ROC führen. Wir können einen kleinen organisatorischen Überbau organisieren. Wenn Sie diese Ensembles angliedern an existierende Kulturinstitutionen, dann können hier synergetisch - beim Marketing, beim Ticketing, beim Abonnement - dann kann man hier Einsparungen erzielen und wir können sie damit zukunftsfähig machen.
Fischer: Herr Steul, was ist das im Moment für eine Auseinandersetzung? Sehe ich das richtig, dass im Moment die Rhetorik, das Bild als Ganzes so nicht stimmt?
Steul: Ja, das Bild stimmt überhaupt nicht. Die Gesellschafter haben vereinbart - und da war Herr Schmitz am Tisch -, dass wir nach ökonomischen, wirtschaftlichen Lösungen suchen müssen. Und Deutschlandradio hat immer gesagt, dass wir diese erhöhte Subvention nur tragen können bis Ende 2012.
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